Roger de Weck: «Es gab eine Vielzahl Gründe für ein Nein»
Aktualisiert

Roger de Weck«Es gab eine Vielzahl Gründe für ein Nein»

Generaldirektor Roger de Weck glaubt nicht, dass das knappe Ja zur RTVG-Revision von einer Unzufriedenheit mit der SRG zeugt.

von
J. Büchi
Roger de Weck: «Wer keine Überzeugungsarbeit leistet, kann nicht überzeugen.»

Roger de Weck: «Wer keine Überzeugungsarbeit leistet, kann nicht überzeugen.»

Herr de Weck, wie haben Sie den Abstimmungskrimi um die RTVG-Revision erlebt?

Es war ein intensiver Nachmittag. Mit dem Volksentscheid machen wir einen Schritt in die Gegenwart: Wir haben jetzt ein Gebührensystem auf der Höhe des digitalen Zeitalters. Nun geht es aber um die Zukunft: Was ist der Service public der Zukunft, wie ihn die SRG und 34 private gebührenfinanzierte Sender leisten? Auf diese Debatte freue ich mich.

Politologen deuten das historisch knappe Resultat als Misstrauensvotum gegenüber dem Schweizer Fernsehen.

Nach dieser Logik hätte es in der französischen Schweiz ein Plebiszit für die SRG gegeben. Und in der Deutschschweiz nicht. Das ist nicht meine Logik. In den vergangen Wochen habe ich unzählige Gespräche geführt. Die meisten Bürgerinnen und Bürger interessierten sich für die Stärken und Schwächen des neuen Gebührensystems. Für sie war es keine grundsätzliche Service-public-Debatte.

Sie glauben also, der hohe Nein-Anteil zeuge nicht von einer grundsätzlichen Unzufriedenheit mit der SRG?

Das werden die Nachbefragungen zeigen. Ich sprach mit Bürgerinnen und Bürgern, die kritisch waren, weil ihnen das neue Gebührensystem nicht passte und mit solchen, die sich zunächst eine Service-public-Diskussion wünschten. Es waren solche darunter, die den Service public überhaupt nicht mögen und nur private Sender wollen. Es gab also eine Vielzahl Gründe für ein Nein wie für ein Ja.

Sie haben sich im Abstimmungskampf stark exponiert und engagiert. War dies rückblickend die richtige Strategie?

Wer keine Überzeugungsarbeit leistet, kann nicht überzeugen.

Die Service-public-Diskussion dürfte jetzt erst richtig losgehen. Stellen Sie sich darauf ein, beim Programm künftig Abstriche machen zu müssen?

Auf eine breite und fundierte Diskussion über den künftigen Service public der SRG und der Lokalsender freue ich mich. Diese Diskussion ist wichtig und nötig. Wir sind mitten im Umbruch der Medien, und jedes Medienhaus muss sich immer wieder fragen, welches Angebot es künftig braucht, um Erfolg beim breiten Publikum zu haben und welches nicht.

Auf welche Programme oder Kanäle wäre die SRG am ehesten gewillt zu verzichten?

Erst die Debatte, dann die Antworten! Man darf nicht vergessen: Die SRG ist Auftragnehmerin und nicht Auftraggeberin. Das heisst, ihr künftiger Leistungsauftrag wird das Ergebnis der Debatte sein. Die SRG wird sich mit ihrem Know-how und ohne Denkverbote in die Debatte einbringen. Nach den Spannungen des Abstimmungskampfs ist eine Rückkehr zum gutschweizerischen, pragmatischen Dialog wichtig.

Kann die SRG überhaupt unvoreingenommen in diese Debatte gehen?

Eine Debatte, in der es Denkverbote gibt, ist keine Debatte.

Eine weitere Bewährungsprobe wartet bereits auf die SRG: Derzeit werden Unterschriften für die No-Billag-Initiative gesammelt, welche die Radio- und TV-Gebühr komplett abschaffen will. Liefert das knappe RTVG-Resultat den Initianten weitere Munition?

Ich spekuliere nicht.

Was werden Sie unternehmen, um auch in der Deutschschweiz die Gunst der Gebührenzahler zurückzugewinnen?

Ihre Frage unterstellt, dass es eine Abstimmung über die SRG gewesen wäre. Das Volk hat aber ein veraltetes Gebührenmodell durch ein zeitgemässes ersetzt.

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