Folgen des Klimawandels - Erstmals fiel Regen auf dem höchsten Punkt des Grönland-Eises
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Folgen des KlimawandelsErstmals fiel Regen auf dem höchsten Punkt des Grönland-Eises

Zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen fiel auf dem höchsten Punkt des Grönland-Eisschilds Regen statt Schnee. Ende Juli wurde eine Eisschmelze von 8 Milliarden Tonnen verzeichnet – pro Tag.

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Vier Fünftel Grönlands, der grössten Insel der Welt, sind permanent mit Eis bedeckt.

Vier Fünftel Grönlands, der grössten Insel der Welt, sind permanent mit Eis bedeckt.

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In dieser seit 1989 ständig besetzten Station am höchsten Punkt des grönländischen Eisschildes werden Wetter und Eis beobachtet.

In dieser seit 1989 ständig besetzten Station am höchsten Punkt des grönländischen Eisschildes werden Wetter und Eis beobachtet.

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Im Camp der Summit Station hatte es erst dreimal über Null Grad.

Im Camp der Summit Station hatte es erst dreimal über Null Grad.

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Darum gehts

  • Auf dem höchsten Punkt des Grönland-Eises auf 3216 Metern fiel erstmals Regen.

  • Auch die Eisschmelze hat dieses Jahr extreme Werte erreicht.

  • Würde alles Grönland-Eis schmelzen, würde der Meeresspiegel weltweit um gut sechs Meter ansteigen.

Ein noch nie dagewesenes Ereignis schockt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Am vergangenen Samstag setzte auf dem höchsten Punkt des Grönland-Eises Regen ein. Und dies ziemlich heftig: Gemäss dem National Snow & Ice Data Center (NSDIC) fielen insgesamt sieben Milliarden Tonnen Wasser auf den Eisschild – genug, um den grossen Pool vor dem National Memorial in Washington 250’000 mal zu füllen, wie «CNN» berechnet hat. Dies hatte zur Folge, dass am 14. August siebenmal mehr Eis schmolz als im jahrelangen Mittel. Auch die Temperaturen lagen erst zum drittenmal seit Beginn der Aufzeichnungen 1950 über dem Gefrierpunkt.

«Was hier geschieht, sind nicht nur ein oder zwei warme Jahrzehnte in einem wandernden Klimamuster», sagt dazu Ted Scambos, Leiter des NSDIC. «Das gab es noch nie.» Er und seine Kolleginnen und Kollegen verfolgen die Entwicklung des Klimas von der sogenannten Summit Station auf 3216 Metern über Meer seit 1989. Scambos’ Kollegin Jennifer Mercer sagt: «Es geht hier um Wettervorfälle, wie wir sie bei unserer Arbeit noch nie hatten. «Schmelze, Höhenwinde und jetzt Regen haben sich in den letzten zehn Jahren ausserhalb dessen bewegt, was normal ist. Und solche Ereignisse scheinen immer mehr zuzunehmen.»

Extremes Ausmass der Eisschmelze

Gemäss einer aktuellen Studie hat der gesamte Planet seit Mitte der 90er-Jahre 28 Billionen Tonnen Eis verloren – der Hauptteil davon stammt von den Polen und Grönland. Ende Juli schmolzen allein in Grönland täglich rund acht Milliarden Tonnen Eis. Laut «CNN» würde das ausreichen, um ganz Florida mit fünf Zentimeter Wasser zu überschwemmen. Im Norden Grönlands herrschten nach Angaben der dänischen Wetterbehörde DMI Temperaturen von mehr als 20 Grad Celsius – mehr als doppelt so viel wie durchschnittlich im Sommer.

Der zweitgrösste Eisschild nach der Antarktis mit einer Fläche von fast 1,8 Millionen Quadratkilometern, der Grönland bedeckt, bereitet den Wissenschaftlern Sorgen, da sich die Erwärmung in der Arktis dreimal schneller vollzieht, als anderswo auf der Welt.

Laut einer im Januar veröffentlichten europäischen Studie wird der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um zehn bis 18 Zentimeter ansteigen – oder 60 Prozent schneller als bisher angenommen -, wenn der grönländische Eisschild so schnell schmilzt wie jetzt. Würde das Grönland-Eis vollständig schmelzen, würde der Meeresspiegel um sechs bis sieben Meter ansteigen.

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(afp/TRX)

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