Aktualisiert 28.07.2016 10:59

Markus Babbel«Es braucht zwei Sahne-Tage von uns»

Die EL-Qualifikation ist für Luzern die Belohnung für eine starke Rückrunde. Gegner Sassuolo hat keinen klingenden Namen, ist aber eine hohe Hürde.

von
Eva Tedesco

Am Donnerstag startet der FCL in die EL-Qualifikation gegen Sassuolo. Trainer Markus Babbel: «Es braucht zwei Sahne-Tage». (Video: 20 Minuten)

«Das war einfach nur peinlich», sagt David Zibung, der am Donnerstag mit dem FCL den 4. Anlauf in die Gruppenphase der Europa League nimmt. Nachdem die Zentralschweizer 2010/11 an Utrecht (3. Qualirunde) und 2012/13 an Genk (Playoffs) gescheitert waren, erinnert sich der FCL-Keeper vor allem mit Schaudern an den letzten Anlauf in der Saison 2014/15, als man unter Carlos Bernegger gegen den schottischen Amateurverein St. Johnstone sang- und klanglos in der 2. Qualirunde rausflog.

Das Zauberwort für Zibung lautet: Mentalität. «Wir müssen Vertrauen in die eigene Qualität haben.» Trotz der Marktwert-Differenz von mehr als 80 Millionen Euro zwischen den beiden Kadern wünscht sich Zibung Männer, nicht Mäuse. Man soll «Ausstrahlung und eine selbstbewusste Körperhaltung sehen» und ein Team, das die Mentalität auf den Platz bringt, «die der FC Basel seit Jahren lebt». Seine Zuversicht gründet auf den Spielern, die internationale Erfahrung haben.

Kleiner Name, aber besser als Milan

Dabei denkt Zibung in erster Linie an Ricardo Costa. Der neue Abwehrchef hat 2004 mit Porto die Champions League und den Weltpokal gewonnen und 2003 den Uefacup. «Er hat 15 Jahre auf Topniveau gespielt», so Zibung, «davon drei Jahre unter Quälix Magath – noch Fragen?» Auf rund ein Dutzend Europacupspiele (mit Vaduz allerdings) kommt Markus Neumayr. «Er geht immer wie ein Ochse. Genau diese Einstellung brauchen wir», sagt der FCL-Keeper.

«Wir wollen die Schweizer Fahne so vertreten, dass man auf uns stolz sein kann», sagt Markus Babbel. Sassuolo sei kein bedeutender Name, aber mit Platz 6 in der letzten Saison hätte die Mannschaft überzeugt und Grössen wie die AC Milan hinter sich gelassen. «Sie sind eingespielt, laufstark, robust und dennoch technisch gut», sagt Babbel. Das Ziel des zweifachen Uefacup-Siegers mit den Bayern (1996) und Liverpool (2001): «Dass es nicht bei den zwei Europacupspielen bleibt. Wir haben letzte Saison mit viel Leidenschaft und Engagement auf diese Spiele hingearbeitet. Es liegt durchaus etwas drin, aber dafür brauchen wir zwei Sahne-Tage.»

Attraktiver Calcio

Auch wenn Sassuolo nicht über Superstars verfügt, mit Trainer Eusebio Di Francesco haben die Italiener einen Fussballlehrer der neuen Garde. Einen Trendsetter, sagt man in Italien. Der 47-Jährige lässt offensiv spielen, was im Land des resultatorientierten Fussballs nicht selbstverständlich ist. Dabei orientiert er sich gerne an Zdenek Zeman. Der letztjährige Lugano-Coach war zwischen 1997 und 1999 Di Francescos Trainer bei der AS Roma.

«Wir dürfen dem Gegner nicht so viele Räume lassen wie Lugano am letzten Samstag, müssen enger zusammenstehen», sagt Babbel. «Darüber hinaus müssen wir aber auch den Mut haben, gegen vorne zu spielen, den Gegner unter Druck zu setzen und aus wenigen Möglichkeiten viel Kapital schlagen. Wir werden auf diesem Niveau nicht viel Zeit haben, zu überlegen und müssen instinktiv die richtigen Entscheidungen treffen. Dann ist es durchaus möglich, so einen Gegner zu bezwingen – auch wenn mit Sassuolo ein Brett auf uns zukommt.»

Was wäre für den FCL-Trainer eine gute Ausgangslage für das Rückspiel? «Ein 0:0 wäre gut. Ein 1:0 wäre top. Ein 2:0 überragend, und von einem 3:0 will ich nicht einmal träumen.»

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