12.08.2020 16:05

1000er-Grenze fällt im Sport«Es bleiben etliche Fragezeichen»

Ab Oktober sind Grossanlässe wieder erlaubt. Damit muss sich der Sport noch ein wenig gedulden. Wirklich glücklich sind die wenigsten Verantwortlichen.

von
Nils Hänggi
1 / 5
In Deutschland ist die Rückkehr der Fans in die Stadien offen. Der Gesundheitsminister wies das Konzept der Fussballliga jüngst zurück. Die Rede ist nun von einer Öffnung im November.

In Deutschland ist die Rückkehr der Fans in die Stadien offen. Der Gesundheitsminister wies das Konzept der Fussballliga jüngst zurück. Die Rede ist nun von einer Öffnung im November.

Foto: Keystone
Auch Spanien wartet ab, nachdem die Fallzahlen zuletzt wieder stark gestiegen sind.

Auch Spanien wartet ab, nachdem die Fallzahlen zuletzt wieder stark gestiegen sind.

Foto: Keystone
In Österreich dürfen ab September wieder bis zu 10’000 Fans ins Stadion. Die genaue Zahl hängt vom Fassungsvermögen der Stadien ab.

In Österreich dürfen ab September wieder bis zu 10’000 Fans ins Stadion. Die genaue Zahl hängt vom Fassungsvermögen der Stadien ab.

Foto: Epa

Darum gehts

  • Anlässe mit mehr als 1000 Zuschauern sind erst ab dem 1. Oktober wieder erlaubt.
  • Die Verantwortlichen der verschiedenen Clubs und der Liga freuts.
  • Sie äussern sich aber auch kritisch.

Ein wenig Geduld brauchen die Verantwortlichen im Sport noch. Doch bald können sie aufatmen. Schliesslich sind ab dem 1. Oktober wieder Sportanlässe mit mehr als 1000 Personen erlaubt. Heisst: Das Verbot von Massenveranstaltungen wird um einen Monat bis zum 30. September verlängert, dann dürfen die Zuschauer wieder ihren Lieblingsclubs zujubeln und die Spieler anfeuern.

Der Entscheid gibt den Clubs, Verbänden und Sportveranstaltern in der Schweiz eine gewisse Planungssicherheit. Sollte etwa die Super League die neue Saison wie geplant am 12. September aufnehmen, müsste die Personenanzahl in den Stadien nur in den ersten Runden unter 1000 gehalten werden. Gleiches gilt im Eishockey für die National League. Dort ist der Saisonstart am 18. September geplant.

Sind die Verantwortlichen der Sportclubs also glücklich? Oder doch enttäuscht?

Das sagen die Eishockey-Verantwortlichen …

Marc Lüthi meint, dass es nun an den Behörden liege.

Marc Lüthi meint, dass es nun an den Behörden liege.

Foto: Keystone

Der CEO vom SC Bern, Marc Lüthi, weiss nicht recht, wie er sich fühlen soll. Er sagt: «Das Grossveranstaltungsverbot ist aufgehoben: Das ist zwar gut, ein Fragezeichen somit weg. Aber etliche Fragezeichen bleiben, 26 – weil die Bewilligungspflicht bei den Kantonen liegt.» Es könne nicht sein, dass in einem Kanton dieses gelte und im anderen jenes. «Wir sind eine nationale Meisterschaft, wir spielen im selben Land – entsprechend brauchen wir eine nationale Lösung.»

Weiter hält der 59-Jährige fest, dass die Clubs ihre Hausaufgaben gemacht hätten. «Nun liegt es an den Behörden, eine grundsätzliche Regelung zu schaffen», meint Lüthi und hält es für möglich, dass der Saisonstart verschoben wird. «Da bleibt genügend Platz im Kalender.»

Ab Oktober dürfen die Zuschauer wieder in die Stadien. Peter Zahner, CEO von den ZSC Lions, freut sich darüber.

Ab Oktober dürfen die Zuschauer wieder in die Stadien. Peter Zahner, CEO von den ZSC Lions, freut sich darüber.

Foto: Keystone

Sein Kollege, Peter Zahner, CEO von den ZSC Lions, äussert sich erfreuter über den Entscheid. «Das Verbot ist aufgehoben, das ist die Botschaft des Tages. Viele Optionen standen im Raum, insofern ist es jetzt nicht angebracht, zu jammern», freut er sich. Und: «Es ist ein positiver Tag, selbst wenn keine Details bekannt wurden. Noch ist zum Beispiel offen, ob die Stadien zu 50, 60 oder 70 Prozent ausgelastet werden dürfen.»

