Erstmals hat ein Arzt die Diagnose Klimawandel-Leiden gestellt
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Unschöne PremiereArzt stellt erstmals die Diagnose Klimawandel-Leiden

Die Hitzewelle im Sommer 2021 setzte einer Kanadierin so zu, dass sie zum Arzt musste. Der hielt nicht nur ihre Symptome, sondern auch deren Ursache fest: den Klimawandel.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Eine heftige Hitzewelle herrschte im Sommer 2021 in Kanada. 

Eine heftige Hitzewelle herrschte im Sommer 2021 in Kanada.

REUTERS
Mancherorts wurden Rekordtemperaturen von 50 Grad Celsius gemessen. 

Mancherorts wurden Rekordtemperaturen von 50 Grad Celsius gemessen.

AFP/Jim Watson
Gewitter lösten zudem Waldbrände aus. (Bild: Feuer in British Columbia)

Gewitter lösten zudem Waldbrände aus. (Bild: Feuer in British Columbia)

Getty Images/Bloomberg Creative

Darum gehts

  • Klimawandel-Leiden – diese Diagnose hat nun erstmals ein Arzt in Kanada gestellt.

  • Bei der Patientin sei klar gewesen, dass sich ihre Symptome durch die Umweltbedingungen um sie herum verstärkt hätten, so dessen Argument.

  • Im letzten Jahr hatten Mediziner erstmals Luftverschmutzung offiziell auf einem Totenschein vermerkt.

Im Juni 2021 wurden Teile Kanadas von einer heftigen Hitzewelle heimgesucht. Teilweise herrschten 50 Grad Celsius. Gewitter lösten zudem Waldbrände aus. Die Kombination aus ausserordentlich hohen Temperaturen und dem Rauch bescherte den Spitälern in den betroffen Regionen einen regen Zulauf, wie kanadische Medien berichten. Es waren vor allem Erschöpfung, Dehydrierung und Atemwegsprobleme, die die Patientinnen und Patienten Hilfe aufsuchen liessen.

In der Notaufnahme des Kootenay Lake Hospital in der Kleinstadt Nelson fand sich eine Rentnerin ein, die nicht über neue Symptome, sondern über eine Verschlimmerung bekannter Gesundheitsprobleme klagte. «Sie hat Diabetes, leidet an Herzinsuffizienz und hatte wirklich Mühe, ihren Flüssigkeitshaushalt aufrechtzuerhalten», zitiert «Glacier Media» den behandelnden Notfallmediziner Kyle Merritt.

Die Ursachen angehen

Bei der Patientin sei klar gewesen, dass sich ihre Symptome durch die Umweltbedingungen um sie herum verstärkt hätten, so Merrit. Entsprechend habe er den Klimawandel als Grund zur Diagnose notiert – es sei wichtig, die Hauptursache direkt zu benennen: Denn «wenn wir uns nicht um die zugrunde liegende Ursache kümmern und nur die Symptome behandeln, werden wir immer weiter zurückfallen.»

Auch wenn die konkrete Benennung des Auslösers eine Premiere ist: Belege dafür, dass der Klimawandel nicht nur Regionen verschwinden lässt, sondern auch bereits Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat gibt es viele. Das Feld reicht von Herz-Kreislauf- sowie neuen und alten Infektionskrankheiten bis hin zu Verletzungen und Todesfällen. Erst letztes Jahr wurde ein neunjähriges Mädchen aus London zur ersten Person in Grossbritannien, bei der Luftverschmutzung offiziell auf dem Totenschein vermerkt wurde.

Dringlicher Appell in 233 Fachjournalen

Die Dringlichkeit, etwas gegen die Erwärmung des Klimas zu tun, zeigt eine Aktion, an der sich 233 Fachjournale aus aller Welt beteiligten. Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz 2021 veröffentlichten deren Herausgeber alle denselben Leitartikel. In diesem fordern sie im Namen der Gesundheitsbranche die Politik auf, den Klimanotstand ernst zu nehmen und ohne weiteren Zeitverlust zu handeln.

«Jeder Bruchteil eines Grades Erwärmung gefährdet unsere Gesundheit und Zukunft.»

Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO-Generaldirektor

«Mit einem Anstieg der globalen Temperatur über 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Ära und einem weiteren Verlust der Artenvielfalt riskieren wir katastrophale Gesundheitsschäden, die nicht rückgängig zu machen sind», heisst es darin. Man könne nicht auf ein Ende der Covid-19-Pandemie warten. Auch Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO, schliesst sich an: Die Risiken, die der Klimawandel mit sich bringe, könnten die Risiken jeder einzelnen Krankheit in den Schatten stellen. Der Bericht des IPCC zeige, «dass jeder Bruchteil eines Grades Erwärmung unsere Gesundheit und Zukunft gefährdet.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Klimaangst?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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