Erster Coronavirus-Fall in der Schweiz: Coronavirus in der Schweiz

Erster Coronavirus-Fall in der SchweizCoronavirus in der Schweiz

In der Schweiz ist erstmals ein Fall des neuartigen Coronavirus bestätigt worden.

von
Konstantin Furrer

  • Am 25. Februar gab es den ersten Coronavirus-Fall in der Schweiz.
  • Mittlerweile gibt es 2200 Fälle in der Schweiz, davon sind 1563 bestätigt. (Stand 15. März 2020)
  • 19 Personen sind in der Schweiz am Virus gestorben.
  • Das Virus wurde in allen Kantonen nachgewiesen.
  • Der Bundesrat stuft die Situation als «besondere Lage» gemäss Epidemiengesetz ein.
  • 8 Kantone haben den Notstand ausgerufen.
  • Die Weltgesundheitsorganisation spricht von einer Pandemie.

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Montag, 16.03.2020

Kanton Waadt

Ab Dienstagmorgen ruft nun auch der Kanton Waadt den Notstand aus: Die Waadtländer Regierung hat beschlossen, per Dekret neue aussergewöhnliche Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu ergreifen. Ab Dienstag 6:00 Uhr sind alle Demonstrationen und alle öffentlichen Versammlungen verboten. Private Versammlungen sind auf 10 Personen begrenzt.

Tui unterbricht Reisebetrieb

Vom Unterbruch des Reisebetriebs beim Tui-Konzern ist auch die hiesige Tochter Tui Suisse betroffen. Da der Bund aufgrund der Corona-Pandemie von allen nichtnotwendigen Auslandsreisen abgeraten hat, habe man entschieden, das weltweite Reiseprogramm vorerst bis und mit 27. März auszusetzen, teilte die Schweizer Gesellschaft am Montagnachmittag mit.

Bild: Keystone

Sämtliche Gäste, deren Reise in den nächsten Tagen hätte beginnen sollen, würden aktiv informiert. Doch bitte man die Gäste auch um Verständnis. «Die Vielzahl der Reisebuchungen werden chronologisch nach Abreisedatum bearbeitet und die Benachrichtigung kann daher noch etwas Zeit in Anspruch nehmen», hiess es in dem Communiqué. Rückflüge von bisherigen Reisen fänden weiterhin statt.

Am Morgen hatte bereits der Mutterkonzern aus Deutschland mitgeteilt, dass er aufgrund der Coronakrise den überwiegenden Teil des Reisegeschäfts vorerst einstellt. Man habe beschlossen, «den grössten Teil aller Reiseaktivitäten, einschliesslich Pauschalreisen, Kreuzfahrten und den Hotelbetrieb, bis auf weiteres auszusetzen», hatte es in einer Mitteilung geheissen.

Zudem laufen bei Tui Deutschland Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat zur Einführung von Kurzarbeit. «Ziel ist es, eine zeitnahe Einführung zu ermöglichen», sagte ein Sprecher. Doch wolle Tui «einen Beitrag zu den weltweiten Bemühungen der Regierungen leisten», die Folgen der Verbreitung des Covid-19-Erregers abzuschwächen.

LeShop ist bis Ende März ausgebucht

Wie der Migros-Lieferdienst LeShop auf seiner Website schreibt, sind alle Lieferfenster bis Ende März ausgebucht: «Wir fügen jeden Tag neue Lieferfenster hinzu, Sie können daher Ihren Warenkorb bereits vorbereiten und Ihre Bestellung abschicken, sobald neue Lieferfenster zur Verfügung stehen.»

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Kanton Basel-Stadt

Der Kanton Basel-Stadt meldet drei weitere Todesfälle. Es handelt sich um zwei Frauen und einen Mann. Sie waren alle über 70 Jahre alt und litten unter Vorerkrankungen. Alle drei waren im Universitätsspital Basel (Bild) hospitalisiert. Insgesamt sind damit vier Personen im Kanton Basel-Stadt an den Folgen des Coronavirus gestorben; 144 Personen haben sich im Kanton mit dem Virus infiziert.

Keystone

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Pärke zu

Die Stadt Lugano schliesst heute alle Pärke und Spielplätze. Auch Bellinzona bereitet die Schliessung der Pärke vor.

Ziel sei es, den Kontakt zwischen den Personen zu reduzieren. Die Polizei Lugano werde überprüfen, ob die Anordnung eingehalten werde, heisst es in einem Schreiben der Stadt.

Auch die Schalter der Verwaltung sind bis auf weiteres geschlossen. Die verschiedenen Ämter der Stadtverwaltung seien jedoch per Mail oder Telefon erreichbar, heisst es im Schreiben weiter. (SDA)

Todesfall in Zürich

Im Kanton Zürich ist ein erster Corona-Patient an den Folgen der Infektion gestorben. Es handelt sich um einen 88-jährigen Mann mit Vorerkrankungen. Er starb am Sonntag in einem Pflegezentrum der Stadt Zürich, wie die Gesundheitsdirektion am Montag mitteilte.

