13.01.2020 18:20

Vulkanausbruch«Es drohen heisse Gas- und Aschelawinen»

Bereits Zehntausende Menschen fliehen auf den Philippinen vor dem Vulkan Taal. ETH-Vulkanologe Olivier Bachmann erklärt, wie gefährlich dieser ist.

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les

Auf den Philippinen ist der Vulkan Taal ausgebrochen. Seit Sonntag spuckt er Asche, Rauch und Lava. (Video: AP und Storyful)

Herr Bachmann*, der Vulkan Taal auf den Philippinen ist am Montag ausgebrochen. Er spie eine 15 Kilometer hohe Aschewolke aus, Gesteinsbrocken mit einem Durchmesser von mehr als sechs Zentimetern prasselten in der Umgebung des Vulkans nieder. Hat Sie der Ausbruch überrascht?

Nein, der Vulkan Taal war immer schon auf dem Radar der Vulkanologen. Er ist einer der aktivsten Vulkane der Welt. Gemäss der Internationalen Gesellschaft für Vulkanologie handelt es sich hier um einen «Dekadenvulkan». Dekadenvulkane sind solche, die sich in dichtbesiedelten Gebieten befinden und so bei einem Ausbruch sehr viele Menschen gefährden können. Deshalb werden viele Mittel für die Überwachung zur Verfügung gestellt. Vulkanologen aus aller Welt unterstützen die philippinischen Vulkanologen bei ihrer Arbeit.

Gab es Anzeichen für einen Ausbruch?

Bereits im März 2019 wurde entdeckt, dass die Aktivität des Vulkans erhöht ist. Vulkanologen haben vorausgesagt, dass ein Ausbruch in wenigen Wochen oder Monaten möglich ist. Das reicht jedoch noch nicht, um die vielen Leute in der touristischen Region um den Taal-See zu evakuieren. Der Vulkan muss jedoch ständig überwacht werden, um zeitnah reagieren zu können.

Schon 45'000 Personen mussten fliehen, laut Behörden könnte sich die Zahl auf 200'000 erhöhen. Wird sich die Situation noch verschlimmern?

Es ist möglich, dass der Ausbruch andauert und noch mehr Magma an die Oberfläche gelangt. Natürliche Prozesse sind jedoch chaotisch und schwierig vorauszusagen. Wir wissen auch nicht, wie viel Magma sich unter dem Vulkan Taal befindet. Die Magmakammern, die sich teils mehrere Kilometer unter der Erdoberfläche befinden, müssen noch besser erforscht werden. Die technischen Methoden werden jetzt entwickelt. Diese Forschung kostet aber viel Geld und kann nicht für jeden Vulkan der Welt durchgeführt werden. Grundsätzlich sind die Behörden aber gut für die Situation gerüstet. Die Philippinen haben viele aktive Vulkane und kennen die Problematik.

Das seismologische Institut auf den Philippinen warnte, dass es zum plötzlichen Ausstoss von Dämpfen und zu hohen Konzentrationen tödlicher Gase kommen könne. Können Sie erklären, was daran genau daran gefährlich ist?

Magma enthält viele Gase wie Kohlenstoffdioxid, Schwefel, Chlor oder Fluor. Schwefelsäure beispielsweise ist eine der stärksten Säuren überhaupt und führt zu Ätzungen der Haut und Schleimhäute. Auch für Pflanzen und Tiere ist das gefährlich. Kohlenstoffdioxid ist nicht ganz so giftig, aber bei einer zu hohen Konzentration bekommt man Atemprobleme.

Welche weiteren Gefahren bestehen?

Sogenannte pyroklastische Strömungen können sehr gefährlich werden. Das sind heisse Lawinen von Gasen und Aschepartikeln, die sich enorm schnell bewegen. Während eines Ausbruchs 1911 gab es etwa 1300 Todesfälle, während eines weiteren grossen Ausbruchs 1911 kamen 190 Menschen ums Leben. Es ist wahrscheinlich, dass diese Todesfälle hauptsächlich auf pyroklastische Strömungen zurückzuführen waren. Eine Gefahr kann zudem durch Tsunamis rund um den Taal-See ausgehen. Das Philippinische Institut für Vulkanologie hat eine Evakuierung aller Personen in einem Umkreis von 17 Kilometern um den Vulkan gefordert. In dieser Gefahrenzone leben über 400'000 Menschen.

Vor gut einem Monat brach der Vulkan der neuseeländischen Vulkaninsel White Island aus. Gibt es Parallelen?

White Island und Taal sind ähnliche Vulkane im Pazifischen Feuerring. Das ist die vulkanisch aktivste Zone der Erde, die sich über eine Länge von rund 40'000 Kilometer erstreckt und den Pazifischen Ozean von drei Seiten umrahmt. Beide Vulkane sind sehr aktiv, stossen giftige Gase aus und können insbesondere aufgrund des Wasserreichtums in der Umgebung explosionsartig ausbrechen. Ein Unterschied zwischen den beiden Vulkanen ist jedoch, dass Taal viel besser erforscht ist, da er schon sehr oft ausgebrochen ist und man die Sedimente bis vor 100'000 Jahren zurückverfolgen kann. White Island hingegen ist schwierig zu erforschen, da der Grossteil des Vulkans unter Wasser liegt.

*Olivier Bachmann ist Professor für magmatische Petrologie am Institut für Geochemie und Petrologie im Departement Erdwissenschaften der ETH Zürich.

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