UNO-Tribunal: Erstmals Urteile zu Kriegsverbrechen im Kosovo
Aktualisiert

UNO-TribunalErstmals Urteile zu Kriegsverbrechen im Kosovo

Ein Jahrzehnt nach der Vertreibung Hunderttausender Kosovo-Albaner durch Morde und Vergewaltigungen verkündet das Jugoslawien-Tribunal der UNO an diesem Donnerstag seine ersten Urteile gegen mutmassliche Verantwortliche für die Gräueltaten.

Für sechs ehemals führende serbische Politiker - allen voran Ex- Präsident Milan Milutinovic - hat die Staatsanwaltschaft wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit Gefängnisstrafen zwischen 20 Jahren und lebenslänglich beantragt. Alle sechs Angeklagten haben auf nicht schuldig plädiert.

Den Männern zwischen 53 und 67 Jahren wird vorgeworfen, im Kosovo eine Terrorkampagne entfacht zu haben, um weite Teile der albanisch- stämmigen Bevölkerungsmehrheit der serbischen Provinz zu verjagen.

Im gesamten Kosovo hätten von den Angeklagten kontrollierte jugoslawisch-serbische Truppen "systematisch Städte und Dörfer beschossen, Häuser und Bauernwirtschaften niedergebrannt, kulturelle und religiöse Einrichtungen zerstört, kosovoalbanische Zivilisten ermordet und Frauen vergewaltigt".

Insgesamt seien etwa 800 000 Menschen mit dem Ziel vertrieben worden, die serbische Kontrolle über die Provinz gegen teils militante Unabhängigkeitsbestrebungen von Kosovo-Albanern zu sichern. Erst nach drei Monate andauernden Luftangriffen durch die NATO im sogenannten Kosovokrieg von März bis Juni 1999 zogen sich die jugoslawisch-serbischen Truppen aus der Provinz zurück.

Im ersten Prozess des Jugoslawien-Tribunals, in dem es um Kriegsverbrechen im Kosovo ging, hatte sich der ehemalige jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic in Den Haag verantworten müssen. Zu einer Verurteilung kam es jedoch nicht, da der Angeklagte am 11. März 2006 im UNO-Untersuchungsgefängnis starb.

Der heute 66-jährige Angeklagte Milan Milutinovic war ein enger Verbündeter und als Präsident der Teilrepublik Serbien von 1998 bis 2002 Nachfolger von Milosevic, der dieses Amt von 1989 bis 1997 innehatte.

Die anderen Angeklagten sind der frühere stellvertretende jugoslawische Ministerpräsident Nikola Sainovic, der Ex- Verteidigungsminister Jugoslawiens Dragoljub Ojdanic, die Ex- Kommandanten Nebojsa Pavkovic und Vladimir Lazarevic sowie Ex- Geheimdienstchef Sreten Lukic.

Das nach dem Krieg von den UNO verwaltete Kosovo hat sich am 17. Februar vergangenen Jahres für unabhängig erklärt, was bislang durch 55 der 192 UNO-Mitgliedstaaten anerkannt wurde. Die Regierung Serbiens lehnt dies strikt ab.

(sda)

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