Sursee LU - «Erster und einziger Ehrenbürger der Stadt» – Sursee trauert um Theologen Hans Küng
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Sursee LU«Erster und einziger Ehrenbürger der Stadt» – Sursee trauert um Theologen Hans Küng

Der Theologe und Professor Hans Küng verstarb am Dienstag mit 93 Jahren. Sein Lebenswerk wird nicht vergessen.

von
Astrid Winiker
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 Hans Küng war Professor für Theologie und gründete 2013 die Stiftung «Weltethos»

Hans Küng war Professor für Theologie und gründete 2013 die Stiftung «Weltethos»

Stadt Sursee

Darum gehts

  • Theologe und Professor Hans Küng verstarb am Dienstag im Alter von 93 Jahren.

  • Er war der erste und einzige Ehrenbürger der Stadt Sursee.

  • Sein Lebenswerk umfasst unter anderem Bücher zu Religionsfragen sowie seine Stiftung «Weltethos».

  • Hans Küng war auch ein Kritiker des Papstes. Ihm wurde 1979 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen.

  • 1998 wurde er zum Ehrenbürger in Sursee ernannt.

Der Luzerner Theologe und Papst-Kritiker Hans Küng ist im Alter von 93 Jahren gestorben. In seiner Geburtsstadt Sursee war er Ehrenbürger, und diese hat am Mittwoch einen Nachruf auf Küng veröffentlicht mit diesem Wortlaut:

«In der ‹Krone› gegenüber dem Rathaus ist Hans Küng am 19. März 1928 in Sursee zur
Welt gekommen. 93 Jahre später, am 6. April 2021, ist er nach langer Krankheit in seinem
Haus in Tübingen (D) verstorben. Rom, Paris, Berlin, Madrid, London, Tübingen, New
York, Chicago und Toronto sind nur einige der Lebens- und Wirkungsorte des Theologen
Hans Küng – und immer wieder Sursee. ‹Sursee ist und bleibt meine Heimat›, betont er,
als ihn die Gemeindeversammlung am 23. Mai 1998 zu seiner grossen Freude zum
Ehrenbürger ernennt. Hans Küng ist der erste und bisher einzige Ehrenbürger der Stadt
Sursee – und er ist weltweit sicher der bekannteste Surseer.

Nach Schulen in Sursee und Luzern studiert er Philosophie und Theologie an der
Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, empfängt die Weihe als katholischer Priester,
promoviert anschliessend an der Sorbonne in Paris, widmet sich an der Hofkirche Luzern
der praktischen Seelsorge, arbeitet in Münster in Westfalen und wird im Alter von nur 32
Jahren bereits Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Tübingen. Es ist die
grosse Aufbruchszeit der katholischen Kirche, auch dank engagierter Personen wie Hans
Küng. Im selben Jahr formuliert er in seinem Buch «Konzil und Wiedervereinigung» die
ökumenischen Erwartungen an das Zweite Vatikanische Konzil. Er nimmt daran als
‹peritus› teil, als einer der von Papst Johannes XXIII. berufenen Konzilstheologen.

Hans Küng äussert sich immer wieder engagiert und pointiert zur Ökumene, zum Zölibat,
zur Unfehlbarkeit – und erntet innerhalb der katholischen Kirche nicht nur Zustimmung. Im
Dezember 1979 wird ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen, für Hans Küng die
‹schlimmsten Monate meines Lebens›. Doch Hans Küng bleibt an der Universität
Tübingen, als fakultätsunabhängiger Professor für ökumenische Theologie. Vor allem
forscht und schreibt er weiter zu den grossen Fragen der Kirche, des christlichen
Glaubens, der Religion und der Weltethik. Seine Bücher erscheinen in vielen Sprachen
und werden auf der ganzen Welt von Millionen Menschen gelesen. ‹Kein Friede unter den
Nationen ohne Frieden unter den Religionen› lautet ein Leitgedanke seiner Arbeit und
initiiert damit das Projekt ‹Weltethos›. Es basiert auf der Erkenntnis, dass es
massgebliche ethische Grundregeln gibt, die allen Weltreligionen gemeinsam sind. 2001
spricht er auf Einladung des damaligen Generalsekretärs Kofi Annan vor der UN-
Vollversammlung.

Anlässlich seines 90. Geburtstags im Jahre 2018 hat der Stadtrat die Ehre, Hans Küng
persönlich zu gratulieren sowie die besten Wünsche und Grüsse aus der Heimatstadt
Sursee nach Tübingen zu überbringen. Im Wissen, dass sich Hans Küng als treuen Sohn
der Kirche versteht und ihr Wohl ihm sehr am Herzen liegt, hat sich der Stadtrat mittels
Schreiben an Papst Franziskus gewandt. Mit der Bitte, anlässlich seines 90. Geburtstags
ein Zeichen zu setzen, Wertschätzung auszudrücken und ihn nach Möglichkeit zu
rehabilitieren.


Auch wenn die von Hans Küng initiierte und von ihm bis 2013 präsidierte Stiftung
‹Weltethos› sein Engagement weiter trägt, auch wenn seine Schriften und Gedanken
weiterhin Grundlage und Anleitung für das Zusammenleben in unserer globalisierten Welt
sind, mit Hans Küng verliert die Welt eine gewichtige Stimme für den Dialog und für den
Weltfrieden. Die Stadt Sursee trauert um ihren berühmtesten Sohn und geschätzten
Ehrenbürger.»


Stadtrat Sursee
7. April 2021

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