Historisches Ereignis: Erstmals holt eine Frau die Gans vom Himmel

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Historisches EreignisErstmals holt eine Frau die Gans vom Himmel

An der traditionellen Gansabhauet in Sursee ist am Montag erstmals eine Frau erfolgreich gewesen: Aline Theiler (28) aus Pfeffikon LU holte sich die Trophäe.

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Bei der Gansabhauet in Sursee müssen die Teilnehmer mit verbundenen Augen und einem stumpfen Säbel einer Gans mit einem einzigen Hieb den Kopf abschlagen.

Bei der Gansabhauet in Sursee müssen die Teilnehmer mit verbundenen Augen und einem stumpfen Säbel einer Gans mit einem einzigen Hieb den Kopf abschlagen.

Keystone/Alexandra Wey
Am Montag gelang das Jan Erni. Bisher holten nur Männer die Gänse vom Himmel, in der gesamten Geschichte der Gansabhauet, die jahrzehntelang zurückreicht.

Am Montag gelang das Jan Erni. Bisher holten nur Männer die Gänse vom Himmel, in der gesamten Geschichte der Gansabhauet, die jahrzehntelang zurückreicht.

Keystone/Alexandra Wey
Seit Montag ist das anders: Aline Theiler holte als erste Frau eine Gans.

Seit Montag ist das anders: Aline Theiler holte als erste Frau eine Gans.

Keystone/Alexandra Wey

Zum ersten Mal in der Geschichte hat eine Frau am traditionellen Gansabhauet in Sursee LU Grund zum Jubeln. Aline Theiler aus dem luzernischen Pfeffikon war die fünfte Person, die mit dem stumpfen Säbel zum Schlag ausholte, um der toten Gans den Hals durchzutrennen. «Das Publikum hat mit grosser Begeisterung und langem Jubel auf den erfolgreichen Schlag der 1991 geborenen Frau reagiert», sagte Stadtarchivar Michael Blatter, Präsident der Kommission Gansabhauet.

Bei der zweiten Gans war bereits der zweite Schläger erfolgreich. Es handelt sich um Giovanni Valetti aus Sursee. Theiler und Valetti werden mit einem Festmahl belohnt. Natürlich dürfen sie auch die Gänse mit nach Hause nehmen.

Beteiligte können hinter der Sonnenmaske nichts sehen

Insgesamt hatten sich für die Gansabhauet 92 Männer und fünf Frauen als Schläger respektive Schlägerin angemeldet. Der Jüngste hatte Jahrgang 2003, der Älteste Jahrgang 1936.

Bei der Gansabhauet geht es darum, mit einem einzigen Säbelhieb den Hals einer leblosen, am Hinterkopf aufgehängten Gans zu durchtrennen. Dies ist nicht so einfach, denn die in einen roten Umhang gekleideten Wettstreiter sehen hinter ihrer Sonnenmaske nichts. Zudem ist ihr Dragonersäbel stumpf.

Ursprünge der Gansabhauet sind unbekannt

Die Reihenfolge der Schläger für die beiden Gänse wird durch das Los bestimmt. Bis die zwei Vögel geköpft sind, braucht es in der Regel zwischen fünf und 20 Hiebe.

Die Ursprünge der Gansabhauet liegen im Dunkeln. Dass der Anlass auf die mittelalterlichen Zehntenabgaben zurück gehen könnte, ist eine mögliche Erklärung. Sicher ist einzig, dass am Martinstag Bräuche um das wertvolle Federvieh früher in ganz Europa verbreitet waren.

Martinifest hat noch viel mehr zu bieten

Der 11. November ist dem Heiligen Martin von Tours gewidmet, einem Soldaten, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Gemäss einer Legende wollte der bescheidene und asketische Martin von Tours verhindern, dass er zum Bischof geweiht werde, und versteckte sich in einem Gänsestall, wurde aber von den schnatternden Tieren verraten. Martin von Tours lebte im vierten Jahrhundert.

Das Martinifest beschränkt sich in Sursee nicht auf die Gansabhauet. In den Pausen zwischen den Schlägen können Kinder beim «Stangechlädere» Geschenke ergattern oder beim «Chäszänne» mit einer verrückten Grimasse ein Stück Käse verdienen. Auch ein «Räbeliechtli»-Umzug fehlt nicht.

Die wichtigsten Fakten zur Gansabhauet:

Die Gansabhauet Sursee findet immer am Martinitag statt, also am 11. November.

Die Schläger tragen eine goldene Sonnenmaske und ein rotes Gewand, ihnen werden die Augen verbunden. Um ihnen die Orientierung zu erschweren, werden sie vor dem Schlag um die eigene Achse gedreht. Dann müssen sie versuchen, mit einem einzigen Schlag mit einem Drogenersäbel der Gans den Kopf abzuhacken. Allerdings ist der benutzte Säbel stumpf.

Es braucht in der Regel 15 bis 20 Säbelhiebe, bis es dem ersten Teilnehmer gelingt, der Gans den Kopf abzutrennen.

Der Gewinner darf er die Gans nach Hause nehmen und zu einem Festmahl verarbeiten.

Die aufgehängten Gänse sind natürlich schon tot. Sie stammen von einem Biobauernhof aus der Region Sursee.

Bei der Gansabhauet handelt es sich um einen alten Brauch, wobei man das genaue Alter nicht kennt. Bekannt ist, dass die Gansabhauet um 1820 aus Sursee für einige Jahre verschwand, seit 1861 aber regelmässig durchgeführt wird. Ähnliche Bräuche waren früher in ganz Europa verbreitet.

Jeweils etwa 4000 Zuschauer verfolgen die Gansabhauet in Sursee. Die Altstadt ist in dieser Zeit komplett gesperrt. (sda)

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