Kunstmuseum Bern: Erweiterungsprojekt zu teuer - wird nicht gebaut
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Kunstmuseum BernErweiterungsprojekt zu teuer - wird nicht gebaut

Das Kunstmuseum Bern realisiert den geplanten Erweiterungsbau für Gegenwartskunst nicht. Der Stiftungsrat hat beschlossen, das Projekt zweier Tessiner Architekten wegen massiver Mehrkosten zu stoppen.

Statt der bisher veranschlagten 17,5 Mio. Franken würde der Erweiterungsbau nach neusten Schätzungen 25 Mio. Franken kosten, wie das Kunstmuseum mitteilte. 12 Mio. Franken hätte ein Mäzen übernommen.

Der Beschluss zum Projektabbruch sei nach Rücksprache mit dem Mäzen gefällt worden, heisst es in der Mitteilung weiter.

Als Gründe für die Mehrkosten gab Museumsdirektor Matthias Frehner am Dienstag auf Anfrage unter anderem die geologische Situation am Aarehang und die Nähe des Erweiterungsbaus zum historischen Altbau an. Die Mehrkosten seien nicht vorhersehbar gewesen.

Nötiges Geld fehlt

Bei Baukosten von 25 Mio. Franken sei das Kosten-Nutzen- Verhältnis nicht mehr vertretbar, begründete der Stiftungsrat seinen Entscheid. Ganz zu schweigen von der Finanzierung, die mit grossen Risiken behaftet gewesen wäre.

Laut Museumsdirektor Frehner ist der Mäzen bei seinem ursprünglichen Angebot von 12 Mio. Franken geblieben. Auch von Stadt und Kanton Bern sei kein weiteres Geld zu erwarten.

Frehner sprach von einem sehr harten, aber unumgänglichen Entscheid. Es tue ihm leid um das ansich sehr gute Projekt der Tessiner Architekten.

Alternativen gesucht

Das Kunstmuseum will an seinem Engagement für Gegenwartskunst dennoch festhalten. Nun werden Alternativen geprüft. Dabei könnte sich als Glücksfall erweisen, dass ein Künstlerkollektiv jüngst das alte Progymnasium mitten in der Stadt Bern übernommen hat.

Das Kunstmuseum könnte dort eventuell Räumlichkeiten mieten, sagte Frehner. Erste Kontakte mit dem Künstlerkollektiv seien geknüpft.

Wechselvolle Geschichte

Das nun gestoppte Projekt, das unter dem Namen SCALA bekannt ist, stammt von den Tessiner Architekten Nicola Baserga und Christian Mozzetti. Das Projekt belegte im Architekturwettbewerb den zweiten Platz. Weil die Denkmalpflege Einwände gegen das erstrangierte Projekt hatte, kam SCALA zum Handkuss.

Dies sorgte bei Mäzen Hansjörg Wyss, dem Gründer einer Medizinalfirma und einem der reichsten Berner, seinerzeit für einige Verstimmung. Schliesslich erklärte er sich aber nach einigem Hin und Her bereit, auch SCALA mit 12 Mio. Franken zu unterstützen.

(sda)

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