FCB-Fanbeauftragter: «Es gab diesmal nur Verlierer»

Aktualisiert

FCB-Fanbeauftragter«Es gab diesmal nur Verlierer»

Nur 21 Fans fuhren mit dem Extrazug nach Zürich. Thomas Gander, Fanbeauftragter beim FCB, zu den Gründen.

von
Adrian Jäggi

Thomas Gander, warum sind zum vierten Mal in Folge kaum FCB-Fans in den Letzigrund gepilgert?

Es ist ein Zeichen des Protestes gegen die Null-Toleranz-Strategie der Zürcher Polizei und den Versuch, durch die Hintertür das Modell des Kombitickets auszupro­bieren.

Ist in Zürich die Polizei wirklich so restriktiv?

Dort gibt es scheinbar eine politische Legitimation, sehr viel Polizeiressourcen einzusetzen, und seit den Ausschreitungen im Zürcher Derby gilt auch die Null-Toleranz-Strategie. In anderen Städten wird aus meiner Sicht verhältnismässiger und toleranter gehandelt.

Was stört denn die Fans am Kombiticket?

Nebst grundrechtlichen Überlegungen sind es auch praktische: etwa dass FCB-Fans aus der ganzen Schweiz extra nach Basel reisen müssen, um ein Ticket zu erhalten.

Wie sollte aus der Sicht der Fans ein Auswärtsspiel in Zürich ablaufen?

Die Fans fordern einen pragmatischeren Umgang mit Fanmärschen, mit dem Vertrauen, dass sie eine hohe Selbstregulierung an den Tag legen, und auch mit der Anerkennung, dass Fanmärsche in Zürich in der Vergangenheit nicht von Sachbeschädigungen und Gewalttätigkeiten begleitet waren, was auch belegbar ist.

Ist also anzunehmen, dass die FCB-Fans im Oktober auch nicht zum FCZ-Match fahren?

Ich hoffe, dass man gemeinsam zu einer Lösung kommen wird. Denn am Samstag gab es nur Verlierer: Hunderte Fans, die nicht ins Stadion gingen, GC, das weniger Einnahmen machte, und die Polizei, die einen grossen Aufwand hatte.

Kombiticket sorgt für rote Köpfe

Der Testversuch des Kombitickets und die weitergeführte Null-Toleranz-Politik der Stadtpolizei Zürich ­sorgte bei Fans für rote Köpfe. Jeder Rot-Blau-Anhänger musste am Samstag in Basel in den Extrazug steigen und sein Match-­Ticket auf der Fahrt nach Zürich beziehen, wollte er das Spiel sehen. Der Schuss ging gewaltig nach hinten los: Gerade einmal sieben Fans kauften ein solches Ticket!

Unzufrieden zeigten sich die SBB. «Wir wussten nichts vom Ticketverkauf im Extrazug», sagt Sprecher Reto Kormann. Der fast leere Fanzug habe nicht nur Kosten verursacht, sondern auch dazu geführt, dass Hunderte Fans in regulären Zügen unterwegs waren.

Und für Gastgeber Grasshoppers bedeuteten die Massnahmen Mindereinnahmen: Dem Klub gingen laut Sprecher Adrian Fetscherin Einnahmen von bis zu 50 000 Franken durch die Lappen.

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