Oberländer Lebensretter: Ertrinkender krallte sich an ihm fest und biss zu

Aktualisiert

Oberländer LebensretterErtrinkender krallte sich an ihm fest und biss zu

Martin Casagrande (64) hat drei Studenten aus dem Brienzersee gerettet und dabei sein eigenes Leben riskiert. Für diese Heldentat wird er nun ausgezeichnet.

von
stm

Martin Casagrande erklärt wie er drei Personen vor dem Ertrinken rettete.

Schon nach 300 Metern gerieten die drei argentinischen Schwimmer in Panik, schlugen wild um sich und drohten zu ertrinken. Wäre da nicht Martin Casagrande gewesen, der 64-jährige Böötler, denen sie ihr Leben verdanken. Und dabei hatte ihn einer der drei Studenten sogar noch gebissen.

Das Drama ereignete sich am 4. Juni vergangenen Jahres. Der See war mit 12 bis 13 Grad viel zu kalt für eine Seeüberquerung, trotzdem stiegen die zwei Männer und die Frau in den Brienzersee und wollten das Seebecken bis zum Giessbach überqueren. Nach gerade einmal 300 Metern gerieten sie wegen der Kälte in Panik.

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An dieser Stelle schwammen die drei Argentinier in den See hinein und gerieten wegen der Kälte nach 300 Metern in Panik.

An dieser Stelle schwammen die drei Argentinier in den See hinein und gerieten wegen der Kälte nach 300 Metern in Panik.

20 Minuten/stm
Für seinen Einsatz erhält Martin Casagrande eine Lebensretter-Medaille.

Für seinen Einsatz erhält Martin Casagrande eine Lebensretter-Medaille.

20 Minuten/stm
Mit diesem Boot rettete Martin Casagrande die drei Personen.

Mit diesem Boot rettete Martin Casagrande die drei Personen.

20 Minuten/stm

Mitglieder eines Segelclub verspeisten soeben das Abendessen im Hotel Wildbach in Brienz und wurden Zeuge der Szene. Simon Kunz beobachtete das Drama, konnte aber nicht selber intervenieren, da er auf den Rollstuhl angewiesen ist. Geistesgegenwärtig zog er jedoch sein Handy und rief Martin Casagrande an, ein Freund, von dem er wusste, dass er oft in der Umgebung mit seinem Boot unterwegs ist.

Casagrande war zwar nicht auf dem See, doch in der Nähe seines Bootes, sodass er gleich ablegen konnte. «Ohne die Blache vom Boot zu entfernen fuhr ich los», erzählt der Brienzer.

Sich selbst in Gefahr gebracht

«Als ich auf den See hinausfuhr, habe ich zuerst nur zwei Köpfe im Wasser gesehen», so Casagrande. Auf diese steuerte er zu und zog den Mann und die Frau aus dem See. «Sie waren stark unterkühlt, jedoch ansprechbar.»

Die dritte Person erblickte er nicht sofort. Dann sah er 30 Meter entfernt kurz einen Kopf auftauchen, bevor er wieder im Wasser untertauchte. Ein Zufall, dass er ihn überhaupt erspähte. Casagrande: «Er war bereits am Ertrinken.»

Als der Brienzer beim Ertrinkenden angelangte, war dieser nicht mehr selber in der Lage, seine Hand zu fassen. So versuchte Casagrande, stehend vom Heck seines Bootes aus den Mann zu packen. «Da begann er mich zu beissen und sich festzukrallen», so Casagrande. «Er war in Panik, ich musste ihn loslassen.»

Beinahe sei die Rettung misslungen, doch Casagrande wagte einen weiteren Versuch – auch wenn dem 64-Jährige drohte, selber in den eiskalten See zu fallen und vom Ertrinkenden unter Wasser gezogen zu werden. Im zweiten Anlauf habe er versucht, den Mann besser zu fassen. «Mit einem Arm habe ich ihn hochgezogen, mit dem anderen griff ich ihm unter die Schulter», so Casagrande. Er habe sein ganzes Körpergewicht einsetzen müssen und liess sich mit dem jungen schweren Schwimmer rückwärts ins Boot fallen.

«Bin da um zu helfen»

Für diese Heldentat soll Martin Casagrande nun geehrt werden. Am 19. Mai wird er in Bern von der Stiftung Carnegie, die Lebensrettern Preise verleiht, mit der bronzenen Ehrenmedaille ausgezeichnet. «Für mich ist es eine überraschende Ehre», sagt der Brienzer.

Doch Casagrande fordert auch Massnahmen, damit bei solchen Fällen schneller Hilfe vor Ort ist. Denn die Seepolizei oder andere Retter hätten unter Umständen zu lange, den See bis zur Unfallstelle zu überqueren. «Es bräuchte mindestens drei Personen, die rund um den Brienzersee Boote haben und jederzeit via Handy erreichbar sind», sagt er. Sei jemand am Ertrinken, müssten sie sofort losdüsen. Casagrande: «Auch ich würde jederzeit wieder ausrücken. Ich bin da, um zu helfen, und das tut gut.»

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