Recycling: Erster Schweizer Detaillist nimmt Tetra-Pak zurück
Aktualisiert

RecyclingErster Schweizer Detaillist nimmt Tetra-Pak zurück

Die mit einer feinen Folie ausgekleideten Milch- oder Fruchtsaftkartons konnten bei den grossen Detailhändlern bis jetzt nicht zurückgebracht werden. Nun geht Aldi in die Offensive.

von
S. Spaeth

In der Schweiz können die Konsumenten beinahe alles sammeln: PET-Flaschen, Glas, Dosen und seit 2013 auch Plastikflaschen. Auf dem Müll landeten bis jetzt aber die Getränkekartons, beispielsweise die Tetra-Paks. Diese in den 1950er-Jahren von der gleichnamigen Firma entwickelten Verpackungen kommen vor allem bei Milch, Rahm oder Fruchtsäften zum Einsatz und zeichnen sich durch die Metall- oder Kunststofffolie auf der Innenseite aus.

Nun geht mit Aldi der erste grosse Detailhändler in die Offensive. Der Harddiscounter führt ab Mitte August die erste gemeinsame Sammlung für Getränkekartons und Plastikflaschen ein, wie aus einer Medieneinladung hervorgeht. Die Recycling-Offensive startet im Raum Zürich und in der Ostschweiz (Filiale Sirnach) und soll voraussichtlich bis Ende 2017 landesweit eingeführt werden. Konkrete Fragen will Aldi noch nicht beantworten und verweist auf die offizielle Lancierung des Projekts in rund eineinhalb Wochen. Bis anhin hat Aldi keine Plastik-Flaschen (z.B. Shampoo) zurückgenommen.

20'000 Tonnen Getränkekartons

Wie Aldi weiter schreibt, erlaubt es der technische Fortschritt auf dem schweizerischen Recyclingmarkt erstmals, Getränkekartons und Plastikflaschen gemeinsam zu sammeln, sauber voneinander zu trennen und zu recyceln. Fürs Projekt spannt Aldi mit dem Verein Getränkekarton-Recycling Schweiz (GKR) zusammen. In der Schweiz fallen laut GKR jährlich rund 20'000 Tonnen Getränkekartons an, die bis anhin grösstenteils verbrannt wurden.

Im Rahmen des neuen Prozesses werden die gesammelten Getränke-Verpackungen in einer Recycling-Anlage mit Wasser und unter starkem Rühren in ihre Einzelteile aufgelöst und getrennt. Aus dem Zellstoff entsteht Karton, der Kunststoff und das Aluminium werden thermisch verwertet und liefern so Energie. Will heissen: sie werden einer Verbrennungsanlage zugeführt, die aus dem Abfall Wärme und Strom gewinnt.

Wann ziehen Migros und Coop nach?

Laut einer Studie der Basler Carbotech ist die Verwertung von Getränkekartons ökologisch sinnvoll, weil die Co2-Emissionen sinken. Im Vergleich zur Verbrennung sinkt der Ausstoss dieses Klimagases je nach Rahmenbedingungen um 20 bis 80 Prozent. Für die rohstoffarme Schweiz besonders entscheidend sei der Nachweis, dass mit dem Getränkekarton-Recycling die wichtige Ressource Holz geschont werden kann. Seit 2012 läuft in zahlreichen Schweizer Gemeinden ein Pilotprojekt fürs Recycling von Getränkekartons. Zudem können Getränkekartons in einzelnen Spar- und Volg-Filialen zurückgebracht werden. Das Projekt sieht GRK als ersten Schritt in Richtung einer nationalen Sammlung.

Für die Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz (IGDHS), der auch Migros und Coop angehören, ist die flächendeckende Sammlung von Getränkekartons aktuell kein Thema. «Gegenüber der thermischen Verwertung in der Kehrichtverbrennungsanlage ist deren ökologischer Mehrwert gering, wie die Ökobilanzen zeigen», sagt IG-DHS-Sprecher Patrick Marty zu 20 Minuten.

Die IG DHS ist der Sammlung von Getränkekarton aber nicht grundsätzlich abgeneigt. Sollten sich die infrastrukturellen Gegebenheiten so ändern, dass eine effiziente Sammlung mit entsprechendem Umweltnutzen möglich wird, will die IG DHS die Sammlung erneut prüfen. Zudem müsse das entsprechende Kundenbedürfnis vorhanden sein.

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