Aktualisiert 26.08.2010 14:07

Start-up aus Ecublens

«Es gab schon Gespräche mit Google»

Dank der 10 000-Franken-Drohne swinglet CAM behält man alles im Blick. Laut SenseFly-Chef Jean-Christophe Zufferey soll auch der Suchmaschinist Interesse haben, was dieser allerdings bestreitet.

von
Henning Steier

20 Minuten Online: Sie haben kürzlich beim Schweizer Start-up-Wettbewerb Venture Kick 130 000 Franken gewonnen. Was machen Sie damit?

Jean-Christophe Zufferey: Wir werden damit vor allem unsere Marketingaktivitäten in den USA ausbauen. Unsere Swinglet Cam dürfte für viele Farmer interessant sein, um ihre riesigen Anbauflächen und Weiden zu überwachen. Bislang machen sie das oft überunpräzise Satellitenbilder oder indem sie ihre Grundstücke ablaufen. Wer Zeit sparen und sich nicht auf unpräzise Bilder verlassen möchte, für den könnte unsere 10 000-Franken-Drohne eine Alternative sein.

Wie viele Drohnen haben Sie seit dem Marktstart im März verkauft?

Bislang sind es knapp 20 - davon gingen die meisten an Geschäftskunden wie Sicherheitsunternehmen oder Immobilienhändler. Manche nutzen die swinglet CAM aber auch privat.

Ist es legal, Luftbilder vom Swimming Pool des Nachbarn zu machen?

Wer sein eigenes Grundstück fotografiert oder aus guten Gründen wie Sicherheit Bilder macht, sollte in der Regel keine Probleme bekommen. Letztendlich liegt die Verwantwortung natürlich beim Nutzer. Eine Lizenz braucht man übrigens nicht, weil die Drohne nur 500 Gramm wiegt. Damit gelten die gleichen Regeln wie für Modellflugzeuge.

Warum kann die Kamera keine Videos drehen?

Die Drohne hat nur eine Spannweite von 80 Zentimetern und liegt daher nicht ruhig genug in der Luft, um verwacklungsfreie Clips aufzunehmen. Sie kann dafür aber alle drei Sekunden ein Bild machen.

Von unten sieht die swinglet CAM wie ein Vogel aus. Wie reagieren Tiere auf sie?

Bislang gab es noch keine Angriffe - weder auf unser Testgerät noch auf die unserer Kunden. Es gibt zwar immer wieder Vögel, die sich der Drohne nähern. Erkennen sie, dass es sich um keinen Artgenossen handelt, drehen sie ab.

Wie weit fliegt die Drohne mit einer Akkuladung - und wie schnell?

Sie kann 30 Minuten in der Luft bleiben und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern. Sie fliegt übrigens maximal 3000 Meter hoch - und bei einem Gegenwind von bis zu 25 km/h.

Wie wird sie gesteuert?

Entweder mit einer Fernsteuerung aus bis zu einem Kilometer Distanz oder indem man die Route am Rechner programmiert. Man kann die Punkte, die abgeflogen werden, auch noch während des Fluges setzen, wenn sich die Drohne nicht weiter als drei Kilometer entfernt befindet.

Die Bilder, welche mit bis zu zwölf Megapixeln auflösen, kann man sich erst nachher am Rechner anschauen. Warum werden sie nicht in Echtzeit übertragen?

Dazu wäre eine breitbandige Funkverbindung nötig, die sich negativ auf die Akkulaufzeit auswirken würde.

Ausser der swinglet CAM bieten Sie mit der swinglet eine Drohne an, die man sich nach eigenen Wünschen konfigurieren kann. Für wen ist das interessant?

Wir denken dabei beispielsweise an Universitäten, die das unbemannte Luftfahrzeug mit Sensoren zur Messung der Luftqualität ausstatten könnten. Momentan ist die swinglet CAM für uns aber das wichtigere Produkt, weil der Markt dafür grösser ist.

Verkauft ihr Unternehmen auch Luftbilder?

Wir haben dies gelegentlich getan - beispielsweise an Gemeinden. Das ist für uns aber kein grosses Geschäft, daher konzentrieren wir uns auf den Absatz der Drohnen.

Vor einigen Wochen hatte das Magazin «Wirtschaftswoche» berichtet, Google plane den Einsatz von Drohnen des deutschen Unternehmens Microdrones. Der Suchmaschinenanbieter dementierte dies. Haben Sie schon mit ihm gesprochen?

Es gab Gespräche, über die wir natürlich nichts verraten. Nur so viel: Einen Vertrag gibt es noch nicht.

Update 26.8.: Ein Google-Sprecher sagte zu 20 Minuten Online: «Google testet oder nutzt diese Technologie nicht.» Ob es Verhandlungen gab, sagte er allerdings nicht.

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