Grubenunglück in Chile: Erster Helfer bei den Bergleuten eingetroffen
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Grubenunglück in ChileErster Helfer bei den Bergleuten eingetroffen

Seit Monaten sehnen sich die eingeschlossenen Bergleute nach diesem Moment: Die Rettung aus der Unglücksmine hat begonnen. Als Erster wird Florencio Avalos an der Oberfläche erwartet.

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fum

69 Tage harrten die Mineure in einem Rettungsschacht über 600 Meter unter der Erdoberfläche aus – ein Bergwerk-Krimi, wie es die Weltöffentlichkeit noch nie erlebt hat. In Chile selbst ist die Anspannung vor der spektakulären Rettung der Kumpel grenzenlos: «Ich kann es nicht erwarten, Florencio wiederzusehen. Die Emotionen werden mich wohl überwältigen», sagte seine Mutter gegenüber der chilenischen Tageszeitung «La Tercera».

Die chilenischen Behörden haben bestimmt, dass ihr Sohn Florencio Avales als Erster in die enge Rettungskapsel steigen soll. Nach ihm wird Mario Sepulveda, gefolgt von Carlos Mamani, die unbequeme Liftfahrt an die Erdoberfläche antreten. Die drei wurden ausgewählt, weil sie als die Mutigsten der Gruppe gelten. Danach sollen die Schwächsten folgen. Als Letzte werden sich die charakterlich und physisch Stärksten in die Rettungsröhre begeben.

Für Avalos dürfte es hingegen eine zweifelhafte Ehre sein, als Erster in die Röhre zu steigen – die Mineure sehen der rund 15-minütigen Fahrt auch mit Furcht entgegen. So sagte der Bruder des eingeschlossenen Dario Segovia kürzlich: «Dario will nicht der Erste sein, weil er Angst hat. Keiner will der Erste sein. Stell dir vor, 700 Meter nach oben zu fahren.»

Präsidiale Ehre

In der Zwischenzeit ist auch der chilenische Präsident Sebastián Piñera auf dem Minengelände eingetroffen. Er liess sich von Bergbauminister Laurence Golborne über den letzten Stand der Vorbereitungen unterrichten. Vor den Medien sagte Piñera: «Ich bin wie alle Chilenen sehr aufgewühlt. Gleichzeitig verspüre ich aber auch eine grosse Genugtuung, weil wir nie aufgegeben haben.»

Am Mittwoch wird auch Boliviens Staatspräsident Evo Morales an der Mine rund 800 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago erwartet. Er kündigte an, dass er seinen Landsmann Carlos Mamani je nach Gesundheitszustand gleich zurück in die Heimat nehmen will.

Einladung ins Traininscamp

Moralische Unterstützung ist auch aus der Sportwelt zu vernehmen: Der chilenische Fussball-Nationaltrainer Marcelo Bielsa hat den knappen Sieg seiner Mannschaft gegen Oman umgehend den Mineuren gewidmet. «Ich bewundere sowohl den Überlebenswillen der Eingeschlossenen, als auch die Ausdauer derjenigen, die oben auf sie warten», sagte Bielsa nach dem Spiel. Und der Torwart der Mannschaft lud die Mineure mitsamt ihrer Kinder kurzerhand zu einem Besuch im Trainingscamp ein, so «La Tercera».

Bevor der erste Kumpel mit einer Stahlkapsel aus der Tiefe geholt wird, werden zunächst Helfer in den 622 Meter tiefen Schacht hinabgelassen. Sie sollen die Bergleute für die Auffahrt instruieren.

Auf 20 Minuten Online erleben Sie die Bergrettung live.

(fum/sda/afp)

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