Schaffhausen

Seit Montagmorgen findet in der Schweiz kein Schulunterricht mehr statt. Der Kanton Schaffhausen weitet das Unterrichtsverbot nun aus: Schliessen müssen auch alle Kindertagesstätten, Krippen, Horte, Mittagstische und Spielgruppen. Auch die Notfallbetreuung an der Volksschule wird eingestellt.

Alle Einrichtung für die familien - und schulergänzende Betreuung von mehr als sechs Kindern müssen ab Donnerstag geschlossen bleiben, wie der Kanton am Montag mitteilte. Sie müssen allerdings ein Notbetreuungsangebot sicherstellen.

Dieses richtet sich aber nur an Kinder, deren Eltern entweder im Gesundheitswesen, bei einer Blaulichtorganisation, in der Notbetreuung oder in der Medizinalherstellung arbeiten.

Eingestellt wird zudem die Betreuung an der Volksschule. Die Schüler, die in Ausnahmesituationen trotzdem noch in die Schule kommen würden, hätten nur noch bis am Mittwochmittag eine Betreuung. Danach müssen sich die Eltern selber organisieren.

Kanton Wallis

Nach Genf hat auch der Kanton Wallis am Montag den Notstand ausgerufen, wie die Behörden auf ihrer Webseite schreiben. Alle gastronomischen Einrichtungen werden ab 18.30 Uhr für die Öffentlichkeit geschlossen, ebenso wie Geschäfte, Läden und Märkte, mit Ausnahme derer, die Lebensmittel oder Güter für den Grundbedarf verkaufen. Am Montagmittag trifft sich der Bundesrat, um über das weitere Vorgehen in der ganzen Schweiz zu beraten. Eine Pressekonferenz wird am Nachmittag erwartet.

Kanton Genf

Der Kanton Genf hat am Montagmorgen im Kampf gegen die Coronavirus-Epidemie die Notlage ausgerufen. Wie die Kantonsregierung mitteilte, müssen Restaurants und Geschäfte ab 18 Uhr schliessen. Ausgenommen sind Geschäfte, die der Grundversorgung dienen.

Winterthur

Der Stadtrat von Winterthur hat am Sonntag beschlossen, sämtliche öffentliche Einrichtungen bis zum 30. April zu schliessen. Die Departemente werden ausserdem ermächtigt, entbehrliche Dienstleistungen einzustellen.

Zu den betroffenen Einrichtungen zählen unter anderem Museen, Bibliotheken, Sportzentren, Schwimmbäder, Turnhallen und Garderobenanlagen, wie die Stadt Winterthur am Montag mitteilte. Die Institutionen sollen bis Ende April geschlossen bleiben.

Bild: Keystone

Die Departemente erhalten zudem die Befugnis, entbehrliche Dienstleistungen einzustellen, wobei die Leistungen soweit möglich im Homeoffice weiter zu erbringen seien. Es sei aber möglich, dass gewisse Dienstleistungen der Stadtverwaltung vorübergehend ausgesetzt werden oder nur noch via Internet, Telefon oder Post erledigt werden können.

Zentralschweiz

Die erste Person aus der Zentralschweiz, die mit dem Coronavirus infiziert worden war, ist ausgeheilt und «absolut gesund». Der 21-Jährige hatte während der gesamten Krankheit lediglich leichte Symptome.

Dies teilte die Zuger Gesundheitsdirektion am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Zu einer allfälligen Immunität könne zum jetzigen Zeitpunkt keine medizinisch belegte Aussage gemacht werden.

Der Kanton Zug meldete den ersten nachgewiesenen Corona-Fall der Zentralschweiz am 3. März. Der im Kanton Zug wohnhafte Mann hatte sich an einem privaten Anlass im Kanton Zürich angesteckt. Er wurde in einem Zürcher Spital isoliert.

Sechseläuten

Nach der Absage des Zürcher Sechseläutens haben die Verantwortlichen entschieden, dass die Zünfter auch nicht im kleinen Kreis feiern sollen. Sie raten von Feiern in Zunfthäusern ab, auch wenn weniger als 50 Leute dabei sein sollten.

Wie die Organisatoren am Montag mitteilten, soll der Gastauftritt des Kantons Uri wenn möglich im kommenden Jahr nachgeholt werden. Der für 2021 geplante Auftritt des Kantons Appenzell Ausserrhoden müsste dann zwangsläufig auf 2022 verschoben werden. Erste positive Gespräche seien bereits geführt worden.

In Kontakt sind die Verantwortlichen auch mit Behörden, Partnern und Lieferanten. Man versuche, den finanziellen Schaden zu erurieren und möglichst zu begrenzen.

Armeehilfe in 5 Kantonen

Rund 300 Angehörige des Spitalbataillons 5 der Armee rücken wegen der Coronavirus-Pandemie am Montag für Hilfseinsätze in den Kantonen ein. Fünf Kantone haben mittlerweile um Unterstützung durch die Armeeangehörigen gebeten.

Am Montagvormittag lagen Anfragen der Kantone Tessin, Graubünden, der beiden Basel und Thurgau vor, wie Armeesprecher Daniel Reist auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Diese Gesuche würden nun bearbeitet. Die Lage ändere sich von Minute zu Minute.

