Aktualisiert 05.04.2012 17:58

«Parkplatzmörder»Es bleibt bei 14 Jahren Gefängnis für Berisha

«Parkplatzmörder» Bashkim Berisha ist mit seiner Beschwerde beim Bundesgericht abgeblitzt. Er muss seine Strafe von 14 Jahren Gefängnis ganz absitzen.

von
uwb
Im August 2009 wurde Bashkim Berisha vom Zürcher Obergericht zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt.

Im August 2009 wurde Bashkim Berisha vom Zürcher Obergericht zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt.

Die Freiheitsstrafe von 14 Jahren für den ehemaligen Thaibox-Weltmeister Bashkim Berisha ist definitiv. Er hatte vor Bundesgericht wegen angeblicher Vorverurteilung durch die Medien erfolglos eine Strafreduktion um mehr als drei Jahre verlangt.

Berisha hatte am 11. Februar 2005 in Dübendorf ZH einen 26-jährigen mazedonischen Familienvater erschossen. Nach einer verbalen Auseinandersetzung um einen Parkplatz war Berisha an das geöffnete Fahrzeugfenster seines Widersachers herangetreten und hatte einen tödlichen Schuss auf den am Steuer sitzenden Mann abgegeben.

«Parkplatzkiller» statt «Tatverdächtiger»

Das Zürcher Obergericht sprach Berisha dafür im August 2009 der vorsätzlichen Tötung und des unerlaubten Waffenbesitzes schuldig und verurteilte ihn zu 14 Jahren Freiheitsstrafe. Der heute 30-Jährige gelangte dagegen ans Bundesgericht und forderte eine Strafe von maximal 10 Jahren und 10 Monaten.

Die Richter in Lausanne haben seine Beschwerde nun abgewiesen. Berisha hatte erfolglos argumentiert, dass seine Vorverurteilung in den Medien zu Unrecht nicht strafmindernd berücksichtigt worden sei. So sei jeweils von «Parkplatzmörder» beziehungsweise «Parkplatzkiller» die Rede gewesen anstatt vom «Tatverdächtigen».

Das Bundesgericht hält Berisha entgegen, dass er als Sportler und aufgrund des Dokumentarfilms über sein Leben bekannt geworden sei. Damit sei ein gewisses Interesse der Öffentlichkeit an seinem Prozess einhergegangen. Dass er in den Medien tatsächlich vorverurteilt worden sei, habe er nicht aufgezeigt.

Auf Unschuldsvermutung hingewiesen

Wohl sei er als «Parkplatzmörder» oder «Parkplatzkiller» bezeichnet und dabei auch namentlich genannt worden. Hingegen sei in keiner Weise erstellt, dass die Berichterstattung insgesamt nicht sachlich gewesen wäre und nicht auf die Unschuldsvermutung hingewiesen oder sein Standpunkt nicht zur Sprache gebracht worden sei.

Allein die reisserische Aufmachung einzelner Medienberichte führe nicht zwingend zu einer Strafminderung. Auch eine unzulässige Verfahrensverzögerung sei nicht ersichtlich. Das Obergericht habe diesbezüglich zu Recht erwogen, dass er mit seiner Flucht in den Kosovo eine gewisse Verlängerung selber verursacht habe.

Ins Ausland geflüchtet

Der heute 31-Jährige hatte sich nach der Tat ins Ausland abgesetzt. Nach seiner Flucht wurde er Mitte Oktober 2005 im Kosovo festgenommen und in Auslieferungshaft gesetzt. Am 28. Mai 2007 bewilligte das Oberste Gericht Kosovos die Auslieferung in die Schweiz als dritte und letzte Instanz.

Erst mit der Zustimmung des besonderen Vertreters des Generalsekretärs der UN-Übergangsbehörde Unmik konnte die Übergabe Anfang Juli 2007 erfolgen. Berisha war der erste Auslieferungsfall überhaupt aus dem Kosovo an die Schweiz und bildete einen Präzedenzfall. Normalerweise liefern Länder eigene Staatsbürger nicht an ein Drittland aus.

Immer wieder Gewalt

In Winterthur, wo Berisha in den 90er-Jahren mit seiner Familie hinzog, erlangte er schnell einen gewissen Ruf. Immer wieder wendete der stadtbekannte Kosovare bei Auseinandersetzungen rohe Gewalt an. Bei einem Streit in einem Restaurant schlug er zwei Polizisten spitalreif. Sein Umgang mit Gewalt wurde auch im Dokumentarfilm «Bashkim» thematisiert.

Daneben feierte Berisha auf höchstem Niveau sportliche Erfolge. Im Thai-Boxen erkämpfte er sich Ende der 90er-Jahre einen Junioren-Schweizermeister-Titel. 2002 wurde er gar Weltmeister.

(Urteil 6B_271/2011 vom 31.5.2011) (uwb/sda)

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