New York: Erster Fall einer Polio-Infektion in den USA seit knapp 10 Jahren

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New YorkErster Fall einer Polio-Infektion in den USA seit knapp 10 Jahren

Ein Mann hat sich als erste Person seit knapp einer Dekade mit Polio angesteckt. Die Krankheit – auch als Kinderlähmung bekannt – gilt auf der Welt als beinahe ausgerottet.

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Ein Mann aus dem Bundesstaat New York wurde positiv auf Polio getestet. 

Ein Mann aus dem Bundesstaat New York wurde positiv auf Polio getestet. 

IMAGO/Eckhard Stengel
Der Impfstoff gegen Polio kann auch als Schluckimpfung verabreicht werden. 

Der Impfstoff gegen Polio kann auch als Schluckimpfung verabreicht werden. 

AFP
Ein Mädchen erhält während einer Anti-Polio-Kampagne in einem einkommensschwachen Viertel in Karachi, Pakistan, eine Impfung. 

Ein Mädchen erhält während einer Anti-Polio-Kampagne in einem einkommensschwachen Viertel in Karachi, Pakistan, eine Impfung. 

REUTERS

Darum gehts 

  • Eine Person im Bundesstaat New York wurde positiv auf Polio getestet.

  • Die Krankheit – auch bekannt als Kinderlähmung – gilt auf der Welt als beinahe ausgerottet. 

  • Eine Heilung der Krankheit gibt es bislang nicht. 

In den USA ist erstmals seit fast einem Jahrzehnt ein Poliofall nachgewiesen worden, der durch einen Geimpften ausgelöst wurde. Die örtliche Gesundheitsbehörde im Bezirk Rockaway des Bundesstaates New York teilte am Donnerstag mit, ein nicht geimpfter Bewohner des Staates sei erkrankt.

Übertragende Person war geimpft

Eine erste Sequenzierung deute darauf hin, dass die Übertragung von einem Menschen ausgegangen sei, der mit dem oralen Polioimpfstoff geimpft worden war, der abgeschwächte Lebendviren enthält. Dieser ist in den USA nicht mehr zugelassen. Daher stamme das Virus möglicherweise von einem Ort ausserhalb des Landes, so die Gesundheitsbehörde.

Bei Polio wird zwischen Wildtypen und von Impfstoffen abgeleiteten Viren unterschieden. Poliowildviren sind nach Angaben der Globalen Initiative zur Ausrottung von Polio in diesem Jahr bislang nur in Pakistan, Afghanistan, Mosambik und dem Sudan aufgetreten. Poliofälle in mehreren Ländern können aber durch Viren aus Lebendimpfstoffen verursacht werden. In den USA und auch in Deutschland wird deshalb nur noch inaktiver Polioimpfstoff verwendet.

Letzte bekannte Infektionen anfangs der 80er Jahre

Medienberichten zufolge gilt Polio in den USA seit 1979 als ausgerottet. Der letzte bekannte Fall einer nachgewiesenen Impfpolio sei 2013 bei einem Baby aufgetreten, das ein sehr schwaches Immunsystem hatte.

In der Schweiz wurde 1982 der letzte autochthone Fall, der auf eine Wildvirusinfektion zurückgeht, gemeldet. Einzelimpfstoffe gegen Polio oder Kombinationsimpfstoffe gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Hib, Meningitis (mit oder ohne Hepatitis B) gewährleisten einen Schutz von mindestens 95 Prozent vor Kinderlähmung. 

Polio/Kinderlähmung

Die Krankheit Poliomyelitis ist noch nicht weltweit ausgerottet, obwohl man diesem Ziel nahe ist. Deshalb muss auch in Polio-freien Ländern weiterhin dagegen geimpft werden. Je nach Reiseziel ist eine Auffrischimpfung auch nach dem Kindesalter nötig. Eine Impfung ist die einzige Möglichkeit, sich vor dieser Krankheit zu schützen.

Die Infektion der Polio-Viren wird meist über Schmierinfektionen durch schmutzige Hände oder kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel übertragen, allenfalls auch durch Tröpfcheninfektion aus dem Rachenraum. 

Erkrankungen äussern sich meist mit Grippe-artigen oder Magen-Darm Beschwerden. Weniger als ein Prozent der Infizierten entwickeln das klassische Bild der Kinderlähmung mit schlaffen Lähmungen (meist einseitig, Beine öfter als Arme). Seltener kommt es zu einer Atemlähmung, schreibt das Bundesamt für Gesundheit BAG.

Die schlaffe Lähmung kann sich vollständig rückbilden aber auch lebenslang weiterbestehen. Es gibt keine antivirale, sondern lediglich eine symptomatische Behandlung. Noch nach Jahrzehnten kann ein Post-Poliomyelitis-Syndrom mit Muskelschwäche und Schmerzen auftreten.

Eine Heilung für Polio gibt es bisher nicht, beinahe bezwungen wurde das Virus mit flächendeckenden Impfungen.

Sieht man bei dir noch den «Impfpüggel» am Oberarm?

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(AFP/DPA/pco)

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