Aktualisiert 02.08.2012 21:39

Keine Medaillen?Es droht das grösste Olympia-Drama

Sollten die Schweizer aus London keine Medaille nach Hause bringen, wäre das nicht das erste Mal. Ein grösseres Debakel hätte es aber trotzdem noch nie gegeben.

von
F. Burkhard

Fünf bis sieben Medaillen wurden vor den Olympischen Spielen vom Chef de Mission Gian Gilli gefordert. Dieses Ziel wird die Schweiz kaum erreichen, nachdem es mit den vielen Medaillenanwärtern am 1. August nicht geklappt hat und heute auch der Leichtgewichts-Vierer am Podest vorbei ruderte. Aber: Könnte es denn tatsächlich passieren, dass London 2012 als die schlechtesten Olympischen Spiele aller Zeiten in die Schweizer Sportgeschichte eingehen?

Die Antwort lautet: Ja. Zwar haben die Athleten noch elf Olympia-Tage Zeit und die Delegation einige Medaillenhoffnungen im Rennen. Gibt es aber tatsächlich kein Edelmetall, dann ist das ein Debakel. Es gab schon Schweizer Olympia-Teilnahmen ohne Medaillenerfolg – es ist allerdings schon lange her. An den Sommerspielen passierte es zum letzten Mal vor genau 100 Jahren, 1912 in Stockholm. Vier Jahre zuvor erging es den Schweizern ebenso. Man muss allerdings als Entschuldigung aufführen, dass bei beiden Anlässen nur ein Schweizer – es war der Hammerwerfer bzw. Fünfkämpfer Julius Wagner – teilnahm. Nicht zu vergleichen also mit den 102 Athleten, die in London um Edelmetall kämpfen.

Marc Rosset rettete die Schweiz

Mit diesen Voraussetzungen zu vergleichen sind da schon eher die Sommerspiele 1992 in Barcelona. 101 Schweizer reisten damals nach Spanien. Mit Tennisspieler Marc Rosset brachte aber nur einer eine Medaille nach Hause. Kommt dieses Jahr Roger Federer diese Rolle zu? Es bleibt nichts anderes, als abzuwarten.

An olympischen Winterspielen gab es nur einmal ein richtiges Debakel. 1964 brachte keiner der 72 Schweizer Athleten Edelmetall aus Innsbruck nach Hause. Das Problem war, dass die Organisation des Schweizer Sportes nicht mehr der Zeit entsprach. Als Amateure konnte man keine Spitzenresultate mehr erzielen. Das Debakel von Innsbruck führte zur bis heute gründlichsten Reorganisation unseres Sportes und unter anderem zur Gründung der Sporthilfe.

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