SRF bezieht Stellung zu Kritik - «Es gehört zum Konzept von ‹Wilder›, menschliche Abgründe auszuloten»
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SRF bezieht Stellung zu Kritik«Es gehört zum Konzept von ‹Wilder›, menschliche Abgründe auszuloten»

Ein Experte warnt vor der Darstellung von Suizid in der neuen Staffel des SRF-Quotenhits «Wilder». Das SRF wehrt sich zwar, will aber handeln.

von
Angela Hess
Toni Rajic
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Die vierte Staffel von «Wilder» ist zugleich die letzte. Rosa Wilder, gespielt von Sarah Spale (41), begibt sich wieder auf Spurensuche.

Die vierte Staffel von «Wilder» ist zugleich die letzte. Rosa Wilder, gespielt von Sarah Spale (41), begibt sich wieder auf Spurensuche.

SRF/Pascal Mora
Ein privater Schicksalsschlag führt sie in das fiktive Dorf Oberwies im Bernbiet. Doch plötzlich soll sie in einem Mordfall Licht ins Dunkel bringen.

Ein privater Schicksalsschlag führt sie in das fiktive Dorf Oberwies im Bernbiet. Doch plötzlich soll sie in einem Mordfall Licht ins Dunkel bringen.

SRF/Pascal Mora
Hinzu kommt, dass Rosa Wilders Vater Paul vom Entführer Strunz bedroht wird.

Hinzu kommt, dass Rosa Wilders Vater Paul vom Entführer Strunz bedroht wird.

SRF/Pascal Mora

Darum gehts

  • Jörg Weisshaupt vom Verein für Suizidprävention Ipsilon nennt die Darstellung von Suizid in der SRF-Serie «Wilder» «problematisch» und «traumatisierend».

  • Nun bezieht das SRF Stellung und erklärt, dass die Umsetzung des Themas «intensiv besprochen» wurde und man Suizid in «Wilder» nicht verharmlose.

  • Warntafeln, die auf sensible Szenen hinweisen sollen, will das SRF nun aber trotzdem anbringen.

  • «Wilder» ist immer dienstags um 20.05 Uhr auf SRF 1 zu sehen oder auf Play Suisse.

Mit der vierten und letzten Staffel von «Wilder» zeigt das SRF erneut einen Krimi, der das TV-Publikum begeistert. Doch die Inhalte der Serie sind nicht ohne, findet ein Experte: Die Szenen in «Wilder», die Suizid thematisieren und konkret zeigen, seien «problematisch», so Jörg Weisshaupt vom Verein für Suizidprävention Ipsilon am Dienstag gegenüber «Nau». Er erklärt: «Es ist erwiesen, dass manche Formen der Darstellung von Suiziden weitere Suizide als sogenannte Imitationshandlungen hervorrufen können.»

Auf Anfrage von 20 Minuten bezieht nun der Sender Stellung zu den Kommentaren des Experten. «Wir waren uns von Anfang an sehr bewusst, wie heikel ein Suizid in einem Film ist», so SRF-Mediensprecherin Nadine Gliesche. Die Umsetzung der heiklen Szenen sei «intensiv besprochen» worden. Als Lösung habe man darauf verzichtet, die entsprechenden Serienmomente aus der Nähe zu zeigen: «Gemeinsam mit der Regie haben wir entschieden, bei diesen Szenen mit weiten Einstellungen zu arbeiten, um etwas Distanz zu schaffen.»

Keine Änderung an Episoden

Auch auf «allzu explizite Darstellung» sei deshalb laut Gliesche verzichtet worden. «Es gehört zum Konzept von ‹Wilder›, die menschlichen Abgründe auszuloten. Wir wollten die persönlichen Dramen psychologisch differenziert erzählen», führt sie aus. Die komplette «Wilder»-Staffel ist auf dem Streamingdienst Playsuisse bereits verfügbar, doch im Fernsehen waren die besagten Folgen noch nicht zu sehen. Dennoch werde man keine Änderung an den von Weisshaupt kritisierten Szenen vornehmen.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Suizidgedanken? Oder hast du jemanden durch Suizid verloren?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

«Wir verharmlosen Suizid nicht und zeigen ihn nicht als verführerische ‹Lösung›, sondern rücken stattdessen die Auswirkungen, das Entsetzen und die Reaktionen der Zeugen und Hinterbliebenen ins Zentrum», erklärt Nadine Gliesche. Das emotionale Drama spiele sich «in den Reaktionen und Gesichtern» der Schauspielerinnen und Schauspieler ab.

SRF will Hinweistafeln setzen

Die SRF-Mediensprecherin betont, dass die Darstellungen von Suizid in «Wilder» sehr genau überdenkt wurden. Denn: «Wenn ein Suizid in einer Geschichte vorkommt, wird der Umgang damit schon auf Drehbuchebene sehr intensiv diskutiert.» Das Thema ganz aus der Serie wegzulassen scheint keine Option gewesen zu sein. «In einem Krimidrama wie ‹Wilder› bekommt man es auch mit sensiblen Tabuthemen wie Suizid zu tun.»

Dennoch will sich das SRF die Rückmeldungen zur jüngsten «Wilder»-Staffel zu Herzen nehmen. Man habe «entschieden, sowohl online als auch linear Hinweistafeln zu setzen und damit auf die sensiblen Szenen hinzuweisen». Beim Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels waren online für den Stream von «Wilder» noch keine sogenannten Trigger-Warnungen erkennbar. Kommenden Dienstag läuft die dritte Folge der Staffel im TV.

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