Fussball-Dopingkontrollen: «Es besteht Manipulations-Spielraum»
Aktualisiert

Fussball-Dopingkontrollen«Es besteht Manipulations-Spielraum»

Die verspätete Dopingkontrolle von zwei Hoffenheim-Profis warf in Deutschland hohe Wellen. Auch in der Schweiz wäre ein solches Szenario möglich. Ein FCZ-Verteidiger spricht über eine Dopingkontrolle - und die Doping-Bekämpfungsstelle gibt Schlupflöcher zu.

von
Herbie Egli

Vor zweieinhalb Wochen erschütterte eine Dopingkontrolle die deutsche Bundesliga. Nach dem Auswärtsspiel in Gladbach erschienen die Hoffenheim-Profis Andreas Ibertsberger und Christoph Janker zehn Minuten zu spät zur Kontrolle und die Frage nach Manipulation kam auf. Die Spieler sollen sich aber wegen der Mannschafts-Ansprache des Trainers verspätet haben und die Tests fielen schliesslich negativ aus.

«Ein gewisser Manipulations-Spielraum ist möglich»

In der Schweiz werden die Kontrollen von Antidoping Schweiz durchgeführt. Wer, wann und wo kontrolliert wird, ist im Vorfeld aber geheim. «Genaueres über die Wahl können und wollen wir nicht bekanntgeben, das würde ein manchmal wesentliches Element der Kontrolle – den Überraschungseffekt – zunichte machen», sagt Corinne Schmidhauser, Stiftungsratspräsidentin von Antidoping Schweiz, zu 20 Minuten Online. «Die Polizei erklärt auch nicht, nach welchem Schema sie wann oder gar wo Geschwindigkeitskontrollen zu machen gedenkt.»

Gemäss dem offiziellen Kontrollablauf wird dem Sportler die Kontrolle schriftlich bekanntgegeben und mit der Unterschrift auf dem Formular bestätigt der Athlet, die Aufforderung erhalten zu haben. Die Kontrolle selbst hat dann so rasch als möglich nach dem Aufgebot zu erfolgen. Genau hier hat der Sportler aber genügend Zeit, um etwas zu vertuschen, und Corinne Schmidhauser bestätigt dies: «Ein gewisser Manipulations-Spielraum ist möglich.»

Ein «aufgebotener» Athlet wird vom Kontrolleur nämlich nicht auf Schritt und Tritt verfolgt. Ausser, der Verdacht ist sehr gross. Ist dies aber nicht der Fall – wie beim getesteten FCZ-Verteidiger (Name der Redaktion bekannt) – kann er sich eine gewisse Zeit lang ohne Aufsicht in der Kabine frei bewegen.

«Der Kontrolleur wartete draussen»

Die Dopingkontrolle des getesteten FCZ-Verteidigers war Anfang Oktober letzten Jahres nach dem Auswärtsspiel in Luzern. Nachdem der Spieler das Aufforderungs-Formular vorschriftsgemäss unterschrieben hatte, verbrachte er aber noch eine Weile in der Kabine. «Der Kontrolleur wartete draussen», erklärt er gegenüber 20 Minuten Online. Der Verdacht war also gering, sonst wäre er sicher strenger kontrolliert worden.

Bei der Kontrolle selbst steht der Athlet dann aber unter Aufsicht, damit er nicht etwas vertuschen kann. Weil bei der Urinabgabe die Sichtkontrolle vorgeschrieben ist, muss sich der Sportler vom Bauch bis zu den Knien und vom Handgelenk bis zum Ellbogen freimachen. Mit diesen Massnahmen will man Urin-Manipulationen vorbeugen.

Der getestete FCZ-Verteidiger hat mit Dopingkontrollen aber kein Problem und schon Übung. «Es gehört halt zum Job und das Wasserlassen bereitet im Normalfall keine Mühe. Der Kontrolleur sieht einem ja nur von hinten.» Die Kontrolle nach dem Luzern-Spiel war seine dritte. Zuvor wurde der FCZ-Verteidiger in der Juniorennati schon zweimal getestet. Alle drei Kontrollen fielen negativ aus.

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