Alpinkader St. Gallen: «Ersthelfer müssen Unfall fotografisch festhalten»
Aktualisiert

Alpinkader St. Gallen«Ersthelfer müssen Unfall fotografisch festhalten»

Das Alpinkader der St.Galler Kapo ist auf Rettungen im unwegsamen Gelände spezialisiert. Mediensprecher Hanspeter Krüsi erklärt, wie so eine Rettung abläuft.

von
juu
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Vor allem im alpinen Gelände kann es schnell zu Unfällen kommen. In diesen Situationen ist das Alpinkader zur Stelle.

Vor allem im alpinen Gelände kann es schnell zu Unfällen kommen. In diesen Situationen ist das Alpinkader zur Stelle.

Kapo SG
Insgesamt zwölf Mitglieder üben diese Tätigkeit nebst ihren angestammten Polizei-Aufgaben aus.

Insgesamt zwölf Mitglieder üben diese Tätigkeit nebst ihren angestammten Polizei-Aufgaben aus.

Kapo SG
Da im alpinen Gelände ein Zusammenspiel verschiedenster Spezialisten sehr wichtig ist,...

Da im alpinen Gelände ein Zusammenspiel verschiedenster Spezialisten sehr wichtig ist,...

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Durchschnittlich einmal pro Woche wird die Kantonspolizei St. Gallen wegen eines Unfalls im alpinen Gelände alarmiert. Je nach Ereignisart und -ort rücken verschiedenste Rettungsspezialisten und Sachverständige aus. «Wenn sich die Bergung schwierig gestaltet, muss man beispielsweise einen Rettungsspezialist Helikopter aufbieten», erklärt Sprecher Hanspeter Krüsi.

Priorität habe selbstverständlich stets die medizinische Versorgung der Patienten. Diese wird in der Regel durch die Rega wahrgenommen. Sobald jedoch die Bergung im alpinen Gelände gewisse Anforderungen an die Retter stellt, werden Spezialisten der Alpinen Rettung beigezogen. «Eine besondere Herausforderung sind Einsätze in unwegsamen Gelände oder wenn die Lage der Verletzten oder des Ereignisses unklar ist», so Krüsi. Auch seien die Witterungsbedingungen ausschlaggebend. Bei zu schlechter Sicht, also etwa bei dichtem Nebel, könne man nicht fliegen, was die Suche erheblich erschwere.

Klettern, Basejumpen und andere Trendsportarten

Den Mitgliedern des Alpinkaders der Kapo SG obliegt die Tatbestandsaufnahme am Unglücksort. «Zentral ist die Frage nach dem Grund des Unfalls. Diese Untersuchung leitet die Staatsanwaltschaft.» Letztlich müsse man sicher sein, dass es sich beim Ereignis nicht um ein Delikt, sondern um einen Unfall gehandelt habe. In Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Forensik untersuche das Alpinkader dabei auch benutzte Gerätschaften oder Ausrüstungen der Verunfallten. Krüsi: «Dafür ist es wichtig, dass Ersthelfer oder Rega die Unfallsituation fotografisch festhalten, da beispielsweise im Spital die Sachen verändert oder abmontiert werden.»

In den Aufgabenbereich des Alpinkaders fallen nebst Wander- und Kletterunfällen auch Ski- und Schlittelunfälle, Lawinen-, Hängegleiter-, Basejumperunfälle und solche bei andere Trendsportarten sowie Vorfälle in Höhlen, mit Personenbeförderungsanlagen und Vermisstensuchen in Berggebieten oder in absturzgefährdetem Gelände.

Verschütteter Mann dank Sondierstange geborgen

Vergangenes Jahr wurden bei Ereignissen im Gebirge 14 Personen getötet und 13 verletzt. Laut der Polizei ist eine Zunahme von Freizeitunfällen feststellbar: Im laufenden Jahr wurde das Alpinkader bereits über 20 Mal aufgeboten. Damit solche Ereignisse reibungslos ablaufen, ist ein gutes Zusammenspiel von Rega, Alpiner Rettung Ostschweiz, Staatsanwaltschaft, Kompetenzzentrum Forensik, der Polizei, Alpinkader und Kantonaler Notrufzentrale essentiell.

Krüsi schildert ein Beispiel aus der Praxis: «Am 3. Januar 2019 ging im Flumserberg eine Lawine hinunter. Die Rega hat uns alarmiert, dass sie eine Person suchen. Unser Alpinkader ist sofort ausgerückt. Zudem wurden unter anderem die Alpine Rettung, Lawinenhundeführer, zwei Helikopter, der ausserordentliche Rettungsdienst Flumserberg und die Polizeiführung aufgeboten. Auch die Feuerwehr Flumserberg musste ausrücken, da es draussen langsam dunkel wurde und wir sie für die Beleuchtung brauchten. Gegen 17.30 Uhr konnte der 56-Jährige mit Hilfe einer Sondierstange geborgen, von der Rega reanimiert und ins Spital überflogen werden. Leider verstarb er dann dort. Aufgabe der Kapo ist es auch, die Angehörigen des verunfallten Mannes ausfindig zu machen und zu informieren.»

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