Aktualisiert 02.04.2020 12:54

6 Tipps für Eltern

«Drücken Sie auch einmal ein Auge zu»

Der Alltag von Familien steht in der Corona-Krise kopf. Der Psychotherapeut Erhard Trittibach erklärt, wie Struktur in die Kinderbetreuung daheim kommt.

von
Geraldine Schläpfer
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Die Schulen sind zu, die Kinder bleiben rund um die Uhr zu Hause, während viele Eltern im Homeoffice arbeiten sollten. Was hilft, um ein Chaos vorzubeugen?

Die Schulen sind zu, die Kinder bleiben rund um die Uhr zu Hause, während viele Eltern im Homeoffice arbeiten sollten. Was hilft, um ein Chaos vorzubeugen?

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Tagesplan skizzieren: Wann steht man auf, um welche Zeit werden Mathe-Aufgaben gemacht, wann gehts nach draussen und ab wann darf ein Film geschaut werden? Zum Stundenplan.

Tagesplan skizzieren: Wann steht man auf, um welche Zeit werden Mathe-Aufgaben gemacht, wann gehts nach draussen und ab wann darf ein Film geschaut werden? Zum Stundenplan.

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Dank einem groben Stundenplan muss nicht alles von Tag zu Tag neu ausdiskutiert werden.

Dank einem groben Stundenplan muss nicht alles von Tag zu Tag neu ausdiskutiert werden.

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Tipp 1: Stundenplan gestalten

Es lohnt sich, auch für die Zeit daheim einen groben Plan aufzustellen, der den Tag in Lern- und Freizeit einteilt. Dabei ist weniger mehr: Gemäss dem Psychotherapeuten Erhard Trittibach reicht es je nach Alter, ein bis zwei Stunden Lernzeit am Vor- und dann nochmals am Nachmittag einzuplanen.

Während der Lernzeit sollen sich die Kinder den schulischen Aufgaben widmen, die sie von den Lehrpersonen bekommen und diese so selbstständig wie möglich lösen. «Die Kinder verpassen ein paar Wochen Schule, diese werden sie locker wieder aufholen können.»

Tipp 2: Freizeit aktiv gestalten

Zu viel Zeit zusammen auf engem Raum führt schnell zu Spannungen und Konflikten. Der Experte rät daher, so oft wie möglich mit den Kindern in die Natur zu gehen, zum Beispiel zum Spielen oder Blumensammeln im Wald.

Dazwischen dürfen die Kinder jetzt auch aktiv im Haushalt mithelfen: Einen Sonntagszopf backen, beim Kochen assistieren oder Wäsche zusammenlegen – zeigen Sie Ihren Kindern, dass sie in dieser speziellen Zeit eine wichtige Hilfe sein können.

Tipp 3: Geduld mit sich selbst haben

Es hilft, sich einzugestehen, dass wir Menschen sind und Grenzen haben. Eltern müssen nicht Supermoms und Superdads sein, die alles im Griff haben und in jeder Situation souverän sind.

Der Tipp des Experten: Teilen Sie sich früh Ihren Kindern und Ihrem Partner mit, anstatt auf die Zähne zu beissen und souverän wirken zu wollen, bis die Bombe platzt. Eltern dürfen auch mal an ihre Grenzen kommen, laut werden und den Kindern sagen: «Ich mag nüm.»

Tipp 4: Sich Elternpausen gönnen

Kinder brauchen nicht permanent beide Elternteile, um sich betreut zu fühlen. Teilen Sie sich Ihre Elternzeit mit dem Partner ein, sodass beide auch die Chance haben, Zeit für sich oder das Homeoffice zu haben.

Alleinerziehende sollen sich vermehrt Unterstützung und Hilfe durch den anderen Elternteil oder zum Beispiel das Gotti oder den Götti holen (telefonisch oder unter Einhaltung der Social-Distancing-Regeln).

Tipp 5: Ein Auge zudrücken

Kein Pausenplatz, um sich auszutauschen, und auch die Fussballtrainings und Ballettstunden fallen weg: Neben den Hobbys fehlen den Kindern im Moment auch die sozialen Kontakte zu Freundinnen und Freunden. Drücken Sie bei der Bildschirmzeit also ein Auge zu und lassen Sie Ihre Kinder facetimen, skypen, chatten oder auch mal online-videogamen mit Freunden, um sich auszutauschen.

Natürlich sollten die Kinder nicht nur vor dem Bildschirm kleben, aber nehmen Sie es für einmal nicht so genau und erklären Sie Ihrem Kind, dass dies eine spezielle Regelung ist», sagt Trittibach. Das gilt übrigens auch für die Schlafenszeiten.

Tipp 6: Alles geht vorbei

Kinder brauchen derzeit viel mehr Aufmerksamkeit von den Eltern, weil sie ihre einzigen Bezugspersonen sind. Zeigen Sie Verständnis, wenn Ihre Kinder quengeliger oder nörgeliger sind als sonst.

Gestalten Sie aufgrund der Bedürfnisse der Kinder deren Freizeit mit Spielen und schauen Sie auch mal gemeinsam einen Film. «Wir sind in einem Ausnahmezustand und es geht darum, die Krise so gut wie möglich und nicht perfekt zu überstehen», meint Erhard Trittibach.

Wer sich aber wirklich Sorgen um sein Kind macht oder einen Austausch sucht, kann mit dem Kinderarzt oder anderen Beratern telefonieren. Mehr dazu in der Infobox.

Was ist Ihr Tipp, um die Kinderbetreuung in Corona-Zeiten daheim einfacher zu gestalten? Helfen Sie anderen Lesern:

Der Experte

Erhard Trittibach ist Psychotherapeut für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

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