Dermatologie: Erstmals PlayStation-Krankheit festgestellt
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DermatologieErstmals PlayStation-Krankheit festgestellt

Genfer Ärzte haben eine neue Hauterkrankung an den Handflächen entdeckt, die durch das exzessive Benutzen von Spielkonsolen verursacht wird. Sie warnen nun vor «Palmare PlayStation Hidradenitis», wie sie das Leiden nennen.

Die Forscher um Vincent Piguet vom Universitätsspital Genf beschreiben im Fachmagazin «British Journal of Dermatology» den Fall eines 12-jährigen Mädchens mit sehr schmerzhaften Hautblessuren. Die Schwellungen waren vier Wochen vor der Spitaleinweisung aufgetreten.

Es habe sich um grosse, spektakuläre Hautverdickungen gehandelt, die auch als Knötchen bezeichnet werden, sagte Piguet am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Solche Irritationen kämen manchmal an den Fusssohlen von Kindern vor, die joggten und dabei stark schwitzten. Sie nur an den Händen zu beobachten, sei ungewöhnlich.

Stundenlang vor PlayStation

Die Krankheitsursache herauszufinden war für die Ärzte nicht einfach, wie Piguet sagte. Das Mädchen habe vor ihren Eltern verheimlicht, dass sie in den Tagen vor dem Auftreten der Krankheit stundenlang mit ihrer PlayStation gespielt habe. Sie spielte auch mit den Blessuren weiter - allerdings jeweils weniger lange.

Piguet und sein Team kamen zum Schluss, dass das krampfhafte Halten des Joysticks und das Drücken der Tasten in den Handflächen des Mädchens zu winzigen Hautverletzungen führten. Diese Läsionen könnten sich durch Schwitzen noch verschlimmern.

Die Ärzte verschrieben dem Mädchen PlayStation-Abstinenz - und nach 10 Tagen waren die Schmerzen weg. In dem Artikel schlagen die Wissenschaftler vor, das Leiden künftig «Palmare PlayStation Hidradenitis» zu nennen.

«Wii-Sehnenentzündung»

Momentan gibt es allerdings nur diesen einen beschriebenen Fall der Erkrankung. Piguet warnte deshalb vor Verallgemeinerungen: «Wir wissen momentan nicht, ob das Leiden auf eine bestimmte Art von Joystick zurückzuführen ist, oder ob andere Kinder daran leiden.»

Erst kürzlich wiesen Ärzte eine chronische Sehnenentzündung nach, die auf übermässigen Gebrauch der Nintendo-Spielkonsole Wii zurückzuführen ist. Viel häufigere Folgen von exzessivem «Gamen» sind laut Forschern jedoch psychische Probleme, die durch Spielsucht entstehen.

In einem Communiqué zu dem Genfer Fall sprach die Britische Vereinigung der Hautärzte von einer «interessanten Entdeckung». Wer Spielkonsolen benutze, solle bei Schmerzen in den Händen Pausen einlegen. Und Menschen, die rasch an den Händen schwitzten, sollten exzessives Spielen vermeiden.

Sony: Einzelfall

Sony Computer Entertainment wies auf Anfrage in einer Stellungnahme darauf hin, dass die Firma die PlayStation seit 1995 «weit über 100 Millionen Mal» verkauft habe. «In 13 Jahren ist dies das erste Mal, dass wir von Beschwerden dieser Art gehört haben».

Jeder Freizeitbeschäftigung könne zu Gesundheitsproblemen führen, wenn der Benützer ein Produkt nicht richtig anwende oder sich nicht an die Benützungsemfehlungen halte. Solche Empfehlungen seien in den Bedienungsanleitungen der Firmengeräte enthalten. (sda)

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