Aktualisiert 26.09.2009 15:29

Peter Sauber«Es gab äusserst fragwürdige Angebote»

Seit vorletztem Dienstag steht fest, dass die Qadback Investments Ltd. neue Besitzerin des Formel-1-Teams BMW-Sauber ist. Wie gehts jetzt mit dem Standort Hinwil konkret weiter? Welche Rolle spielt ex-Teamchef Peter Sauber in Zukunft? 20 Minuten Online beantwortet die wichtigsten Fragen.

von
Peter Haab, Singapur

1. Was ist in den acht Wochen seit Ende Juli geschehen?

Team-Teilhaber Peter Sauber (20 Prozent) versuchte in einem ersten Anlauf, vom BMW-Vorstand die Erlaubnis zur Unterschrift des neuen Concorde-Agreements zu erhalten. Damit wäre dem Nachfolge-Team von BMW-Sauber ein Startplatz für die WM 2010 sicher gewesen. Aus Saubers damaliger Perspektive hätte ein garantierter Startplatz die Verhandlungen mit interessierten Investoren erheblich erleichtert (Sieben Wochen später sollte dann genau dieser (noch) nicht definitiv garantierte Startplatz zum heiklen Punkt in den Schluss-Verhandlungen werden). Doch der BMW-Vorstand lehnte das Ansinnen seines Schweizer Minderheits-Teilhabers Anfang August ab. Das Risiko, bei der Suche nach einem seriösen Käufer zu scheitern, und dann mit massiven Schadenersatzforderungen seitens FIA und FOA konfrontiert zu sein, war dem BMW-Top-Management zu diesem Zeitpunkt zu gross. Peter Sauber kritisierte BMW danach wegen Obstruktion in der Öffentlichkeit und machte sich damit in München keine neuen Freunde.

2. Wie schwierig war es für BMW und Berater Peter Sauber, den richtigen Käufer zu finden?

«In den vergangenen sieben Wochen kamen diverse Anfragen nach Hinwil und München. Darunter befanden sich auch einige äusserst fragwürdige Angebote von dubiosen Gruppierungen», erzählte Peter Sauber. «Am Schluss kamen für BMW nicht mal eine handvoll Bewerber in Frage. Es war gar nicht so einfach, einen seriösen Investor zu finden, ohne ihm Sponsoren garantieren zu können. Der eigentliche Kaufpreis war ja das kleinere Problem. Letztlich ging es darum, dass die neuen Besitzer auch in der Lage sind, den Rennbetrieb zu finanzieren.»

3. Lange Zeit sah es so aus, als ob die sogenannte «Malaysia-Connection», ein Konsortium aus Petronas, Air Asia, und Proton als Besitzer des Autoherstellers Lotus den Zuschlag erhalten würde. Warum der Umschwung zu Gunsten von Qadback?

«Im Umfeld dieser Gruppierung gab es Leute, mit denen ich auf keinen Fall zusammenarbeiten wollte», gibt Sauber zu. Und ich durfte auch meinem Team in Hinwil ein solches Management nicht zumuten. Zum Glück waren die BMW-Leute gleicher Ansicht.» Namen wollte Sauber zwar keine nennen. Aber Insider wissen, dass sich die Beziehung zwischen Peter Sauber und dem neuen Lotus-Chef Dany Bahar seit dessen Engagement bei Red Bull deutlich abgekühlt haben.

4. Wer steckt hinter Qadback – wer sind die neuen Besitzer des Formel-1-Teams?

«Ich selbst habe die Leute getroffen und ihnen die Hightech-Fabrik in Hinwil gezeigt», sagt Peter Sauber. «Es ist eine Gruppierung von wohlhabenden Geschäftsleuten aus dem Mittleren Osten, die weltweit im Besitz von unzähligen Unternehmen sind. Sie wollen das Formel-1-Team als Business-Plattform nutzen.» Und warum treten diese Leute nicht an die Öffentlichkeit, um die letzten kleinen Zweifel zu beseitigen? «Es ist absolut nicht ungewöhnlich, dass diese Leute anonym bleiben wollen», hält Sauber fest. «In der Kultur, vor allem im Kunsthandel, ist es doch Gang und gäbe, dass wohlhabende Leute in der Anonymität bleiben wollen. Dort stösst sich jedenfalls niemand daran.»

5. Ist der Startplatz für die Formel-1-WM 2010 definitiv gesichert?

Nach Auskunft von Peter Sauber gab es zum Zeitpunkt des Vertrags-Abschlusses am letzten Dienstag kein offizielles Papier der FIA, welches dem Nachfolge-Team von BMW-Sauber einen Startplatz für 2010 garantiert hätte. Warum also kauft eine Schweizer Stiftung namens Qadbak ein Formel-1-Team ohne Startgarantie? «Das war tatsächlich ein heikler Punkt», bestätigt Sauber. «Wir hatten in der letzten Verhandlungsphase damit gerechnet, von der FIA eine definitive Startzusage zu erhalten. Aber es gibt ja die offenen Fragen um die neuen Teams. Wir konnten die Käufer davon überzeugen, dass es für 2010 gut aussieht. Ich gehe fest davon aus, dass wir am Start stehen.»

6. Wie sieht der Zeitplan bis zur Übernahme durch die neuen Besitzer aus?

«Da ist im Moment noch alles offen», sagt Sauber. In der Woche vor dem Singapur-GP weilten Beauftragte der neuen Besitzer in Hinwil. «Der Wechsel auf die neuen Besitzer wird eine zeitintensive Arbeit, denn das Vertragswerk umfasst ja nicht nur ein paar wenige Seiten.»

7. Was bedeutet der Verkauf für Peter Sauber persönlich?

«Ich habe allen Interessenten bei der Besichtigung unserer Fabrik im Falle eines Zuschlags eine Mitwirkung in einem noch zu bestimmenden Umfang angeboten. Denn die neuen Besitzer erwarten, dass sie ein hundertprozentig funktionierendes Formel-1-Team vorfinden.» Frei übersetzt heisst das in etwa: Die Qadback-Delegierten müssen Peter Sauber in einem ersten Schritt einen Vertrag als CEO anbieten. Oder anders gesagt – Sauber, der am 13. Oktober 66 Jahre alt wird, muss oder darf wieder zurück an die Boxenmauer. Zumindest für eine Übergangsfrist, denn Qadback hat ja kaum Leute in der Hinterhand, die im Stande sind ein Formel-1-Team erfolgreich zu führen.

8. Wie wird das neue Team heissen?

«Auch das ist Teil unserer umfangreichen Besprechungen», bestätigt Sauber. «Vermutlich werden wir das Team aber unter dem Namen 'Sauber-Ferrari' bei der FIA melden. Denn wir werden nächstes Jahr die Motoren und Getriebe von Ferrari beziehen. Wie der komplette Team-Name lautet, hängt auch von dem zukünftigen Hauptsponsor ab.»

9. Wer wird 2010 für das neue Team fahren?

«Es ist noch etwas zu früh, um darüber zu reden», sagt Sauber. «Zuerst muss ich ja die Vorstellungen der neuen Teambesitzer kennen. Aber die Fahrerfrage hat noch etwas Zeit. In diesem Jahr sind sowieso alle Teams sehr spät dran. Vielleicht werden wir diese Personalien ja erst nach Saisonende klären können.»

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