Zoonose: Erster Fall von H3N8-Vogelgrippe beim Menschen – ein Grund zur Sorge?
Publiziert

ZoonoseErster Fall von H3N8-Vogelgrippe beim Menschen – ein Grund zur Sorge?

Ein vier Jahre alter Junge in China ist der erste menschliche Fall von Vogelgrippe des Typs H3N8. Behörden und Fachleute gehen von einem Einzelfall aus.

von
Fee Anabelle Riebeling
1 / 11
In China ist es erstmals zu einer Tier-zu-Mensch-Übertragung des Vogelgrippevirus H3N8 gekommen.  (Im Bild: wegen Vogelgrippe gekeulte Hühner werden entsorgt, Hongkong, 2014) 

In China ist es erstmals zu einer Tier-zu-Mensch-Übertragung des Vogelgrippevirus H3N8 gekommen.  (Im Bild: wegen Vogelgrippe gekeulte Hühner werden entsorgt, Hongkong, 2014) 

REUTERS
Ein Vierjähriger aus der Provinz Henan wurde positiv getestet, nachdem er Anfang April mit Fieber und anderen Symptomen ins Spital eingeliefert worden war.

Ein Vierjähriger aus der Provinz Henan wurde positiv getestet, nachdem er Anfang April mit Fieber und anderen Symptomen ins Spital eingeliefert worden war.

Screenshot Google Maps
Angesteckt hat sich der Bub nach Angaben der chinesischen Nationalen Gesundheitskommission direkt bei Vögeln: Seine Familie züchtet demnach zu Hause Hühner und lebt in einem von Wildenten und Krähen bevölkerten Gebiet.

Angesteckt hat sich der Bub nach Angaben der chinesischen Nationalen Gesundheitskommission direkt bei Vögeln: Seine Familie züchtet demnach zu Hause Hühner und lebt in einem von Wildenten und Krähen bevölkerten Gebiet.

REUTERS

Darum gehts

China hat nach eigenen Angaben die erste Infektion eines Menschen mit dem H3N8-Vogelgrippevirus entdeckt. Betroffen ist nach Angaben der chinesischen Nationalen Gesundheitskommission ein vierjähriger Junge aus der Provinz Henan. Er sei positiv getestet worden, nachdem er Anfang April mit Fieber und anderen Symptomen ins Spital eingeliefert worden war.

Angesteckt hat sich der Bub nach Angaben der Kommission direkt bei Vögeln: Seine Familie züchtet demnach zu Hause Hühner und lebt in einem von Wildenten und Krähen bevölkerten Gebiet. Bei dem Fall handele es sich um eine «einmalige Übertragung». Die Behörde rief die Öffentlichkeit am Dienstag dennoch auf, sich von toten oder kranken Vögeln fernzuhalten (siehe Box).

So kann es zur Ansteckung kommen

Tier-zu-Mensch-Übertragungen sind selten

Die Vogelgrippe tritt hauptsächlich bei Wildvögeln und Geflügel auf. Übertragungen von Mensch zu Mensch kommen vor, sind jedoch äusserst selten. Zuletzt wurde im Januar 2022 der Fall eines 79-jährigen Mannes aus Grossbritannien bekannt, der sich bei seinen Enten mit dem Vogelgrippevirus-Stamm H5N1 infiziert hatte, wie Theguardian.com damals berichtete. Er überstand die Infektion ohne weitere Probleme. Ebenso wie ein 41-Jähriger aus der chinesischen Stadt Zhenjiang, der sich im Juni 2021 mit dem Stamm H10N3 infiziert hatte. Im Februar des Jahres 2021 wurde zudem das Vogelgrippevirus H5N8 bei mehreren Menschen in Russland gemeldet.

Zu den Vogelgrippestämmen, die auf den Menschen übergesprungen sind, gehören laut Livescience.com H5N1, H7N9, H5N6, H5N8 und jetzt H3N8.

