Bluttat in Münchenstein: Erstochen wegen Babygeschrei?
Aktualisiert

Bluttat in MünchensteinErstochen wegen Babygeschrei?

Ein 45-jähriger Tamile wurde am Dienstag unweit seiner Wohnung getötet. Sein Nachbar steht unter dringendem Tatverdacht.

von
Anna Luethi
Krish J. am Tatort: Er hat seinem Vater Blumen und eine Kerze hingestellt. (lua)

Krish J. am Tatort: Er hat seinem Vater Blumen und eine Kerze hingestellt. (lua)

Gleich mehrere Anwohner der Binningerstrasse in Münchenstein griffen am Dienstag gegen 23.45 Uhr zum Telefon: Unter lautem Geschrei wurde auf offener Strasse ein Mann erstochen. Es war der 45-jährige Tamile P.J.*, der mit seiner Frau und seinem einjährigen Sohn auf einem Spaziergang war. Er erlag seinen Verletzungen kurz darauf im Spital.

Zeitgleich nahm die Polizei den mutmasslichen Täter, einen 46-jährigen Türken, in dessen Wohnung fest. «Die Frau des Opfers gab den Hinweis. Zudem fanden wir in der Wohnung ­gewisse Dinge», so Polizei­sprecher Meinrad Stöcklin. Der Mann habe keinen Widerstand geleistet und sitzt nun in U-Haft. Die Frauen von Opfer und Täter erlitten beide einen Nervenzusammenbruch.

Einen Tag nach der Tat steht Krish, der 18-jährige Sohn des Opfers, am Tatort. Er hat Blumen und eine Kerze mitgebracht. «In mir staut sich eine unfassbare, riesige Wut», sagt er. Seine siebenjährige Schwester und er seien schon im Bett gewesen, als die Eltern mit dem Kleinsten nochmals losgingen: «Das Baby weinte oft. Seit die Nachbarn vor drei Monaten direkt unter uns eingezogen sind, beklagten sie sich bei meinem Vater darüber.» Ob gestern das Gequengel den Mann derart in Rage gebracht hatte, dass er immer wieder zustach – darüber kann nur spekuliert werden.

Die türkische Familie wurde gestern aus ihrer Wohnung weggebracht. Derweil war die Terrasse der tamilischen Familie voller trauernder Verwandten und Freunde. «Wir werden nicht wegziehen», sagt der Sohn. «Es hängen noch so viele Erinnerungen an meinen Vater hier.»

*Name der Redaktion bekannt

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