Aktualisiert 05.01.2011 15:54

Sharm el-Scheich

Es darf wieder gebadet werden

Das Badeverbot in Sharm el-Scheich ist gelockert: Ab sofort ist das Schwimmen auf einigen Strandabschnitten erlaubt. Das Rätsel um den angriffslustigen Hai ist allerdings ungelöst.

Die ägyptischen Behörden haben nach der Serie von Hai-Angriffen einige der gesperrten Strände von Scharm el-Scheich wieder geöffnet. Sie erklärten, das Baden in einigen Buchten sei wieder erlaubt. Tauchen bleibt allerdings professionellen Tauchern vorbehalten, dennoch immer sind die Attacken vor dem Badeparadies ein Rätsel. Warum die angreifenden Haie - vermutlich Weissflossenhaie, die normalerweise nicht in Strandnähe kommen - sich so aggressiv verhielten, sollen nun drei US-Experten klären.

Geoerge Burgess, Marie Levine und Ralph Collier sind am Dienstagmorgen in Ägypten eingetroffen und sollen abklären, ab wann wieder im gesamten Roten Meer wieder sicher gebadet werden kann. Burgess ist Direktor einer internationalen Datenbank für Hai-Angriffe, dem International Shark Attack File, Levine ist Direktorin des Haiforschungsinstituts in Princeton und Collier Autor des Buchs «Shark Attacks of the Twentieth Century» («Hai-Angriffe im 20. Jahrhundert»).

Ägypten bangt um Tourismus

Es gibt drei Erklärungsansätze für die Hai-Angriffe. Umweltschützer vertreten die Theorie, die Überfischung treibe die Haie auf der Suche nach Nahrung in Küstennähe. Es gibt aber auch Vorwürfe gegen die Veranstalter von Bootsausflügen, die bei ihren Exkursionen Fleisch ins Meer werfen sollen. Damit sollen Haie in die Nähe der Boote gelockt werden, so dass die Touristen sie fotografieren können. Drittens soll ein Sharm el-Scheich passierender Frachter kürzlich Tierkadaver ins Meer geworfen haben.

Reiseveranstalter verzeichnen besorgte Anfragen von Urlaubern, die ägyptische Tourismusindustrie bangt um eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen. Denn nicht Pyramiden und Pharaonen, sondern vor allem Strandurlaube sorgen nach amtlichen Angaben für die meisten Einnahmen aus dem Tourismus: Auf zwei Drittel der 9,3 Milliarden Euro des im Juni abgeschlossenen Haushaltsjahrs bezifferte Tourismusminister Sohair Garanah den Anteil, wie die Zeitung «Al Gomhurija» berichtete. Zuletzt hatte es 2009 einen tödlichen Hai-Angriff im Roten Meer gegeben. Damals war ein französischer Taucher tödlich verletzt worden.

Von einem «Desaster für die Tauchanbieter, aber auch für die Touristen» sprach der Tessiner Gilbert Finckler, Betreiber einer Tauchbasis in Sharm el-Scheich, gegenüber 20 Minuten Online. Er kritisiert, dass die Verantwortlichen versuchten, den Hai zu jagen. Die Köder hätten nur noch mehr Haie angelockt: «Ein komplettes Badeverbot über ein paar Tage hätte meiner Meinung nach viel mehr gebracht als die Jagd.» (dapd)

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