Pornos auf Whatsapp: «Es begann mit harmlosen Fotos»
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Pornos auf Whatsapp«Es begann mit harmlosen Fotos»

Pornos gehören auf den Pausenplätzen und in Whatsapp-Gruppen zum Alltag. Ein 17-jähriger Schüler erzählt, wie er immer ekligere Videos erhielt.

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Pornografische Bilder werden auf den Pausenplätzen gezeigt und in Whatsapp-Gruppen verschickt. Ein Betroffener erzählt, wie er immer ekligere Videos zugeschickt erhielt.

Pornografische Bilder werden auf den Pausenplätzen gezeigt und in Whatsapp-Gruppen verschickt. Ein Betroffener erzählt, wie er immer ekligere Videos zugeschickt erhielt.

Pro Juventute
«Es gibt ganz viele Gruppenchats. So entwickelt sich ein ‹Netzwerk›, in dem Fotos und Videos aller Art  – nicht nur Pornos – verschickt und weitergeleitet werden», sagt er.

«Es gibt ganz viele Gruppenchats. So entwickelt sich ein ‹Netzwerk›, in dem Fotos und Videos aller Art – nicht nur Pornos – verschickt und weitergeleitet werden», sagt er.

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«Es begann mit harmlosen Fotos von hübschen Models mit leichter Bekleidung.»

«Es begann mit harmlosen Fotos von hübschen Models mit leichter Bekleidung.»

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Immer mehr Minderjährige werden wegen Pornografie verurteilt. Jugendliche werden auf dem Pausenplatz oder in Whatsapp-Chats mit Pornografie konfrontiert. Ein 17-jähriger Schüler erzählt.

«Über Whatsapp Pornos zu verschicken: Mit diesem Thema wurde ich vor zwei Jahren konfrontiert. Ich war damals 15. Ich schreibe, um klarzumachen, was alles bei Jugendlichen im Umlauf ist. Aus Spass wurde schnell Ernst. Was harmlos begann, wurde mit der Zeit immer heftiger.

Ich ging im Kanton Zürich in die Primar- und Sekundarschule. In der Sek waren pornografische Videos bei den Schülern nicht wirklich ein Thema. Klar kam hin und wieder per Whatsapp ein Video mit erotischem Inhalt, aber nichts Schlimmes. Vielleicht lag es daran, dass wir Social Media noch nicht so genutzt haben und ich in einem kleinen Dorf in die Sek ging. Man kannte sich. Wir hatten im Unterricht verschiedene Workshops über soziale Medien und das Verhalten im Internet. Wie die meisten Schulen hatte auch unsere uns in Sexualkunde unterrichtet und uns vor Gefahren gewarnt.

Cool sein wegen der Videos

Nach der Sek wechselte ich an die Kantonsschule. Diese umfasste rund 500 Schüler. Das bedeutete, dass viel Austausch stattfand. Ich denke, mit der Pubertät, neuen Leuten in meinem Umfeld und mit der stärkeren Nutzung von Social Media hat auch das mit den Videos und Fotos begonnen. Ich kam in einen neuen Klassenchat. Im Gymi stiegen immer wieder Partys. Für jede wurden neue Gruppenchats erstellt und man traf auf verschiedene neue Leute in einem Chat. Es gab aber noch ganz viele andere Gruppenchats. So entwickelte sich ein ‹Netzwerk›, in dem Fotos und Videos aller Art – nicht nur Pornos – verschickt und weitergeleitet wurden.

Es begann mit harmlosen Fotos von hübschen Models mit leichter Bekleidung. Manche fanden es lustig, weil die anderen Jungs witzige Kommentare dazu schrieben und es zur Unterhaltung diente. Später waren es kurze Videos, die mit einer normalen, alltäglichen Handlung begannen und am Schluss pervers endeten. Diese Art von Videos diente denen, die sie verschickten, zur Unterhaltung, da sie die Reaktionen der anderen im Chat amüsant fanden. Aus meiner Sicht wollten sie damit eher sagen: ‹Ey schau mal, ich bin lustig und cool, weil ich ein Video von einem Penis verschickt habe.› Die Jungs wollten sich meiner Meinung nach präsentieren und dem Testosteron freien Lauf lassen. Es war ähnlich wie im Fitnessstudio, in dem alle zeigen wollen, wie stark sie sind.

Sex in der H&M-Kabine

Im zweiten Kantijahr – alle im Chat waren mittlerweile über 16 Jahre alt – ging es dann weiter mit pornografischen Videos, die im Internet leicht und legal zugänglich waren. Jeder hätte selbst auf diese Seite gehen und dieses Video anschauen können. Ich habe auch Videos zugeschickt bekommen von Jugendlichen, die ich kannte.

Es kam auch mal vor, dass ich ein Video gesehen habe von jemandem, der sich aufgenommen hatte beim Sex. In einem davon hatte ein Volljähriger (19) in einer Kabine einer H&M-Filiale Sex mit einer Minderjährigen (17). Das Video stammte angeblich aus Schweden, das Mädchen sei schwanger geworden und habe später ein Kind geboren.

Brutale und eklige Videos

Später kamen brutale und eklige Videos, auch harte Pornografie oder Sex mit Tieren. In manchen ging es um Gegenstände, die in verschiedene Körperöffnungen geschoben wurden. Warum solche Videos verschickt wurden, war mir ein Rätsel. Ich selbst habe ein paar davon zwar zugeschickt bekommen, sie aber nie angeklickt. Freunde haben mir erzählt, um was es im Video ging. Ich fragte mich, was daran so befriedigend sein sollte. Es war in meinen Augen hässlich, einfach nur widerlich und unausstehlich. Natürlich habe ich solche Videos direkt gelöscht. Ich habe nie Pornos verschickt oder weitergeleitet. Aber ich gebe zu, lustige, unterhaltsame Videos zu teilen und weiterzuschicken, die aber nichts mit Pornografie zu tun haben – zum Beispiel Spongebob- oder Hundewelpen-Videos.

Wenn man nicht zu denen gehörte, die pornografische Videos teilen, dann kam es einem nicht wirklich speziell vor. Da ich mich nicht so damit beschäftigte, das meiste einfach ignorierte und nicht darauf reagierte, kam ich auch nicht in weiteren Kontakt mit solchen Pornos.

Jetzt, im dritten Kantijahr, hat sich das alles bereits wieder etwas beruhigt. Wir bleiben in den Chats sachlich und interessieren uns nicht mehr so für solche Videos. Es wurde mehr zum privaten Ding derer, die es brauchen. Ich denke, das hat auch etwas mit dem Alter zu tun. Die meisten meiner Schulkollegen haben oder hatten ihre erste Freundin und haben die Realität kennen gelernt. Die Pubertät lässt immer mehr und mehr nach und der Drang, mit solchen Sachen anzugeben, ist nicht mehr vorhanden. Wir haben mittlerweile andere Interessen.»

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