Forschende erwarten keine weiteren Infektionen bei Menschen

Der nun in erstmals beim Menschen nachgewiesene Stamm H3N8 ist seit dem Jahr 2002 bekannt und trat erstmals bei nordamerikanischen Wasservögeln auf. 2012 wurde es für den Tod von mehr als 160 Robben vor der Nordostküste der USA verantwortlich gemacht. Bislang waren Infektionen bei Pferden, Hunden und Robben bekannt. Eine Übertragung auf den Menschen war bisher noch nie nachgewiesen worden.

«Es kommt häufig vor, dass ein Virus auf einen Menschen überspringt und sich dann nicht weiter ausbreitet. Ein einzelner Fall ist also kein Grund zur Sorge.»

Peter Horby, Professor für neu auftretende Infektionskrankheiten und globale Gesundheit an der Universität Oxford

Dass es nun dazu gekommen ist, betrachten Fachleute nicht als Beginn einer Epidemie oder neuen Pandemie. Dass H3N8 auf einen Menschen gesprungen ist, bedeute nicht, dass es sich leicht von Mensch zu Mensch ausbreiten kann, zitiert Theguardian.com Peter Horby, Professor für neu auftretende Infektionskrankheiten und globale Gesundheit an der Universität Oxford: «Es kommt häufig vor, dass ein Virus auf einen Menschen überspringt und sich dann nicht weiter ausbreitet. Ein einzelner Fall ist also kein Grund zur Sorge.» Auch die Expertinnen und Experten der chinesischen Nationalen Gesundheitskommission halten das Risiko einer grossflächigen Übertragung unter Menschen für gering.

So sieht es auch der ebenfalls vom «Guardian» zitierte Paul Digard vom Roslin Institute der Universität Edinburgh: Es seien schliesslich keine Erkrankungen bei den unmittelbaren Kontaktpersonen des infizierten Jungen gemeldet worden.

Besondere Variante beim Vierjährigen

Eine generelle Entwarnung gegenüber Vogelgrippeviren kann jedoch nicht gegeben werden, wie Livescience.com unter Berufung auf verschiedene Quellen schreibt: So habe in den Jahren 2016 und 2017 beispielsweise ein Ausbruch von H7N9 in China zum Tod von mehr als 300 Menschen geführt. Der H2N2-Stamm der Vogelgrippe löste dagegen 1957 eine Pandemie mit rund 1,1 Millionen Toten aus. Und auch der Erreger H1N1, der die Spanische Grippe (siehe Bildstrecke unten) auslöste, könnte laut Forschenden auf ein Vogelgrippevirus zurückgegangen sein.

Entsprechend empfehlen Horby und seine Kolleginnen und Kollegen, Vogelgrippeviren genauer zu beobachten als bisher.

1 / 30
Die Spanische Grippe war die erste grosse Grippewelle des 20. Jahrhunderts. (Im Bild: Erkrankte werden im Walter-Reed-Militärspital in Washington versorgt.)

Die Spanische Grippe war die erste grosse Grippewelle des 20. Jahrhunderts. (Im Bild: Erkrankte werden im Walter-Reed-Militärspital in Washington versorgt.)

Wikimedia Commons/PD
Mehrere Millionen Menschen erkrankten – und starben – daran. (Im Bild: Übersicht über die an der Spanischen Grippe Verstorbenen in 49 spanischen Provinzen)

Mehrere Millionen Menschen erkrankten – und starben – daran. (Im Bild: Übersicht über die an der Spanischen Grippe Verstorbenen in 49 spanischen Provinzen)

Wikimedia Commons/G. Chowell et al./CC-BY 4.0
Allein in der Schweiz fielen ihr fast 25’000 Menschen zum Opfer. (Im Bild: Sanitäter in einem Wagen des Rekonvaleszenz-Zentrums Gunten-Sigriswil, in dem Schweizer Betroffene behandelt wurden)

Allein in der Schweiz fielen ihr fast 25’000 Menschen zum Opfer. (Im Bild: Sanitäter in einem Wagen des Rekonvaleszenz-Zentrums Gunten-Sigriswil, in dem Schweizer Betroffene behandelt wurden)

Wikimedia Commons/PD

Wissen-Push

My 20 Minuten

Deine Meinung

37 Kommentare