Aktualisiert 28.11.2018 14:22

In China

Erstmals gentechnisch veränderte Babys geboren

Es klingt nach Science-Fiction, ist aber wohl Wirklichkeit: In China sollen die ersten Genom-editierten Kinder auf die Welt gekommen sein.

von
fee

Einem chinesischen Wissenschaftler zufolge sind weltweit erstmals Babys nach einer Genmanipulation zur Welt gekommen. Er und sein Team hätten das Genom der Embryos verändert, um sie resistent gegen Aids zu machen.

«Zwei wunderschöne kleine chinesische Mädchen namens Lulu und Nana kamen vor einigen Wochen weinend und so gesund wie jedes andere Baby zur Welt», sagte He Jiankui von der Universität Schenzen in einem auf Youtube verbreiteten Video (siehe Video unten).

Nach dem Sperma kam die Genschere

Der an den Embryonen vorgenommene Eingriff mit dem noch sehr jungen Verfahren Crispr/Cas9 (siehe Box 1) hatte das Ziel, die Kinder resistent gegen HIV zu machen.

Wie Jiankui berichtet, wurden die beiden Babys per klassischer In-vitro-Fertilisation (IVF, siehe Box 2) gezeugt. Doch direkt nachdem das Sperma des Vaters die Eier erreicht hatte, ging ein Embryologe ans Werk und entfernte mithilfe der Genschere «die molekulare Eintrittspforte, durch die HI-Viren Menschen infizieren können.»

Eine geprüfte wissenschaftliche Veröffentlichung zu den Eingriffen gibt es noch nicht, sondern lediglich einen Eintrag in einem chinesischen Register für klinische Tests.

«Unverantwortlich» und «für die Wissenschaft ein Super-GAU»

Wenn sich die Behauptungen des chinesischen Forschers bewahrheiten sollten, wäre das absolut unverantwortlich, sagt Nikola Biller-Andorno, Leiterin des Instituts für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte der Universität Zürich gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Es hätte Alternativen gegeben, um die Kinder vor HIV zu schützen. Das ist ein Experiment mit hohem Risiko und auf Kosten des Wohles dieser Kinder, bei gleichzeitig fragwürdigem Nutzen.»

Ähnlich kritisch betrachtet auch der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die Meldung: «Sollte es sich bewahrheiten, dass ein mithilfe von Crispr genmanipuliertes Baby erzeugt worden ist, wäre dies für die Wissenschaft ein Super-GAU.» Wie er Faz.net sagte, handelt es sich bei den Experimenten «um unverantwortliche Menschenversuche». Die Neben- und Spätfolgen seien noch unabsehbar und schwer zu kontrollieren. Diese Sorgen bestätigt auch eine Studie vom Mai 2017. Diese kam zum Schluss dass die Genschere Hunderte Nebenwirkungen hat.

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«Unverantwortlich» und «ein Super-GAU für die Wissenschaft» – so lauten die ersten Reaktionen auf die Meldung chinesischer Forscher, unter deren Einwirken die ersten Genom-editierten Babys zur Welt gekommen sein sollen.

«Unverantwortlich» und «ein Super-GAU für die Wissenschaft» – so lauten die ersten Reaktionen auf die Meldung chinesischer Forscher, unter deren Einwirken die ersten Genom-editierten Babys zur Welt gekommen sein sollen.

iStock/Bill Oxford
Wie Forschungsleiter  He Jiankui von der Universität Schenzen in einem Youtube-Video erklärt, wurden die beiden Babys per klassischer IVF gezeugt. Direkt nachdem das Sperma des Vaters die Eizellen erreicht hatte, ...

Wie Forschungsleiter He Jiankui von der Universität Schenzen in einem Youtube-Video erklärt, wurden die beiden Babys per klassischer IVF gezeugt. Direkt nachdem das Sperma des Vaters die Eizellen erreicht hatte, ...

Screenshot Youtube/The He Lab
... entfernte ein Embryologe mit Hilfe der Genschere Crispr/Cas9 «die molekulare Eintrittspforte, durch die HI-Viren Menschen infizieren können».  Das Problem aus Sicht von Kritikern: Die Neben- und Spätfolgen seien noch unabsehbar und schwer zu kontrollieren.

... entfernte ein Embryologe mit Hilfe der Genschere Crispr/Cas9 «die molekulare Eintrittspforte, durch die HI-Viren Menschen infizieren können». Das Problem aus Sicht von Kritikern: Die Neben- und Spätfolgen seien noch unabsehbar und schwer zu kontrollieren.

Screenshot Youtube/The He Lab

Was ist IVF?

Bei der In-Vitro-Fertilisation (IVF) findet die Befruchtung nicht im Körper der Frau statt, sondern im Labor. Zunächst ist fast immer eine Hormonbehandlung der Frau notwendig. Anschliessend entnimmt der Arzt Eizellen aus dem Eierstock und führ sie mit den Samenzellen des Mannes zusammen. Gelingt die Befruchtung und entwickeln sich die befruchteten Eizellen weiter, werden ein bis höchstens drei Embryos in die Gebärmutter eingepflanzt. (Bild: KEY, im Bild: Louise Brown und Alastair MacDonald, die ersten jemals per IVF gezeugten Babys)

Komplizierter Name, grosse Hoffnung

Crispr/Cas9 ist nach Einschätzung des renommierten Fachjournals «Science» der wissenschaftliche Durchbruch des Jahres 2015. Denn die Technik ermöglicht es, das Erbgut sämtlicher Lebewesen beliebig zu verändern. Mit Crispr können Forscher Gene ausschalten, defekte durch korrekte DNA-Teile ersetzen oder neue Gensequenzen einfügen.

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