Kantonsgericht St. Gallen: Ertrog Frau 115'000 Fr von liebestollem Mann?
Aktualisiert

Kantonsgericht St. GallenErtrog Frau 115'000 Fr von liebestollem Mann?

Einer 57-Jährigen wird vorgeworfen, einem Mann durch Liebesschwindel 115'000 Franken abgeluchst zu haben. Die Frau pochte am Dienstag vor Gericht auf ihre Unschuld.

Das Gebäude des Kantonsgerichts St. Gallen.

Das Gebäude des Kantonsgerichts St. Gallen.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Die Beschuldigte hatte den sieben Jahre älteren Mann aus dem

Kanton St. Gallen über eine Dating-Plattform kennengelernt. Schon beim ersten Treffen habe er sich Hals über Kopf in die Frau verliebt, erklärte der Mann, der seit mehreren Jahren an einer psychischen Krankheit leidet und deswegen getrennt von seiner Ehefrau lebt.

Die Angeklagte habe ihn raffiniert dazu gebracht, ein viel teureres Auto als geplant zu kaufen, eine Reise für beide zu buchen, luxuriös Essen zu gehen und ihr immer wieder grössere Bargeldsummen zu übergeben. Sie hätten besprochen, eine neue Familie zu gründen und eventuell nach Brasilien, der ehemaligen Heimat der Frau, auszuwandern. Die Beschuldigte habe ihn völlig in der Hand gehabt.

In Klinik eingewiesen

Als Familienmitglieder des Mannes vom teuren Autokauf und der

Ferienreise erfuhren, erwirkten sie einen befristeten fürsorgerischen Freiheitsentzug. Auch wurde die Frage aufgeworfen, ob der Mann bevormundet werden soll. Einige Monate später kam es zu einer Anzeige und einem Strafverfahren. Im August 2015 fand eine Gerichtsverhandlung am Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland statt. Die Frau erhielt einen Freispruch, die Rückzahlungsforderung von über 100'000 Franken verwies das Gericht auf den Zivilweg.

Gegen diesen Entscheid legte der Mann Berufung ein und verlangte eine Verurteilung wegen Betrugs. Zudem sei die Beschuldigte zur Zahlung von 115'000 Franken an ihn zu verpflichten. Die Verteidigung und die Staatsanwaltschaft beantragten die Abweisung der Berufung.

Über den Tisch gezogen

Die Beschuldigte habe seinen Mandanten nach Strich und Faden über den Tisch gezogen, betonte der Rechtsvertreter des Mannes. Sie habe seine bipolare psychische Störung und labile Persönlichkeit ausgenutzt, um sich von ihm ihren teuren Lebensstil bezahlen zu lassen.

Der Verteidiger beantragte hingegen, die Berufung sei

vollumfänglich abzuweisen. Das erstinstanzliche Urteil sei fundiert begründet und beleuchte alle Aspekte dieses Falles. Die Aussagen des Privatklägers seien widersprüchlich. Einmal habe er erklärt, er habe das Geld aus dem Verkauf des vor Kurzem erstandenen Autos der Beschuldigten übergeben. Ein anderes Mal erwähnte er, er habe es im Wald vergraben. Möglich sei, dass er Geld verstecke, um es bei der Scheidung von seiner Noch-Ehefrau behalten zu können.

Urteil steht noch aus

Seine Mandantin müsse sich seit drei Jahren gefallen lassen, dass

ihr Leben immer wieder bis ins Detail durchleuchtet werde, erklärte der Verteidiger weiter. Man habe alle ihre Konti überprüft, um zu sehen, ob sie Geld darauf eingezahlt habe, und nichts gefunden.

Die Frau sei gut beleumundet und habe noch nie finanzielle Probleme gehabt. Der Vorwurf, sie habe Geld vom Kläger heimlich bezogen, sei haltlos. Das Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen steht noch aus. Es wird in den nächsten Tagen erwartet.

(SDA)

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