Erstmals Geburt nach Transplantation von Eierstockgewebe
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Erstmals Geburt nach Transplantation von Eierstockgewebe

Erstmals ist ein Baby auf die Welt gekommen, dessen Mutter sich wegen einer Krebserkrankung einer Transplantation von Eierstockgewebe unterzogen hat.

Mit dieser Methode könnte schon bald die Gebärfähigkeit von unfruchtbar gewordenen Frauen wieder hergestellt werden, berichten Wissenschaftler in der jüngsten Ausgabe des Medizinjournals «The Lancet». «Ich musste zuerst weinen, es ist ein Traum ... ein grosses Wunder», sagte die glückliche Mutter, die 32 Jahre alte Ouarda Touirat, am Freitag in Brüssel.

Ihre Tochter Tamara wurde am Donnerstagabend im Brüsseler Universitätskrankenhaus Saint-Luc geboren. Der Säugling brachte stattliche 3.720 Gramm auf die Waage. Jacques Donnez, Leiter der Gynäkologischen und Andrologischen Abteilung des Krankenhauses, betonte, dies sei das erste Mal, dass solches Gewebe vor einer Chemotherapie entnommen, aufbewahrt und anschliessend wieder implantiert worden sei: «Das ist eine grosse Botschaft der Hoffnung für alle krebskranken Frauen.»

1997 hatten Ärzte der Katholischen Universität Löwen in der Nähe von Brüssel der Patientin, die sich wegen Lymphdrüsenkrebses einer Chemotherapie unterziehen musste, Eierstockgewebe entnommen und es eingefroren. Fünf Jahre, nachdem die Frau wieder ganz gesund war, wurde ihr das Gewebe neu eingepflanzt. Die heute 32-Jährige wurde ohne weitere medizinische Eingriffe schwanger.

«Es ist nicht 100-prozentig klar, ob die Frau nur wegen der Behandlung schwanger geworden ist», gab der Endokrinologe Dr. Kutluk Oktay von der New Yorker Cornell Universität zu bedenken. Drei Jahre nach der Chemotherapie sei es möglich, dass eine Patientin wieder auf natürliche Weise Eizellen produziere. Die Wissenschaftler in Belgien hätten es versäumt, das transplantierte Gewebe täglich zu überprüfen, um festzustellen, ob die letztendlich befruchtete Eizelle auch wirklich aus dem Transplantat gekommen sei.

Es gebe mehrere Hinweise darauf, dass die Schwangerschaft nur mit Hilfe des transplantierten Gewebe möglich geworden sei, schreiben dagegen die Wissenschaftler der Universität Löwen in «The Lancet». In dem verbliebenen Eierstockgewebe hätten sie nach der Chemotherapie keine Eizellen mehr entdecken können. Es war das erste Mal, das ein solcher Eingriff an einem Menschen vorgenommen wurde. Er war zuvor an Affen getestet worden. (dapd)

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