Lausanne : Erstes Schweizer Spital beschafft Baby-Fussfessel
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Lausanne Erstes Schweizer Spital beschafft Baby-Fussfessel

Das Unispital Lausanne geht neue Wege, um die Sicherheit auf der Babystation zu erhöhen. Neugeborene erhalten eine Fussfessel, die vor Entführungen schützen soll.

von
num
Mit einer elektronischen Fussfessel sollen Neugeborene auf der Entbindungsstation in Lausanne vor Entführungen geschützt werden.

Mit einer elektronischen Fussfessel sollen Neugeborene auf der Entbindungsstation in Lausanne vor Entführungen geschützt werden.

Seit einigen Jahren ist die Geburtsstation in der Pariser Klinik Le Raincy-Montfermeil mit speziellen Accessoires für die Neugeborenen ausgerüstet: 40 Armbänder und ein kleiner Kasten, nur gerade 20 Gramm schwer, werden den Babys nach der Geburt angezogen.

Wird ein Kind aus dem vorher definierten Bereich entfernt, schlägt der Apparat Alarm. Dies geschieht auch, wenn versucht wird, das Gerät zu öffnen oder zu entfernen. Die Klinik entschied sich damals zu diesem Schritt, da es in Paris mehrere Entführungen von Säuglingen gegeben hatte. In einer Privatklinik in Luxemburg wird dies bereits seit 2008 angewandt.

Das gleiche System will nun auch das Unispital Lausanne einführen, wie der Sicherheitschef des Spitals gegenüber «Le Matin» sagt. «Wir planen, 20 Stück dieser Geräte zu kaufen. Wir sind derzeit immer noch auf der Suche nach einem geeigneten Anbieter.»

Man wolle nicht warten, «bis etwas Ernstes passiert», sondern vorbeugend für Sicherheit sorgen. Zwar sei die Geburtsstation bereits abgesichert, bei den Bändern handle es sich um eine zusätzliche Massnahme.

Baby-Entführungen sind in der Schweiz selten - zuletzt kam es 2011 im Spital Münsterlingen beinahe vor. Um das Sorgerecht zu erpressen, nahm damals ein abgewiesener Asylbewerber in der Kinderabteilung des Kantonsspitals Münsterlingen sein Baby als Geisel. Er konnte schliesslich von der Polizei überwältigt werden, das Baby blieb unverletzt.

Verschiedene Warnstufen

Das Arm- oder Fussband kommuniziert mit Antennen, die im Spital installiert werden sollen. Laut Meier wird es verschiedene Warnstufen geben, die durch das Band ausgelöst werden. Die letzte Stufe sei die Alarmierung von Sicherheitspersonal und der automatischen Blockierung der Lifte und Türen.

Die vom «Le Matin» angefragten weiteren Spitäler in der Westschweiz sehen vom Einsatz dieser Armbänder ab - die Sicherheitsvorkehrungen seien ausreichend. Geraldine Zehnder-Joliat vom Schweizer Hebammenverband ist nicht begeistert: «Natürlich sollten alle Mütter beruhigt um die Sicherheit ihrer Kinder sein. Aber schaffen wir damit nicht Ängste, die nur mässig vorhanden sind?»

Kinderspital Basel evaluiert Möglichkeiten

Das Universitäts-Kinderspital beider Basel verfügt derzeit über keine Geräte dieser Art für Neugeborene, «hat sich dies aber auch überlegt», wie Sprecherin Martina Beranek sagt. «Wir sind daran, die Möglichkeiten zu evaluieren. Wir werden uns von den Erfahrungen von Lausanne inspirieren lassen.»

Das Kantonsspital Neuenburg hat den Einsatz dieser Bänder geprüft, gab das Vorhaben aber schliesslich auf. Die Bänder könnten mit einem Messer entfernt werden, die Wirksamkeit sei nicht hundertprozentig gegeben und zudem sei die Anschaffung der Geräte sehr teuer.

Das Kantonsspital St. Gallen und das Triemli-Spital in Zürich sehen keinen Bedarf an solchen Geräten, heisst es auf Anfrage. Die jeweiligen Räume könnten nur mit einem Badge betreten werden. Dies sei als Sicherheits-Massnahme ausreichend.

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