Aktualisiert 20.08.2013 11:44

Eltern-Lehrer-Disput«Erziehung findet zu Hause statt»

Weil Lehrer und Eltern unterschiedliche Meinungen zur Erziehungspflicht der Kinder haben, soll ein Vertrag her. Das kommt nicht bei allen 20-Minuten-Lesern gut an.

von
jfr
Ein Vertrag soll die Zusammenarbeit von Lehrern und Eltern erleichtern.

Ein Vertrag soll die Zusammenarbeit von Lehrern und Eltern erleichtern.

Eine kurze Umfrage unter 7351 Lesern offenbart, dass 62 Prozent einen Eltern-Vertrag befürworten, um diese auf ihre Pflichten aufmerksam zu machen. 38 Prozent finden das überflüssig, da sich die Mehrheit der Eltern auch ohne Vertrag richtig verhalte. In solch einem Vertrag würden Punkte wie gesunde Znüni-Verpflegung, regelmässiges sowie pünktliches Erscheinen der Kinder und Teilnahme an Elternveranstaltungen festgehalten.

Leserin Kathy ist selbst Mutter von zwei Teenies und sieht es als selbstverständlich an, «dass die Kinder pünktlich zur Schule kommen und Eltern zu Elternabenden gehen». Ein Vertrag schrecke in ihren Augen nur ab. Auch Leserin «Lala1» ist gegen einen Vertrag: «Man kann doch nicht, sobald etwas nicht klappt, einen Vertrag aufsetzen. Es muss jeder selber Verantwortung für seine Kinder tragen.» Für Leserin Silvia, Mutter dreier erwachsener Kinder, steht fest: «Die Erziehung fand zu Hause statt, in der Schule wurde unterrichtet.» Sie musste damit klarkommen, dass sie als Elternteil nicht mit allen Lehrern und deren Methoden einverstanden war, im Berufsleben sei es nicht anders: «Die Kids müssen lernen, sich in dieser Situation anzupassen.» Dagegen sieht Leserin «Selber Mami» in einem Vertrag nur Vorteile. «Eltern müssen wieder lernen, Eltern zu sein und ihre Pflichten zu übernehmen und Verantwortung zu zeigen.»

«Die schwierigsten Schüler sind die Eltern»

«Betreuungspflichten haben Schule und Eltern», findet Leser «anonymous coward» und sieht die Lösung im Miteinander: «Wenn der gegenseitige Respekt bzw. Rücksichtnahme vorhanden ist, bleiben die Probleme aus.» Doch so einfach scheint es nicht zu sein, wie Leserin Rebecca Maier darlegt. Sie kenne einige Lehrer, die ihren Beruf wechselten, weil sie die Konflikte mit den Eltern nicht mehr aushalten würden: «Eltern, die ständig mit dem Anwalt drohen, rauben dem Lehrpersonal die Energie für ihre eigentliche, wichtige Aufgabe.» Für sie steht fest: «Die schwierigsten Schüler sind die Eltern.»

«Auch die Schule muss ihren Pflichten nachkommen»

Davon kann auch Leserin Sonne ein Lied singen. Ihrer Meinung nach würde den Eltern durch einen Vertrag vielleicht auch bewusst, «dass sie nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten haben.» Und: «Die Eltern sollen die Kinder unterstützen, aber sich nicht von ihnen instrumentalisieren lassen. Solche Eltern können einem den Beruf verleiden», sagt die Mutter und Lehrerin. Aufgrund schlechter Erfahrungen mit einer Schule in Rueschlikon ZH sieht Leser Reto aber auch die Schule in der Pflicht: «Alle bestehenden Pflichten gehen einseitig gegen die Eltern, die sich einer völlig überforderten Schulpflege gegenübersehen. Die Schulen müssen ihren Pflichten auch nachkommen!»

Dass sich auch die Lehrer zu einer vereinbarten Leistung verpflichten sollten, findet auch Leser D.K. Dazu gehören seiner Meinung auch Konsequenzen, sofern die Ziele nicht erreicht werden. Leser Michael Benz fragt, wann es endlich Verträge gebe, die die Schule verpflichtet, motiviertes und kompetentes Lehrpersonal einzustellen. «Wenn Kinder ganztags in der Schule sind, muss die Schule zwangsläufig einen Teil der Erziehung der Kinder wahrnehmen», schreibt er.

«Macht die Schule frei vom Staat»

Leserin Anna Weiss legt den Fokus auf das Schulsystem: «Schule individueller zu gestalten ist möglich und wird bereits erfolgreich gemacht.» Sie fordert eine komplette Erneuerung des Schulsystems. Derselben Meinung ist Leser Gregor Ziltener. «Macht die Schule frei (vom Staat)», heisst seine Antwort auf die Vertragsfrage. Genau darin sieht Leser Schulvorsteher das Problem und ist der Meinung, dass die Schule zu einem strukturierten System zurückkehren müsse. «Das ist auch für uns Eltern ein Irrsinn, wenn wir uns das ganze Jahr mit wechselnden Unterrichtszeiten plagen müssen. Gerade dadurch gerät das Ganze durcheinander», fasst er zusammen.

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