Wie Lüthi will aber auch Zahner etwas nicht: dass in jedem Kanton andere Regeln herrschen. So sagt er: «Es soll nicht sein, dass im einen Kanton die Halle zu 10 Prozent besetzt werden darf, im anderen zu 80. Aber der Bundesrat hat ja kommuniziert, dass sich die Kantone untereinander verständigen sollen. Ich gehe davon aus, dass die Kantone annähernd gleichlautende Bedingungen schaffen werden.»

Und die Liga? Die hat den Entscheid «mit Befriedigung zur Kenntnis genommen». In einer Medienmitteilung schreibt Swiss Ice Hockey: «Dass ab Oktober wieder Eishockeyspiele mit mehr als 1000 Zuschauern möglich sind, ist die Voraussetzung für das wirtschaftliche Fortbestehen der Ligen und Profi-Clubs.» Am Freitag, 14. August, werde an einer Ligaversammlung das weitere Vorgehen beraten und das Startdatum der Saison 2020/21 bestimmt.

Das sagen die Fussball-Verantwortlichen …

Die Liga hätte die Öffnung gerne bereits auf den Saisonstart vom 11. September 2020.

Die Liga hätte die Öffnung gerne bereits auf den Saisonstart vom 11. September 2020.

Foto: Keystone

Die Swiss Football League ist enttäuscht. So heisst es im Communiqué der Liga: «Die SFL hätte die Öffnung bereits auf den Saisonstart vom 11. September 2020 erwartet und wird als Folge daraus die Ansetzung der ersten Meisterschaftsspiele in den nächsten Tagen definitiv festlegen.» Und Liga-Präsident Heinrich Schifferle meint: «Wir hätten erwartet, dass man auf den Beginn unserer Meisterschaft Rücksicht nimmt, und nehmen das entsprechend etwas enttäuscht zur Kenntnis.»

Den Kopf in den Sand stecken will die Liga aber nicht. So ist sie derzeit dran, ein Schutzkonzept zu erarbeiten. Ziel von diesem: eine einheitliche Umsetzung der übergeordneten Schutzmassnahmen an allen Spielorten, generelle Maskenpflicht in allen Stadionbereichen, die Schliessung der Gästefansektoren in beiden Ligen sowie der temporäre Verzicht auf Stehplätze in der Super League.

Ancillo Canepa. Präsident des FC Zürich, ist skeptisch, findet er doch, dass die Einnahmequellen nicht ausreichen.

Ancillo Canepa. Präsident des FC Zürich, ist skeptisch, findet er doch, dass die Einnahmequellen nicht ausreichen.

Foto: Keystone

Und die Vertreter der Clubs? Was ist deren Meinung? Während sich der FC St. Gallen erst am Donnerstag äussern will, veröffentlichte der FC Zürich auf seiner Website ein Statement. In diesem äussert sich der Präsident Ancillo Canepa. Er begrüsst den Entscheid, sagt aber auch, dass er nicht helfe, den finanziellen Schaden der letzten Monate zu kompensieren.

«Diese Einnahmequellen werden nicht ausreichen, die Fortführung nachhaltig sicherzustellen. Deshalb benötigen wir dringend Zugang zu den angekündigten Bundeskrediten. Und zwar zu Bedingungen, die realistisch sind und von uns auch eingehalten werden können», lässt sich Canepa zitieren.

Basel-CEO Roland Heri freut sich derweil einfach. Natürlich wäre eine frühere Öffnung besser gewesen, doch jetzt hätten sie immerhin ein Datum, auf das sie gezielt hinarbeiten könnten. Und überhaupt dürfe man etwas nicht vergessen, so der CEO weiter: «Oberste Priorität hat nach wie vor der Schutz der Gesundheit aller Menschen in den Stadien und im ganzen Land.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
192 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

alfmir

13.08.2020, 12:18

Die Zahl der Infizierten steigt und die bekannten Bundesräte/Innen wollen die Begrenzung für Grossveranstaltungen fallen lassen..? Da muss man sich schon fragen, ob noch bei "Trost" sind.. Ich frage mich, ob dann der Mut zum Rücktritt auch vorhanden ist, sollte dieser Entscheid negativ ausfallen..

ALFRED

13.08.2020, 10:25

die frage ist, wer trägt die verantwortung für die neuen fälle (evtl. mit todesfällen) .... dürfte wohl klar sein .... frau amherd und herr berset

Tom Peterhans

13.08.2020, 08:55

Wenn die Gastrolobby schreit, werden die Restaurants geöffnet. Wenn die Hotellerie schreit, werden die Hotels geöffnet. Wenn Campingplatzbesitzer schreien, wird Camping wieder erlaubt, usw... Wenn gleiches Recht für alle gilt, wieso sollen jetzt nicht auch wieder mehr Zuschauer in die Stadien gelassen werden? Zudem strenge Hygieneregeln gelten werden und die Kantone gegebenenfalls Veranstaltungen über 1'000 wieder verbieten können.