Vorrunde: Erwischt es den nächsten Grossen?
Aktualisiert

VorrundeErwischt es den nächsten Grossen?

Mit Frankreich ist bei der WM bereits ein grosses Team ausgeschieden. Deutschland und England droht heute ähnliches Ungemach. Kriegen sie die Kurve noch?

von
Monika Brand

Das Abenteuer Südafrika war für die «Grande Nation» – den amtierenden Vize-Weltmeister notabene – ein reines Desaster. Zuerst ein 0:0 gegen Urugay, dann eine 0:2-Pleite gegen Mexiko. Es folgte der Rauswurf von Stürmer Nicolas Anelka, der Trainer Raymond Domenech aufs Übelste beleidigt haben soll. Den Tiefpunkt erreichten die Franzosen mit einem Trainingsstreik und öffentlichen Streitereien mit dem Staff auf dem Trainingsgelände. Den Schlusspunkt schliesslich setzte die 1:2-Niederlage gegen Gastgeber Südafrika, die das Turnier für Frankreich beendete. Die «Equipe tricolore» flog als Tabellenletzter der Gruppe A noch am Dienstagabend zurück in die Heimat.

Ganz so dramatisch geht es bei Deutschland und England nicht zu und her. Und trotzdem: Den beiden Top-Nationen steht das Wasser bis zum Hals. Die Deutschen, selbsterklärte WM-Favoriten, zittern nach der 0:1-Niederlage gegen Serbien um den Einzug ins Achtelfinale. Punktgleich mit den Serben sind sie derzeit Zweite, Ghana führt die Gruppe mit vier Zählern an. Und gegen die Afrikaner muss Jogi Löws Truppe heute ran. Will sie aus eigener Kraft weiterkommen, so zählt nur ein Sieg. Dank dem 4:0 aus dem Startspiel gegen Australien dürfte die Achtelfinalqualifikation mit einem 1:0 gegen Ghana realisierbar sein - ausser Serbien gewinnt gegen Australien mit mehr als vier Toren Differenz.

Sollten die Deutschen gegen den Gruppenleader nur unentschieden spielen, müssen sie arg zittern. Denn in diesem Fall wären sie auf die Schützenhilfe der Australier angewiesen, die den Serben ein Remis abringen oder sie gar besiegen müssten. Im Falle einer Niederlage gegen Ghana sind die Deutschen auf eine doch eher unwahrscheinliche Pleite Serbiens gegen die «Soceroos» angewiesen.

England vor dem Aus

Noch schlechtere Karten hat England. Die «Three Lions» haben im laufenden Turnier noch überhaupt nicht überzeugt und sowohl gegen die USA als auch gegen Algerien nur unentschieden gespielt. Mit dem Riesenpatzer von Torhüter Robert Green im Startspiel gegen die Amerikaner machte sich das Mutterland des Fussballs gleich zu Turnierbeginn lächerlich. Immerhin vermochte David James, der Green in der zweiten Partie gegen Algerien ersetzte, zu überzeugen. Er wird wohl auch heute gegen Slowenien zwischen den Pfosten stehen. Die Osteuropäer führen bei ihrer zweiten WM-Teilnahme nach 2002 eher überraschend die Gruppe mit vier Punkten an. Es folgen die USA und England auf den Plätzen zwei und drei mit je zwei Zählern auf dem Konto. Beide haben nach zwei Partien ein ausgeglichenes Torverhältnis, allerdings haben die USA (3:3) zwei Tore mehr geschossen als die Engländer (1:1).

Für die Kicker von der Insel steht es deshalb fünf vor zwölf. Aus eigener Kraft können sie nämlich nur noch weiterkommen, wenn sie gegen Slowenien siegen. Im Falle eines Remis gegen Slowenien müssen die «Three Lions» auf eine US-Pleite gegen Algerien hoffen, ansonsten steht die Heimreise auf dem Programm. Der Rückstand bei der Anzahl geschossener Tore ist für die Engländer bei einem Unentschieden in beiden Partien der Gruppe C praktisch nicht wettzumachen. Denn: Geht die Partie zwischen den USA und Algerien 0:0 aus, braucht England mindestens ein 3:3, um weiterzukommen.

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