Die Helden des Tages: «Es fehlen nur Millimeter bis zur Katastrophe»
Aktualisiert

Die Helden des Tages«Es fehlen nur Millimeter bis zur Katastrophe»

Die Mineure des Gotthard-Tunnels «krampfen» 300 Tage pro Jahr im Berg. Nun feiern sie ihren Weltrekord - und sagen, was im Barackendorf am schlimmsten ist.

von
A. Müller
M. Gilliand

Video: M. Gilliand und A. Müller, 20 Minuten Online

Sie sind die Helden des Tages: Über 2500 Mineure haben schon am Jahrhundert-Bauwerk mitgearbeitet. «Ich bin schon über 3000-mal in den Tunnel gestiegen», sagt der 62-jährige Deutsche Dieter Meyer, der seit 1966 im Berg- und Tunnelbau arbeitet. In all den Jahren habe er schon viele kritische Situationen erlebt. In einer Salzmine sei er schon verschüttet worden, so der überzeugte Mineur. Im Gotthard-Tunnel habe er gar einen Kollegen verloren. «Wir erleben viele gefährliche Situationen. Manchmal fehlen nur Millimeter bis zu einer Katastrophe», so Meyer.

Die Mineure am Installationsplatz in Sedrun sind trotz acht verstorbenen Kollegen in Feierstimmung. «So einen Weltrekord und so eine Baustelle erlebt man nur einmal im Leben», sagt der Schweizer Mineur Stefan Wüest. Er sei sehr stolz, am Bau des längsten Tunnels mitzuwirken. Dies sei für alle Beteiligen ein ganz spezieller Tag.

Dies wird heute gebührend gefeiert: «Heute hauen wir so richtig auf den Putz», lautet der Tenor der Arbeiter.

Schmutzige Toiletten als grösstes Ärgernis

Der Alltag im Gotthard-Loch ist hingegen knallhart. Pro Schicht sind die Mineure bis zu zehn Stunden unter Tag. Die meisten verbringen ihren Feierabend im Baracken-Dorf in Sedrun. «600 Männer leben dort, zum Glück haben wir Einzelzimmer.» Trotzdem sei es nicht immer einfach. Es gebe schon dann und wann Raufereien. «Das Schlimmste aber sind die dreckigen WCs», sagt Mineur Stefan Wüest.

Der Österreicher Kurt Wetztel hat es besser. Er lebt mit Frau und Kindern in einer Wohnung in Sedrun. «Ich bin hier heimisch geworden und kann mir derzeit keinen anderen Arbeitsort vorstellen.»

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