Kampf um Tempo: Erster Onlinehändler will innert drei Stunden liefern

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Kampf um TempoErster Onlinehändler will innert drei Stunden liefern

Ein Elektronikhändler prescht mit einer Lieferfrist von drei Stunden vor. Für Experten ist das jedoch «eher ein PR-Gag als ein Kundenbedürfnis».

von
P. Michel
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Die Lieferung am Abend des gleichen Tages bieten bereits viele Versandhändler an. Der Elektronikhändler Steg verspricht mit einem neuen Angebot jetzt gar, dass die Bestellung innert drei Stunden versendet wird.

Die Lieferung am Abend des gleichen Tages bieten bereits viele Versandhändler an. Der Elektronikhändler Steg verspricht mit einem neuen Angebot jetzt gar, dass die Bestellung innert drei Stunden versendet wird.

Keystone/Gaetan Bally
Möglich machen soll die neue Express-Lieferung innerhalb von drei Stunden eine Kooperation mit Pizzalieferanten, Velokurieren und Taxiunternehmen.

Möglich machen soll die neue Express-Lieferung innerhalb von drei Stunden eine Kooperation mit Pizzalieferanten, Velokurieren und Taxiunternehmen.

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Steg-Geschäftsführer Lorenz Weber verspricht sich vom neuen Express-Dienst einerseits Kunden anzusprechen, die sich immer gleich nach Erscheinen mit den neusten Geräten eindecken. «Diese technikaffinen Kunden wollen nicht warten und im Stau stehen, bis sie ihr Gerät abholen können», sagt Weber.

Steg-Geschäftsführer Lorenz Weber verspricht sich vom neuen Express-Dienst einerseits Kunden anzusprechen, die sich immer gleich nach Erscheinen mit den neusten Geräten eindecken. «Diese technikaffinen Kunden wollen nicht warten und im Stau stehen, bis sie ihr Gerät abholen können», sagt Weber.

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Der Kampf um die schnellste Lieferung im Schweizer Online-Handel geht in die nächste Runde: Nachdem bereits diverse Anbieter ihre Ware bis am Abend des gleichen Tages ausliefern, geht der Elektronikhändler Steg noch einen Schritt weiter: Er will künftig in den zehn grössten Schweizer Städten seine Produkte innerhalb von drei Stunden auch tagsüber versenden. Eine Bestellung, die bis 11 Uhr eingeht, soll demnach um 14 Uhr beim Kunden eintreffen.

Steg-Geschäftsführer Lorenz Weber verspricht sich vom neuen Express-Dienst einerseits Kunden anzusprechen, die sich immer gleich nach Erscheinen mit den neusten Geräten eindecken. «Diese technikaffinen Kunden wollen nicht warten und im Stau stehen, bis sie ihr Gerät abholen können», sagt Weber.

Für Steg sind diese Kunden besonders interessant, weil bei ihnen der Service und nicht der Preis im Vordergrund steht. Ebenfalls zielt der Elektronikhändler mit seinem Angebot auf Konsumenten ab, die in letzter Minute noch ein Weihnachtsgeschenk auftreiben möchten.

Tech-Freaks und Geschäftsleute als Zielgruppe

Andererseits stellt Weber fest, dass auch Geschäftskunden vermehrt auf die schnellstmöglich Lieferung drängen: «Sie wollen ihre Zeit besser nutzen.» Bereits beim heutigen Liefermodell gebe es immer wieder Geschäftsleute, die sich beispielsweise ein Handy-Ladegerät ins Hotel liefern lassen.

Möglich machen soll die neue Express-Lieferung innerhalb von drei Stunden eine Kooperation mit Pizzalieferanten, Velokurieren und Taxiunternehmen. Steg liefert die Produkte aus ihrer regionalen Verkaufsstelle an den Kurierdienst, der dann bei der nächsten nötigen Fahrt auf dem Rückweg die Produkte verteilt. Für die Lieferung innert drei Stunden fällt beim Kunden ein Aufpreis von 9.50 Franken an. Pro Verteilgebiet sollen mindestens 1500 Produkte lieferbar sein, insgesamt will Steg mit dem neuen Express-Service drei Millionen Einwohner erreichen.

«Eher ein PR-Gag als ein Kundenbedürfnis»

E-Commerce-Experte Malte Polzin ist skeptisch: «Eine solche Express-Lieferung ist eher ein PR-Gag als ein Kundenbedürfnis.» Viele Kunden seien heute bereits zufrieden, wenn die Lieferung am Abend desselben Tages eintreffe oder das Paket am nächsten Morgen im Briefkasten liege. «Zudem sind viele Kunden tagsüber nicht zu Hause, und die Ware ins Büro zu bestellen, kommt auch nicht bei allen Arbeitgebern gut an.» Laut Polzin wäre eine auf die Stunde genaue Lieferung nach Hause darum wohl eher gefragt.

Auch im Zuschlag für die Express-Lieferung sieht Polzin ein Hindernis: «Für den Aufpreis ist der Service für viele wohl einfach zu teuer, wenn die Lieferung am nächsten Tag kostenlos ist.»

Bei der Konkurrenz ist Lieferung innert drei Stunden kein Thema

Bei der Konkurrenz ist die Auslieferung innert drei Stunden noch kein Thema. Laut Sprecher Daniel Rei gibt es bei Brack.ch keine Pläne, die Zustellung auch tagsüber nochmals zu verkürzen. Zurzeit liefert Brack.ch Bestellungen, die bis 15 Uhr eingehen, in den nächsten vier bis sechs Stunden aus – für einen Aufpreis von 4.50 Franken.

«Wir sind überzeugt, dass das Angebot so bereits attraktiv ist respektive nicht mehr viel an Attraktivität gewinnt, wenn sich die Lieferzeit noch einmal verkürzt», sagt Sprecher Daniel Rei. Zudem sieht Rei laut Kundenfeedbacks, dass diese sich vor allem Flexibilität wünschen. «Das heisst relativ spät bestellen und dann relativ präzise selbst bestimmen können, zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort sie ihre Ware erhalten.»

Welcher Online-Händler liefert am schnellsten? 20 Minuten hat die Angebote im September getestet.

Welcher Onlinehändler liefert am schnellsten?

Video: Murat Temel

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