Börsenaussichten: «Es braucht Geduld bis weit in die zweite Jahreshälfte»
Aktualisiert

Börsenaussichten«Es braucht Geduld bis weit in die zweite Jahreshälfte»

Was erwartet uns an den Börsen in diesem Jahr? Einen Ausblick gibt Christian Gattiker, Anlagestratege der Bank Julius Bär.

20 Minuten Online: Die Aktienmärkte sind gut ins neue Jahr gestartet. Ist für Mutige der Zeitpunkt gekommen, wieder Aktien zu kaufen?

Christian Gattiker: Einige Aktien sind schon jetzt attraktiv. Wir bevorzugen vor allem Unternehmen mit geringer Verschuldung, starker Marktstellung und geringer Abhängigkeit vom weltweiten Wirtschaftswachstum.

Welches sind die vielversprechenden Titel?

Hier sind in der Schweiz zum Beispiel Nestlé, Syngenta und Synthes zu nennen, die alle obengenannten Kriterien erfüllen.

Und wem das zu risikoreich ist?

2009 dürfte ein Jahr der Unternehmensanleihen werden. Nach unserer Auffassung sind gute Qualitäten hier derzeit noch zu bevorzugen, daher ein ähnliches Profil wie bei der Aktienauswahl. Zudem sind Obligationen von Banken mit Staatsgarantie sehr attraktiv. Daneben sollten die Anleger aber auch alternative Anlagen wie Gold oder Rohstoffe im Agrikulturbereich berücksichtigen.

Wird die Erholung auch dieses Mal vom US-Aktienmarkt ausgehen?

Der US-Aktienmarkt schneidet in der Regel im Abschwung besser ab und hält diesen Vorteil noch einige Quartale nach der Rezession. Wir halten deshalb an den Engagements in US-Aktien fest, bis die Rezession deutlich hinter uns liegt.

Werden weitere Zinssenkungen der Zentralbanken die Börsen beflügeln?

Die Zentralbanken sind auf eine Nullzinspolitik eingeschwenkt. Das hat die Börsen bisher kaum beflügelt. Doch inzwischen verdient niemand mehr etwas mit dem Horten von Barbeständen.

Wann schlägt sich das in steigenden Börsenkursen nieder?

Wir tippen, dass hier Geduld bis weit ins zweite Halbjahr angezeigt ist.

Lange hiess es, dass Aktiensparen langfristig allen anderen Anlageformen überlegen sei. Dieser Grundsatz hat 2001 und 2008 herbe Rückschläge erlebt.

Kann man seine Altersvorsorge weiterhin mit gutem Gewissen in Aktien investieren?

Die Wertschwankungen in den Aktien waren über die letzten zehn Jahre enorm. Dabei hat ein Anleger über diesen Zeitraum null Rendite erzielt. Dennoch macht Aktiensparen generell Sinn: Erstens wenn nicht alles zu einem bestimmten Zeitpunkt investiert wird, sondern kontinuierlich über die Zeit verteilt, und zweitens, wenn der Anlagehorizont bis zur Pensionierung mindestens noch sieben bis zehn Jahre beträgt.

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