Fernunterricht: Erster Kanton verlängert Weihnachtsferien – ziehen weitere nach?
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FernunterrichtErster Kanton verlängert Weihnachtsferien – ziehen weitere nach?

Die Schule soll nach den Weihnachtsferien verspätet starten, so der Rat der Covid-Taskforce des Bundes. Während sich die meisten Schüler darüber freuen würden, müssten Eltern improvisieren.

von
Leo Hurni
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Sollen wir auch in der Schweiz die Schulen schliessen? Diese Frage wird momentan wieder viel diskutiert. 

Sollen wir auch in der Schweiz die Schulen schliessen? Diese Frage wird momentan wieder viel diskutiert.

Moritz Hager
Laut der Covid-Taskforce kann man damit nach den Festtagen Ansteckungen in den Schulen vermeiden. 

Laut der Covid-Taskforce kann man damit nach den Festtagen Ansteckungen in den Schulen vermeiden.

TAMEDIA AG
Eine neue Studie zeigt zudem: Die Schliessung von Schulen und Universitäten hat einen grossen Einfluss auf die Übertragung des Coronavirus.

Eine neue Studie zeigt zudem: Die Schliessung von Schulen und Universitäten hat einen grossen Einfluss auf die Übertragung des Coronavirus.

Tamedia AG

Darum gehts:

  • Nachdem Deutschland die Schulen dichtgemacht hat, wird die Ausdehnung der Weihnachtsferien auch hierzulande zum Thema.

  • Das Ziel: Ansteckungen von den Feiertagen sollen nicht in Schulen verbreitet werden können.

  • Skeptisch ist der Lehrerverband: Es brauche so lange wie möglich Präsenzunterricht.

Martin Ackermann, Leiter der Covid-Taskforce des Bundes, hat in ein Wespennest gestochen: Er verkündete am Dienstag, dass es aus Sicht der Taskforce sinnvoll sei, die Schulen nach den Feiertagen für eine Zeit geschlossen zu halten. Damit sollen Ansteckungen von den Feiertagen nicht in die Schulen getragen werden.

Zudem zeigt eine neue Studie, dass die Schliessung von Schulen und Universitäten eine effiziente Massnahme im Kampf gegen die Pandemie ist (siehe Box). Mit dem Kanton Schaffhausen hat ein erster Kanton die Weihnachtsferien bereits verlängert. Dort schliessen die Schulen schon am Freitag. Zudem zieht die Regierung in Erwägung, für die ersten zwei Wochen nach den Weihnachtsferien auf Fernunterricht zu setzen.

Eltern haben eine grosse Verantwortung

Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH, ist immer noch gewillt, so lange wie möglich am Präsenzunterricht festzuhalten, will den Entscheid der Behörden aber mittragen. «Mittlerweile gibt es auch immer mehr Meldungen von Klassen oder ganzen Schulen, die in Quarantäne sind. Darauf muss natürlich reagiert werden. Lehrerinnen und Lehrer legen sich da sicher nicht quer.»

Als Lehrperson sei man sich viel mehr bewusst, welche Probleme der Fernunterricht mit sich bringe. «Wir haben im Frühling gemerkt, dass einige Kinder oft allein sind und keine bis wenig Unterstützung von zu Hause erhalten können, weil die Eltern zum Beispiel arbeiten müssen. Dann wird auch Fernunterricht schwierig, denn die Kinder brauchen im Fernunterricht eine gewisse Unterstützung der Eltern.»

Mehrheit der Schüler für Fernunterricht

Dass Fernunterricht nicht für alle Eltern möglich ist, erzählt uns auch Matthias Brunner (34). Er ist Vater zweier schulpflichtiger Kinder. «Da wir beide arbeitstätig sind, bräuchte man eine Betreuung für die Kinder, wenn sie im Fernunterricht sind. Wir können aber keinen Kindersitter engagieren. Zudem lernen die Kinder von zu Hause aus weniger als in der Schule. Die Schulen müssen also unbedingt offen bleiben.»

Auf der anderen Seite fordern auch immer mehr Eltern Fernunterricht für ihre Kinder. Jasmin Tann* kennt beide Seiten. Sie ist Mutter von zwei Kindern und selber Lehrerin. Die Situation an der Schule sei momentan beängstigend. «Wir als Lehrer sind extrem gefordert. Das ist anstrengend und wir sind oft überlastet. Wir brauchen eine Pause.» Natürlich könne es mit den Kindern zu Hause auch ab und an mühsam werden, doch der Fernunterricht funktioniere gut.

Die Mehrheit der Schüler ist sich hingegen einig, dass Fernunterricht jetzt nötig sei. Schülerin Noëmi Weber (19) sagt dazu: «Es kommt bei uns sogar vor, dass Schüler krank in den Unterricht kommen, weil sie nichts vom Stoff verpassen wollen. Unsere Schule darf nicht zum Corona-Hotspot werden. Mindestens eine Woche Fernunterricht nach den Weihnachtsferien lege ich allen Schulen ans Herz.» Auch der achtzehnjährige Dimitri D. setzt sich für Fernunterricht ein. «In den Schulen werden die Schutzkonzepte zwar gut eingehalten, doch in den Pausen und am Mittag hält sich praktisch niemand daran. Es wäre absolut kein Problem, den Präsenzunterricht für fünf bis sechs Wochen herunterzufahren.»

Während in der Schweiz bislang wenige Schulen geschlossen wurden, hat man in Deutschland auf die hohen Fallzahlen mit Fernunterricht reagiert. Ab Mittwoch bleiben landesweit alle Schulen bis mindestens am 10. Januar geschlossen.

* Name geändert

Neue Studie zu Corona

Eine neue Studie zeigt, dass die Schliessung von Schulen und Universitäten einen grossen Einfluss auf die Übertragung des Coronavirus hat. Die Studie ist im renommierten Wissenschaftsmagazin «Science» erschienen. Dazu wurden 41 Länder im Zeitraum von Januar bis Mai 2020 untersucht. Die Forscher kommen zum Schluss, dass der Einfluss von Ausgehbeschränkungen auf den Reproduktionswert klein sei. Die Schliessung aller Bildungseinrichtungen, 10-Personen-Beschränkungen und die Schliessung von Läden («face-to-face businesses») könnten die Übertragung hingegen deutlich reduzieren.

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