Anfänge der Kioskliteratur: Es begann mit einer belästigten Magd
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Anfänge der KioskliteraturEs begann mit einer belästigten Magd

Die ersten Roman-Hefte erschienen bereits im 18. Jahrhundert. 100 Jahre später hat die Welt ihre erste Bestseller-Autorin: die Thüringerin E. Marlitt. Teil 2 unserer Sommerserie.

von
ske

Die Geschichte der Kioskromane beginnt im 18. Jahrhundert. Buchdrucker Samuel Richardson erhielt 1740 den Auftrag, eine Sammlung von Musterbriefen für junge Damen zu verfassen. Darunter verstand man ein Buch, das Anleitungen zum Briefschreiben gab. Das Buch erschien unter dem Titel «Familiar Letters». Inspiriert von den Musterbriefen, schrieb Richardson einen Briefroman.

Sein Büchlein mit dem Titel «Pamela oder die belohnte Tugend» wurde ein grosser Erfolg. Es ging darin um ein tugendhaftes Dienstmädchen, das sich gegen die brutalen Belästigungen ihres Herrn zur Wehr setzte. Sie bekehrte ihn schliesslich und – es war nicht anders zu erwarten – heiratete ihn. Richardson begründete damit das Genre des empfindsamen Romans, wozu zum Beispiel auch Goethes Werther zählt. Auch Schriftstellerinnen wie Jane Austen liessen sich von ihm zum Klassiker «Stolz und Vorurteil» inspirieren.

Fortsetzungsroman im 19. Jahrhundert erfolgreich

Im 19. Jahrhundert wurde dann der Fortsetzungsroman durch die Zeitschrift «Die Gartenlaube» berühmt. Das erste erfolgreiche deutsche Massenblatt erschien von 1853 bis 1944 und war ein Vorläufer der heutigen Illustrierten. Eugenie John schrieb unter dem Pseudonym E. Marlitt einen Fortsetzungsroman.

Jahrelang hatte Marlitt die Korrespondenz der Fürstin Mathilde von Schwarzburg-Sondershausen erledigt, bis sie auf die Idee kam, Schriftstellerin zu werden. Sie schickte daher eine erste Erzählung an die Familienzeitschrift. 1865 erschien eine erste Novelle von ihr, 1866 ihr erster Roman «Goldelse». Der Erfolg war gross und Marlitt fortan Starautorin. Sie war dafür mitverantwortlich, dass sich die Abonnentenzahl der «Gartenlaube» von 100 000 auf etwa 400 000 vervierfacht hat. Marlitt wird als erste Bestsellerautorin der Welt bezeichnet.

Kioskromane erleben einen Boom

Im 20. Jahrhundert kamen Zeitschriften und Massenverbreitung auf. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten Groschenromane einen richtigen Boom. Immer mehr Verlage setzten auf das Geschäft mit den dünnen Heften. Die Kioskromane entwickelten verschiedene Genres. Es entstanden Berg-, Heimat- oder Arztromane. Dazu kamen Adelsgeschichten, Mystery-Bücher und Romantik-Geschichten – diese Formen von Kioskromanen sind heute noch erfolgreich.

Sommerserie: Kioskroman

Kioskromane gelten als Trivialliteratur: Die Sprache ist einfach, der Plot immer gleich, das Happy End garantiert. Trotzdem sind Groschenromane seit vielen Jahren erfolgreich. In einer Sommerserie untersuchen wir dieser Form der Literatur, finden ihren Ursprung, treffen ihre Autoren und lernen ihre Regeln. Es folgt ein mehrteiliger Romantikroman, bei dem Sie entscheiden, wie die Geschichte weitergeht. Stimmen Sie bereits jetzt darüber ab, wo sich die beiden Hauptpersonen das erste Mal begegnen.

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