19.08.2020 17:03

Folgen offenErstmals Mikroplastik in menschlichen Organen gefunden

Mikroplastik ist in der Luft, im Wasser und in den Tieren, die wir essen. Nun wurden die winzigen Plastikpartikel zum ersten Mal im Menschen nachgewiesen – in seinem Innnersten.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Erstmals haben Forscher Mikroplastik in den menschlichen Organen nachgewiesen. Es gelangt durch die Luft, die wir atmen, unsere Nahrung und das Wasser, das wir trinken, in die Körper. Die folgenden Zahlen sind erschreckend: 2000 Plastikteilchen pro Woche oder rund fünf Gramm Plastik nimmt der Mensch ein.

Erstmals haben Forscher Mikroplastik in den menschlichen Organen nachgewiesen. Es gelangt durch die Luft, die wir atmen, unsere Nahrung und das Wasser, das wir trinken, in die Körper. Die folgenden Zahlen sind erschreckend: 2000 Plastikteilchen pro Woche oder rund fünf Gramm Plastik nimmt der Mensch ein.

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Das entspricht etwa dem Gewicht einer Kreditkarte – pro Woche.

Das entspricht etwa dem Gewicht einer Kreditkarte – pro Woche.

Keystone
Seit dem Jahr 2000 wurde laut WWF so viel Plastik produziert wie in allen Jahren zuvor zusammen. Etwa ein Drittel der Plastikmenge gelangt demnach unkontrolliert in die Umwelt.

Seit dem Jahr 2000 wurde laut WWF so viel Plastik produziert wie in allen Jahren zuvor zusammen. Etwa ein Drittel der Plastikmenge gelangt demnach unkontrolliert in die Umwelt.

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Darum gehts

  • Mikroplastik gelangt nicht nur in unseren Körper, es reichert sich da auch an.
  • Das berichten Forscher an einer Tagung.
  • Die Folgen für den menschlichen Organismus sind offen.
  • Die Wissenschaftler fordern, weniger Plastik herzustellen und zu nutzen.

Dass der Mikroplastikkelch nicht an den Menschen selbst vorübergehen wird, ist spätestens seit dem Jahr 2018 klar. Damals zeigten Forscher aus Wien, dass Mikroplastik auch in menschlichen Stuhlproben zu finden ist. Allerdings war unklar, ob diese Plastikteilchen, von denen wir im Jahr etwa 250 Gramm zu uns nehmen, einfach nur in den Darm aufgenommen und gleich wieder ausgeschieden werden oder sich in uns anreichern.

Ebenfalls bis heute ungeklärt ist, wie die Kunststoffpartikel auf die menschliche Gesundheit wirken. Sicher ist mittlerweile aber, das berichteten US-Forscher unlängst am diesjährigen Herbst-Meeting der American Chemical Society, dass die nur wenige Mikrometer kleinen Partikel bereits tief in unsere Organe und Gewebe eingedrungen sind.

Plastikpartikel und Weichmacher

Das Team um Charles Rolsky von der Arizona State University war bei 47 Proben, die sie auf die wenigen Mikrometer grossen Partikel untersucht hatte, fündig geworden – und zwar von Organen, die eine wichtige Filterfunktion haben: Lunge, Leber, Milz und Niere.

Auch den umstrittenen Weichmacher Bisphenol A (BPA, siehe Box) konnten sie in allen vier Organen und bei allen Proben nachweisen.

Bisphenol A und seine Nebenwirkungen

Gemäss verschiedenen Studien reichen schon kleinste Mengen aus, um Nerven zu schädigen oder Krebs auszulösen. Auch hormonverändernd soll es sein und den Blutdruck steigen lassen. Weiter soll es Erektionsstörungen und Herzprobleme verursachen und den Zahnschmelz schwächen. Tests mit Ratten deuten zudem darauf hin, dass BPA Allergien auslösen kann. Deshalb hat beispielsweise die EU dessen Verwendung in Babyflaschen und Schnullern verboten. Die Schweiz hingegen wartet noch ab.

Harmlos oder ernsthafte Gesundheitsgefahr?

Das Eindringen der winzigen Partikel besorgt die Wissenschaftler. Gegenüber Spektrum.de sagte Rolskys Kollege Varun Kelkar: «Ich möchte nicht alarmistisch sein, aber es ist schon besorgniserregend, dass sich diese nicht biologisch abbaubaren Partikel auch in menschlichem Gewebe einlagern und dort anreichern.» Zum jetzigen Zeitpunkt könne noch niemand sagen, ob das Plastik in unserem Körper harmlos sei oder eine ernsthafte Gesundheitsgefahr darstelle. Letzteres sei angesichts der weiter steigenden Produktion von Plastik keine schöne Vorstellung.

Entsprechend fordern sie die Menschen dazu auf, weniger Kunststoff zu verwenden, schreibt Deutschlandfunk.de. Von der Industrie fordern sie, mehr alternative Stoffe einzusetzen. Und zwar solche, die abbaubar sind und weniger schädliche Zusatzstoffe enthalten.

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61 Kommentare
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Alfmann

20.08.2020, 18:24

Das gibt dann Probleme in den Krematorien: Sondermüll auf spezielle Deponien und nicht mehr Asche in der Natur verstreuen!

ein stop ecocide subsriber

20.08.2020, 17:28

Man kann sich für eine Strafnorm gegen Umweltmord stark machen. STOP ECOCIDE, macht mit. Wenn wir die Natur überleben lassen wollen, müssen wir handeln.

Hans

20.08.2020, 16:57

Besko Todesstrafe