Vor Bulgarien-Spiel: Es bleibt noch Luft nach oben
Aktualisiert

Vor Bulgarien-SpielEs bleibt noch Luft nach oben

Die erste Trainingswoche vor dem EM-Quali-Spiel gegen Bulgarien ist vorbei. Bisher legte Coach Hitzfeld den Schwerpunkt auf die Angriffs-Auslösung. Wichtige Punkte bleiben aber noch offen.

von
Eva Tedesco
Im Fokus: FCB-Youngster Granit Xhaka geniesst das Vertrauen von Nati-Coach Ottmar Hitzfeld. (Keystone/AP)

Im Fokus: FCB-Youngster Granit Xhaka geniesst das Vertrauen von Nati-Coach Ottmar Hitzfeld. (Keystone/AP)

Wie am Mittwoch liess Ottmar Hitzfeld auch am Donnerstagvormittag wieder in Rapperswil trainieren, wo der Lörracher den hervorragenden Zustand des Rasens lobte. Und wie in den vorangegangenen Übungseinheiten feilte der Nati-Coach weiter an der Angriffsauslösung und dem Pressing.

Der Trainer liess akribisch an den Schwächen arbeiten, die sich aus den Analysen nach dem Test gegen Liechtenstein (2:1) im August ergaben. «Wir müssen die Laufwege im offensiven Bereich besser abstimmen», so Hitzfeld. Bei der Arbeit auf dem Platz stehen vier junge Offensivspieler im Zentrum: Xherdan Shaqiri (19), Granit Xhaka (18), Admir Mehmedi (20) und auch Eren Derdiyok (23) als einzige Sturmspitze. Allerdings liess der Leverkusen-Söldner das Training am Donnerstag wegen Adduktoren-Beschwerden aus.

Mehmedi der Kronfavorit am linken Flügel

Vom offensiven Trio hinter Derdiyok wird am Dienstag im St.-Jakorb-Park viel abhängen und auch erwartet. Während der rechte Flügel fix an Shaqiri vergeben ist, «pröbelte» Hitzfeld links mit Mehmedi. Der FCZ-Stürmer ist der Kronfavorit auf die Position, die es nach den Ausfällen von Routinier Tranquillo Barnetta (Knie-OP) und Valentin Stocker (Reha nach Kreuzbandriss) neu zu besetzen gilt. Wie Derdiyok am Donnerstag legte der U21-Vize-Europameister am Tag zuvor eine Trainingspause ein. Pünktlich zur Einheit am Donnerstag meldete er gutgelaunt: «Alles in Ordnung. Ich fühle mich gut.» Alternativen im linken Couloir hat Hitzfeld mit David Degen, der bei YB gezeigt hat, dass er sowohl links als auch rechts einsetzbar ist und auch mit Innocent Emeghara.

Es bleibt die zentrale Position hinter den Spitzen. Und da sind die Pläne von Hitzfeld absehbar. Der Nati-Coach schenkt Granit Xhaka viel Vertrauen und tendiert zum jungen Basler als neuen Spielmacher, obwohl Xhaka nach einer Verletzung erst seit einer Woche im Mannschaftstraining steht und lediglich zehn Spielminuten (letzten Sonntag gegen Thun) in den Beinen hat. Xhaka hat sich im Juli am Uhrencup am Innenband des linken Knies verletzt. Am Mittwochmorgen sah man den Bebbi noch mit einem riesigen Tape am Bein trainieren - danach nicht mehr.

Hitzfelds Vertrauen in Granit Xhakas Talent

Äusserlich unbekümmert geht Xhaka mit viel Spielfreude an die Sache. Und auch wenn er sich kurz nach dem Training am Knie behandeln lässt, verscheucht er Bedenken und sagt: «Ich bin physisch und mental bereit. Seit dieser Woche trainiere ich ohne Tape. Am Anfang hat es einige Minuten gedauert, bis ich das Vertrauen hatte, dass das Knie hält. Aber mittlerweile denke ich gar nicht mehr daran.»

Die fehlende Spielpraxis glaubt er durch die internen Spiele mit der Nati wettgemacht zu haben. «Das Vertrauen, das man mir entgegenbringt, hilft mir auch.» Die Ausgangslage ist aber nicht mehr die gleiche wie bei seinem Debüt in der A-Nati im Juni gegen England. «In England waren wir der Aussenseiter, es war mein erstes Spiel und niemand hat von mir Grosses erwartet. Diesmal ist das anders: Es ist mein erstes Spiel nach der Verletzung und ein Finalspiel, in dem wir unbedingt drei Punkte holen müssen.» Will die Schweiz weiter eine Chance auf die EM-Endrunde 2012 wahren, muss sie gegen Bulgarien gewinnen. «Wir müssen alles dran setzen, dass wir gewinnen», so Xhaka. «Wenn ich spiele, will ich einen guten Job machen und Trainer Hitzfeld etwas von dem Vertrauen zurückgeben.»

Beine hochlagern, Seele baumeln lassen

Beine hochlagern, Seele baumeln lassen

Während sich die Gruppengegner der Schweiz, Bulgarien gegen England und Wales gegen Montenegro, duellieren, gibt Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld seinen Cracks am Freitag nach der letzten Trainings-Session bis Sonntagmorgen frei. Einige werden den freien Samstag für einen Besuch bei ihren Familien nützen. Andere wieder erhalten Besuch im Teamhotel in Feusisberg oder werden bei Schönwetter einen Tag am Zürichsee verbringen, auf den die Spieler bisher von ihren Zimmern im Panorama, Resort & Spa nur sehnsüchtig und müde runter schauen konnten. Auf aller Programm steht aber die Erholung von einer intensiven Trainingswoche mit bisher sechs Trainingseinheiten.

Stephan Lichtsteiner freut sich auf seine Familie und Töchterchen Kim Noemi (sieben Monate). Ob er sich die Spiele der Gegner anschauen wird, lässt Lichtsteiner noch offen. «Ich weiss noch nicht, ob ich mir ein Spiel anschauen werde. Grundsätzlich konzentriere ich mich nur auf uns.» Mit einem guten Gefühl nimmt sich auch Captain Gökhan Inler die eintätige Auszeit von der Nati. «Ich habe in dieser Woche eine Gruppe gesehen, die mit viel Freude und motiviert an der Arbeit war.» Wie Lichtsteiner weiss auch Inler nicht, ob er sich die Spiele am TV anschauen wird, zumal man die Gegner zur gegebenen Zeit intensiv analysieren wird. «Aber ich freue mich schon sehr auf unser Spiel am Dienstag gegen Bulgarien.»

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