Erstes AKW im Iran: Erster Testlauf des Atomkraftwerks Buschehr
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Erstes AKW im IranErster Testlauf des Atomkraftwerks Buschehr

Das iranische Atomprogramm kommt nach den Worten des zuständigen Vizepräsidenten gut voran: Im Atomkraftwerk Buschehr wurde vor zehn Tagen der erste Testlauf mit virtuellem Brennstoff gestartet.

Der 1000-Megawatt-Leichtwasserreaktor wurde mit Blei geladen, das die Dichte von angereichertem Uran imitieren soll, wie Gholam Resa Aghasadeh am Mittwoch vor Journalisten in der Anlage mitteilte.

Der Reaktor wird mit russischer Hilfe gebaut, wofür Teheran rund eine Milliarde Dollar bezahlt hat. Der Chef der russischen Atombehörde, Sergej Kirijenko, war am Mittwoch vor Ort, um den Probelauf zu überwachen. Er bescheinigte dem Projekt einen bemerkenswerten Fortschritt binnen weniger Monate. Die Tests hätten eigentlich schon im vergangenen Jahr abgeschlossen sein sollen, wurden aber immer wieder verschoben. Wann Buschehr letztlich ans Netz gehen soll, teilte Aghasadeh nicht mit. Er erklärte lediglich, dass die Testphase vier bis sieben Monate dauern dürfte.

Ungeachtet westlicher Proteste verkündete der iranische Atomchef ferner, dass sein Land in der Anlage Natans nunmehr über 6000 Zentrifugen mit angereichertem Uran verfüge - 1000 mehr als noch im November. Binnen fünf Jahren hoffe man, einen Stand von mehr als 50 000 Zentrifugen zu erreichen. Dies sei notwendig, um im Jahr 2016 in Darchowin das erste selbst errichtete Atomkraftwerk in Betrieb nehmen zu können.

Kritik an der Ernennung von US-Gesandtem

Für das Kraftwerk Buschehr soll das Uran aus Russland importiert werden, und Moskau will später auch die ausrangierten Brennstäbe zurücknehmen. Damit soll verhindert werden, dass Teheran daraus Plutonium gewinnen könnte. Gleichwohl gibt es in Europa und den USA Befürchtungen, auch das Kraftwerk Buschehr könnte letztlich der Entwicklung von iranischen Kernwaffen dienen. Wegen des Baus der Zentrifugen in Natans hat der UN-Sicherheitsrat Sanktionen gegen Teheran verhängt.

Die iranische Regierung kritisierte unterdessen die Ernennung von Dennis Ross zum US-Sondergesandten für die Golfregion. Dies zeige, dass in der US-Politik gegenüber dem Iran auch unter der neuen Regierung alles beim Alten bleibe, hiess es in einem Kommentar des staatlichen Rundfunks. Ross sei von Israel beeinflusst und unterstütze israelische Aktionen gegen das iranische Atomprogramm. (dapd)

Bauvorhaben mit Hindernissen

Das iranische Atomkraftwerk in Buschehr ist die erste Nuklearanlage des Golfstaates. Die Planung begann bereits vor mehr als drei Jahrzehnten.

Schah Mohammed Resa Pahlewi erteilte den Auftrag zum Bau eines Atomkraftwerks mit zwei 1200-Megawatt-Reaktoren in der Hafenstadt Buschehr in den 70er Jahren dem deutschen Siemens-Konzern.

Doch mit der Islamischen Revolution 1979 und dem darauffolgenden Krieg zwischen dem Iran und dem Irak (1980 bis 1988) verfolgte Teheran das Projekt vorerst nicht weiter.

Erst nach dem Tod von Ayatollah Khomeini 1989 wandte sich die iranische Führung, die inzwischen die Unterstützung des Westens verloren hatte, wieder dem Grossprojekt zu.

Doch die Suche nach Partnern war Anfang der 90er Jahre schwierig. Die Deutschen lehnten ab, schliesslich erklärte sich 1994 Russland bereit, die Anlage fertigzustellen. Nach langen Verhandlungen unterzeichneten Teheran und Moskau im Januar 1995 einen Vertrag über eine Milliarde Dollar für die Wiederaufnahme der Bauarbeiten.

Das Projekt sah jetzt nur noch einen Druckwasserreaktor mit einer Stärke von 1000 Megawatt vor. Für dessen Betrieb ist angereichertes Uran nötig. Gemäss Vertrag soll Russland den nuklearen Brennstoff für die Anlage liefern und der Iran das gebrauchte Material nach Russland zurückschicken.

Insgesamt waren mehr als 2000 russische Ingenieure und Arbeiter in Buschehr im Einsatz. (sda)

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