Nach Hisbollah-Rede: Erstmals Raketenangriff auf Süden Beiruts

Aktualisiert

Nach Hisbollah-RedeErstmals Raketenangriff auf Süden Beiruts

Bei einem Raketenangriff in der libanesischen Hauptstadt sind vier Menschen verletzt worden. Es war das erste Mal seit Beginn des Aufstands in Syrien, dass der schiitisch geprägte Süden Beiruts getroffen wurde.

Ein Mann im Süden Beiruts steht neben einer eigenschlagenen Rakete.

Ein Mann im Süden Beiruts steht neben einer eigenschlagenen Rakete.

Die libanesische Hisbollah kämpft im syrischen Bürgerkrieg jetzt offen an der Seite des Assad-Regimes und setzt damit die Stabilität des eigenen Heimatlandes aufs Spiel. Der Generalsekretär der Schiitenbewegung, Hassan Nasrallah, prophezeite in einer TV-Ansprache einen Sieg in Syrien.

Nasrallah versprach am Samstagabend, dass die Milizen solange wie notwendig blieben. Er schwor seine Kämpfer auf einen «Sieg» in Syrien ein. Ein Sturz des Regimes von Baschar al-Assad komme nicht in Frage. Syrien sei das Rückgrat des Widerstandes, und der Widerstand (die Hisbollah) werde nicht mit verschränkten Armen zuschauen, wie Syrien von den USA, Israel und Extremisten das Rückgrat gebrochen werde.

Raketen schlagen im Süden Beiruts ein

Nur wenige Stunden nach der Rede schlugen am Sonntag Raketen in zwei von der Hisbollah kontrollierten Vororten Beiruts ein. Fünf Menschen wurden verletzt. Zwei Raketen vom Typ «Grad» hätten eine Automobilausstellung und ein Wohngebäude getroffen, berichteten Sicherheitskräfte. Zunächst bekannte sich niemand zu den Angriffen. Libanons Innenminister Marwan Charbel sah in dem Angriff einen Versuch, die Sicherheitslage in seinem Land zu destabilisieren.

Während die Schiitenorganisation jetzt erstmals ganz offiziell mit Kämpfern Partei für Syriens Machthaber Baschar al-Assad ergreift, gibt es im Libanon aber auch Muslime sunnitischer Glaubensrichtung, die schwer bewaffnet sind und die syrische Opposition unterstützen. Damit droht dem Libanon immer mehr eine Zerreissprobe. Das kleine arabische Land versank bereits von 1975 bis 1990 in einem Bürgerkrieg.

Kampf um strategisch wichtige Kleinstadt

In Syrien haben Regierunsgtruppen mit Hilfe von Hisbollah-Milizionären in der strategisch wichtigen Kleinstadt Al-Kusair am Wochenende eine neue Offensive gestartet. «Rauchschwaden überziehen das Gebiet, und es fallen mindestens 50 Geschosse pro Minute auf die Stadt», beschrieb der Aktivist Abu Raad die Lage. Rund 2000 Hisbollah-Kämpfer seien inzwischen an den Gefechten beteiligt.

Al-Kusair liegt an der Grenze zum Libanon und in der Nähe einer wichtigen Strasse, die Damaskus mit den vom Regime kontrollierten Küstengebieten verbindet. Auch für die Rebellen ist der Ort strategisch wichtig, weil hier Nachschublinien aus dem Libanon entlanglaufen. Die Hisbollah wiederum will nach den Worten von Nasrallah verhindern, dass radikale Islamisten oder Extremisten das Gebiet entlang der Grenze zum Libanon kontrollieren.

Syrische Opposition ohne Einigung

Die syrische Opposition kam am Wochenende in Istanbul bei ihren Beratungen über eine Teilnahme an der von Russland und den USA initiierten Friedenskonferenz zunächst zu keinem Ergebnis. Nach Angaben von Delegierten wurde beschlossen, 30 weitere Persönlichkeiten und Parteivertreter in den Kreis der Nationalen Syrischen Koalition aufzunehmen.

Westliche Staaten hatten eine Erweiterung angeregt, um den Einfluss der Muslimbruderschaft zu begrenzen. Nach Angaben von syrischen Oppositionellen in Damaskus könnte die geplante Friedenskonferenz für den 12. Juni in Genf einberufen werden. (sda)

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