Die Armeeangehörigen des Spitalbataillons 5 rücken am Montag in die Innerschweiz ein und werden dann gemäss den angemeldeten Bedürfnissen auf die Einsatzorte verteilt, wie Reist sagte. Damit die Armeeangehörigen Hilfe leisten könnten, brauche es Anfragen der Kantone.

Bild: Keystone

Nach Angaben von Reist arbeiten rund zehn Prozent der mit dem Spitalbataillon 5 eingerückten Armeeangehörigen selbst in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Die Armeeführung habe verfügt, dass sie einrücken und bei der Ausbildung helfen müssten, dann aber auf Gesuch ihrer Arbeitgeber nach Hause zurückkehren könnten.

Die Schweizer Armee verfügt über insgesamt vier Spitalbataillone. Ob nach dem Spitalbataillon 5 noch weitere aufgeboten werden, war laut Reist am Vormittag noch offen. Bereits im Einsatz ist die Armee wegen der Coronavirus-Pandemie mit gut zwei Dutzend Personen im Tessin.

Professor warnt

Der Neuropathologe Adriano Aguzzi vom Universitätsspital Zürich wendet sich wegen der Corona-Krise in einem Video an die Bevölkerung: «Sie müssen unbedingt zuhause bleiben!» Der Kontakt mit anderen Personen soll gemieden werden, sagt Aguzzi weiter.

Das Virus verbreite sich derzeit exponentiell. Das heisst: Jeden Tag verdoppelten sich die Ansteckungen in der Schweiz. Zwar habe man derzeit noch nicht so viele Fälle, doch das Virus könnte sich ohne die korrekten Massnahmen ausbreiten wie ein Lauffeuer. Aguzzi plädiert daher für einen «Lockdown». Das beste Mittel gegen die rapide Ausbreitung des Virus sei «Social Distancing».

Autoprüfungen in Luzern verschoben

Im Kanton Luzern müssen angehende Autofahrer, die kurz vor der Autoprüfung stehen, vorläufig mit dem «L» am Heck herumfahren. Das Strassenverkehrsamt nimmt wegen des Coronavirus keine praktische Führerprüfung mehr ab, wie es am Montag auf seiner Homepage mitteilte.

Weiter ruft das Strassenverkehrsamt die Automobilisten auf, wenn möglich nicht beim Amt vorbeizukommen. Es verweist auf seinen Onlineschalter. Kontrollschilder und Ausweise könnten auch per Post ans Amt zugestellt werden.

Keine Bussen in Zürich

Mit der Begrenzung auf 50 Personen in Bars und Restaurants hat es am Wochenende in Zürich keine Probleme gegeben. Die Betreiber hätten sich grundsätzlich daran gehalten, heisst es bei der Stadtpolizei. Viele Lokale hätten ohnehin gleich geschlossen.

Vor allem Jüngere würden die Sache offenbar aber noch nicht ganz ernst nehmen, sagte ein Sprecher der Stadtpolizei auf Anfrage. Es habe vereinzelt noch Orte gegeben, an denen sich dreissig, vierzig Leute versammelt hätten. Allerdings seien die Leute im Freien herumgestanden. Dies sei bis jetzt nicht verboten.

Statt in Restaurants und Bars zu sitzen, machten viele Zürcherinnen und Zürcher lieber einen Spaziergang. Auch dies ist bis jetzt nicht verboten.

Bild: Keystone

Sonntag, 15.03.2020

Ibuprofen

Nun hat sich auch das BAG zu den Fake News über Ibuprofen im Zusammenhang mit dem Coronavirus geäussert. Es gebe keine Beweise dafür, dass das Medikament bei einer Infektion mit dem Virus gefährlich sei.

Neuenburg und Graubünden

Weitere Kantone ziehen beim Shutdown nach: Auch in Graubünden und Neuenburg ist das öffentliche Leben ab Montag lahmgelegt. Läden und Betriebe, die nicht für die Grundversorgung notwendig sind, müssen schliessen. Die Mobilität sollte auf das Notwendige reduziert werden. Damit haben nun fünf Kantone das öffentliche Leben auf ein Minimum beschränkt.

Bundesrat

Der Bundesrat hat am Sonntagabend eine ausserordentliche Sitzung abgehalten, wie Bundesratssprecher André Simonazzi per Twitter mitteilte. Es ging darum, die Wirkung der am Freitag getroffenen Massnahmen zu analysieren.

Der Bundesrat habe Bilanz gezogen über die Situation in den Kantonen und Nachbarländern und das weitere Vorgehen im Kampf gegen die Epidemie diskutiert, schreibt Simonazzi. Der Bundesrat prüfe die Situation laufend und werde in Kürze eine weitere Sitzung zu diesem Thema abhalten.

Session

Die Frühjahrssession der eidgenössischen Räte wird wegen der Coronavirus-Pandemie abgebrochen. Darauf haben sich Präsidenten aller Fraktionen am Sonntag geeinigt. Ständeratspräsident Hans Stöckli (SP/BE) bestätigte auf Anfrage eine Information des «Tages-Anzeigers».

Bild: Keystone