Studie – Erstmals Mikroplastik in Lungengewebe nachgewiesen – vor allem bei Männern
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StudieErstmals Mikroplastik in Lungengewebe nachgewiesen – vor allem bei Männern

Mikroplastik ist überall – diese Befürchtung stützen neue Erkenntnisse aus Grossbritannien. Demnach gelangen die winzig kleinen Partikel auch in die Lunge von Menschen. 

von
Fee Anabelle Riebeling
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Zum ersten Mal haben Forschende Mikroplastik-Verschmutzungen tief im Lungengewebe von lebenden Menschen gefunden.

Zum ersten Mal haben Forschende Mikroplastik-Verschmutzungen tief im Lungengewebe von lebenden Menschen gefunden.

Unsplash
Als Mikroplastik werden Plastikteilchen mit einer Grösse von weniger als fünf Millimeter bezeichnet. Es entsteht vor allem ungewollt durch Zerkleinerung, Abrieb oder Zersetzung grösserer Plastikteile in der Umwelt.

Als Mikroplastik werden Plastikteilchen mit einer Grösse von weniger als fünf Millimeter bezeichnet. Es entsteht vor allem ungewollt durch Zerkleinerung, Abrieb oder Zersetzung grösserer Plastikteile in der Umwelt.

Wikimedia Commons/PD
Dabei zeigte sich, dass elf der insgesamt 13 Proben Mikroplastik enthielten. Einige der Partikel waren nur 0,003 Millimeter klein.

Dabei zeigte sich, dass elf der insgesamt 13 Proben Mikroplastik enthielten. Einige der Partikel waren nur 0,003 Millimeter klein.

Science of The Total Environment (2022): Laura R. Sadofsky et al. 

Darum gehts

  • Zum ersten Mal wurde Mikroplastik in der Lunge von lebenden Menschen nachgewiesen.

  • Selbst in den tiefsten Bereichen wurden die Forschenden fündig. 

  • Männerlungen sind stärker betroffen. 

  • Das Team zeigt sich überrascht. 

Die Nachricht, dass Mikroplastik erstmals im Blut nachgewiesen wurde, ist kaum verhallt, da berichtet das nächste Forschungsteam von Mikroplastik-Funden in der Lunge von lebenden Personen. Diese hatte das Team um Laura R. Sadofsky von der Hull York Medical School in den oberen, aber auch in den unteren Teilen des Organs entdeckt.

«Da die Atemwege in der Lunge sehr eng sind, hätte niemand gedacht, dass sie dorthin gelangen könnten, aber sie sind es eindeutig», so Sadofsky in einer Mitteilung. Das zeige, dass der Mensch Mikroplastik nicht nur oral, sondern auch über die Luft, über das Einatmen, aufnimmt.

Beinahe alle Proben voll mit Mikroplastik

Für die im Fachjournal «Science of The Total Environment» veröffentlichte Studie hatte Sadofskys Team Lungengewebeproben von Personen untersucht, die sich im Rahmen ihrer Routineversorgung chirurgischen Eingriffen unterzogen. Verwendet wurden dabei ausschliesslich gesunde Proben.

Dabei zeigte sich, dass elf der insgesamt 13 Proben Mikroplastik enthielten. Am häufigsten wurden Polypropylen-Partikel nachgewiesen (23 Prozent), die für Kunststoffverpackungen und -rohre verwendet werden, gefolgt von PET-Partikeln (18 Prozent), die in Getränkeflaschen vorkommen, und Kunstharz (15 Prozent), das häufig als Kleb- oder Dichtstoff eingesetzt wird.

«Da die Atemwege in der Lunge sehr eng sind, hätte niemand gedacht, dass sie dorthin gelangen könnten, aber sie sind es eindeutig.»

Laura R. Sadofsky, Hull York Medical School

Männer stärker betroffen

Auffällig ist, dass die Proben von männlichen Patienten allesamt Mikroplastik enthielten, während bei den Proben von Frauen nur zwei von fünf betroffen waren. Das Team vermutet, dass dies auf die grösseren Lungen und Atemwege von Männern zurückzuführen sein könnte. Dies müsse allerdings in weiteren Untersuchungen noch überprüft werden. «Diese Daten stellen einen wichtigen Fortschritt auf dem Gebiet der Luftverschmutzung, des Mikroplastiks und der menschlichen Gesundheit dar», so Sadofsky.

Mehr über das Vorkommen von Mikroplastik und seine Folgen herauszufinden ist wichtig. Denn Plastik ist heutzutage allgegenwärtig: Es kommt selbst in den entlegensten Gebieten wie der Arktis und in 10'928 Metern Tiefe im Marianengraben vor. Erst kürzlich berichteten niederländische Forschende, dass es allein in der Schweiz jedes Jahr rund 3000 Tonnen Mikroplastik regnet. Das sind schätzungsweise 43 Trillionen feinster Plastikteilchen. 

Im Jahr 2020 war Mikroplastik zum ersten Mal in menschlichen Organen nachgewiesen worden. Was das Vorhandensein von den winzigen Partikeln im Körper für die Gesundheit bedeutet, ist noch nicht genügend erforscht. 

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Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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