Aktualisiert 12.12.2006 13:05

Erster Schweizerischer Bildungsbericht vorgestellt

Der erste nationalen Bildungsbericht ist in Bern vorgestellt worden. In wichtigen Bereichen bestünden Wissenslücken.

«Eine Informationsbasis für Entscheide in der Verwaltung und der Politik», nannte Projektleiter Stefan Wolter den im Auftrag von Bund und Kantonen erstellten Bildungsbericht. Die Autoren rund um den Berner Universitätsprofessor und Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) hatten bestehendes Datenmaterial zum Bildungswesen von der Vorschule bis zur Weiterbildung gesammelt und untersucht. Hintergrund des 200 Seiten umfassenden Berichts ist die Absicht von Bund und Kantonen ein Bildungsmonitoring aufzubauen. Die Kosten von 800.000 Franken tragen der Bund und die Kantone je hälftig.

Die Wissenschafter analysierten das Bildungssystem anhand von mehreren Punkten: So in Bezug auf die Wirksamkeit und die Chancengleichheit. Auch die Effizienz, also die Erreichung eines Ziels mit kleinstmöglichem Einsatz und möglichst grossem Ertrag, wurde berücksichtigt. Unter dem Aspekt der Institutionen und der Prozesse hielten die Forscher die Rahmenbedingungen im Bildungswesen fest. Daneben wurden aber auch Daten zum Umfeld erfasst, also etwa zu demografischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Migration.

In diversen Bereichen bestehen Wissenslücken, stellten die Forscher fest. Es fehlten Daten, die es erlauben würden, Institutionen oder Kantone auf Grund einer vergleichbaren Basis miteinander vergleichen zu können. Eine Effizienzanalyse sei heutzutage praktisch unmöglich. In einem Beispiel erwähnte Wolter die Schwierigkeit herauszufinden, ob der geringe Frauenanteil in einer fortgeschrittenen akademischen Laufbahn die Folge früherer Diskriminierungen und ihren langfristigen Auswirkungen ist oder das Resultat aktueller Benachteiligung.

Die Auftraggeber des Bildungsberichts wollen nun die langfristige Organisation klären, wie Hans Ambühl, Generalsekretär der Erziehungsdirektorenkonferenz sagte. Auch soll festgelegt werden, wo weitere und neue Daten erhoben werden müssen. Laut Ambühl wolle man prüfen, ob sich bereits auf Grund des ersten Berichts Massnahmen ableiten liessen. Man werde sich weiterhin an den - massiv teureren - internationalen Studien beteiligen.

Der Dachverband der Schweizer Lehrer (LCH) begrüsste den Bildungsbericht. Bildungspolitische Massnahmen müssten sich an deklarierten Zielen wie auch an der Schulwirklichkeit orientieren. Die meisten der bisherigen Reformen hätten dieses Prinzip verletzt. Der LCH fordert von Bund Kantonen, dass sie Daten ernst nehmen und mit Sorgfalt auswerten würden. (dapd)

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