Aktualisiert 30.04.2016 21:12

Meisterporträt

Es findet sich nichts Besseres als der FCB

Sieben Titel in Serie und kein Ende in Sicht: Der FC Basel ist der Konkurrenz meilenweit voraus – weil er vieles richtig und sie einiges falsch macht.

von
Eva Tedesco

Eine Meldung, die unsere schnelllebige Gegenwart noch schneller erscheinen lässt: Ein Londoner Warenhaus hat entschieden, schon Anfang August Weihnachtsschmuck auszustellen. So ähnlich läuft es in der Super League.

Kaum sind die letzten Partyabfälle der Meisterfeier vom Basler Barfüsserplatz entfernt, kann der Casino-Balkon erneut reserviert werden. Der Winter hatte sein Weiss noch nicht richtig übers Land gezogen, da war dem Krösus der Titel kaum mehr zu nehmen. Seit Samstagabend, nach 31 von 36 Runden, ist es auch rechnerisch fix: Der FCB ist Meister, zum siebten Mal in Serie und – was den Kalender betrifft – so früh wie noch nie. Er egalisiert damit seinen Rekord aus der Saison 2011/12, als er ebenfalls fünf Spieltage vor Schluss uneinholbar vorne gelegen hatte.

Rekorde in Reichweite

Es sind sogar noch zwei weitere Bestmarken in Reichweite: mit der höchsten Punktzahl Champion zu werden (der eigene Rekord von 85 Zählern stammt aus der Saison 2003/04) und den Titel mit der deutlichsten Differenz seit der Ligareform 2003 zu gewinnen. Vor vier Jahren unter Heiko Vogel distanzierte der FCB den ersten Verfolger Luzern um 20 Punkte.

Dass der FCB so früh eine erste Meisterparty planen kann, liegt auch an der Konkurrenz – oder eben Nicht-Konkurrenz. Einmal mehr ist es keinem Gegner zwischen Sitten, Zürich, Vaduz und Lugano gelungen, den FCB ernsthaft zu fordern. Es mangelt an Qualität (FCZ, GC) und Konstanz (YB, Sion). Schlicht: Es findet sich nichts Besseres.

Führend in jeder Hinsicht

Natürlich fusst der Erfolg auch auf der finanziell stärksten Organisation der Schweiz. Der FCB kann Spieler kaufen, von denen seine Gegner nur träumen können. Von Bjarnason bis Zuffi weiss Rotblau ausschliesslich Nationalspieler oder Junioren-Auswahlspieler in seinen Reihen. Und mit Breel Embolo gehört der aktuell wertvollste Teenager der Welt zum Kader. Aber Geld allein macht noch keinen Serienmeister.

Der FCB gibt in der Super League in jeglicher Beziehung den Ton an. Er hat mit Bernhard Heusler den besten Präsidenten, der wiederum die fähigsten Leute um sich schart. Die Konstanz in allen Bereichen ist beispiellos. Obwohl die Verantwortlichen die Mannschaft seit 2009 permanent umbauen mussten, setzten die Basler zum unvergleichlichen Solo an. Heusler und Co. ahnen Tendenzen voraus, planen geschickt und bewältigen Veränderungen meisterlich. So hat sich der FCB zum Beispiel längst davon verabschiedet, der Trainerpersonalie überhöhte Bedeutung beizumessen. Kein Angestellter ist wichtiger als der Club.

Fischer erobert Basel

Mit Urs Fischer stand bereits der fünfte Coach seit 2010 an der Linie. Für den 50-jährigen Zürcher, 2000 als FCZ-Spieler Cupsieger, ist es der erste Titel in dieser Funktion. Wie sein Vorgänger Paulo Sousa legte Fischer einen Start-Ziel-Sieg hin. Zwar verpasste er die Champions League und scheiterte im Cup ungewohnt früh, die Kernaufgabe Meisterschaft löste er aber perfekt. Und vor allem erwarb er – im Gegensatz zum Portugiesen – die Akzeptanz der Basler nach anfänglichen Misstönen (man erinnere sich an das Fan-Transparent mit der Aufschrift «Fischer, nie eine vo uns!»).

In Fischers Worten könnte das Trainerzeugnis so lauten: Er hat vieles sehr gut gemacht. Und die Konkurrenz zu vieles falsch. Das darf man Rotblau allerdings nicht ankreiden. Darum heisst der Meister zum siebten Mal in Folge und mehr als verdient FC Basel.

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