Homeoffice: «Es geht jetzt nicht um Perfektion»
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Homeoffice«Es geht jetzt nicht um Perfektion»

Homeoffice ist gut für die Umwelt und Arbeitsmotivation. Doch Teleheimarbeit hat auch Schattenseiten. Hier gibt es Tipps für die Arbeit im eigenen Zuhause.

von
sts
Neben einer geeigneten Arbeitsumgebung braucht es im Homeoffice vor allem Selbstdisziplin. In Krisenzeiten ist es jedoch auch wichtig, die Erwartungen an sich selbst und andere herunterzuschrauben.

Neben einer geeigneten Arbeitsumgebung braucht es im Homeoffice vor allem Selbstdisziplin. In Krisenzeiten ist es jedoch auch wichtig, die Erwartungen an sich selbst und andere herunterzuschrauben.

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Seit sich die Schweiz im Lockdown befindet, müssen Hunderttausende Arbeitnehmer nicht mehr jeden Tag Millionen von Kilometern mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto zurücklegen. Dies hat positive Folgen für die Umwelt: Der Energieverbrauch sinkt und es wird deutlich weniger CO2 ausgestossen. Es könnten auch ohne Corona-Krise noch mehr Büroangestellte problemlos mindestens einen Tag pro Woche von zu Hause aus arbeiten. Projektbezogene Arbeit, bei der nur wenige persönliche Interaktionen mit den Teamkollegen notwendig sind, und Aufgaben, für deren Erledigung höchste Konzentration notwendig ist, können im Homeoffice vielfach effizienter erledigt werden als im Büro. Dank dem Aufkommen neuer Technologien und dem Wunsch nach mehr Selbstbestimmung bei der neusten Generation der Arbeitnehmer hat sich gemäss dem Bundesamt für Statistik zwischen 2001 und 2018 die Zahl der Erwerbstätigen, die zumindest gelegentlich im Homeoffice arbeiten, mehr als vervierfacht und ist von 250'000 auf über eine Million Angestellte und Selbstständigerwerbende angestiegen.

Die Möglichkeit zu Teleheimarbeit senkt nicht nur den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen, sondern erhöht auch die Arbeitszufriedenheit und Motivation der Angestellten. Selbstbestimmung ist im westlichen Kulturkreis wichtig. So kann es motivierend sein, in einer selbst bestimmten Umgebung und teilweise auch mit selbst gewählten Arbeits- und Pausenzeiten arbeiten zu dürfen. Heutige Arbeitsplätze mit Gruppen- und Grossraumbüros und ständigem Kontakt zu den Kollegen sind nicht für alle Arbeitnehmer die geeignete Umgebung. Einen für sich passenden Arbeitsort auswählen zu dürfen, kann als Zeichen der Wertschätzung des Arbeitgebers empfunden werden und der Motivation zuträglich sein. Ausserdem wird man im Homeoffice weniger abgelenkt durch redselige Kollegen oder lautstarke Telefongespräche des Bürokollegen, es muss kein Dresscode befolgt werden, und der oftmals als Belastung empfundene Arbeitsweg entfällt.

Grenzen zwischen Arbeits- und Wohnbereich klar ziehen

Was ist notwendig, damit die Arbeit im Homeoffice für alle Parteien zufriedenstellend erledigt werden kann? Als Erstes sollte man sich zu Hause ein ruhiges Plätzchen schaffen, wo konzentriertes Arbeiten möglich ist. Wenn kein separates Zimmer dafür zur Verfügung steht, kann beispielsweise im Wohnzimmer eine Arbeitsecke eingerichtet werden. Die virtuelle Infrastruktur muss ebenfalls stimmen: Ist die Internetverbindung stabil? Sind alle wichtigen Programme auf Ihrem Arbeitslaptop oder dem Heimcomputer gespeichert? Kann ausserhalb des Büros auf sämtliche Netzwerke und Speicherorte zugegriffen werden oder sind zusätzliche Authentifizierungsschritte notwendig? Wie hoch muss die Übertragungsgeschwindigkeit sein, damit Sie auch grosse Dateien herunterladen oder versenden können?

Neben einer geeigneten Arbeitsumgebung braucht es im Homeoffice vor allem Selbstdisziplin. Man muss sich selbst motivieren können. Es ist ratsam, morgens einen Plan zu erstellen und genau festzulegen, welche Pendenzen abgearbeitet werden sollen. Viele erfolgreiche Teleheimarbeiter folgen beim Arbeiten zu Hause einer ähnlichen Routine wie im Büro. Ablenkungen gilt es konsequent zu vermeiden. Fixe Arbeits- und Pausenzeiten können dabei helfen: Nach zwei Stunden konzentriertem Arbeiten oder der Fertigstellung einer kniffligen Aufgabe darf man sich als Belohnung beispielsweise einen Snack aus der Küche holen, ein kurzes Youtube-Video anschauen oder eine Rauchpause einlegen. Der Wäsche oder persönlichen Post sollten Sie sich ausschliesslich vor Arbeitsbeginn, in der Mittagspause oder nach der Arbeit widmen. Mangelt es an Disziplin, Selbstverantwortung, Organisationsfähigkeit und Motivation, sollte man nach Ende der Corona-Krise wieder auf Homeoffice verzichten.

In Krisenzeiten Leistungserwartungen herunterschrauben

Fachpersonen der Arbeits- und Organisationspsychologie der Hochschule für Angewandte Psychologie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) heben in einem Blogbeitrag die Bedeutung von Geduld und gegenseitigem Verständnis in Krisenzeiten hervor: «Die derzeitige Situation ist für uns alle besorgniserregend und nur schwer einschätzbar.» Daher sei es wichtig, die Leistungserwartungen an sich und andere herunterzuschrauben und bewusst in den Lernmodus zu gehen. «Es ist unrealistisch, in der jetzigen Situation die gleiche Leistungsfähigkeit oder die sonst übliche Gelassenheit zu erwarten.» Die Arbeits- und Organisationspsychologieexperten raten daher, einen Gang herunterzuschalten und dafür stärker zu priorisieren.

Vonseiten der Vorgesetzten ist ein Vertrauensverhältnis zu den Angestellten notwendig, um Mitarbeitende auch ohne Kontrolle vor Ort führen zu können. Es muss im Team festgelegt werden, wie mit ausserhalb des Büros arbeitenden Kollegen kommuniziert wird und ob man im Homeoffice durchgehend erreichbar zu sein hat oder ob Geschäftshandy und Kommunikationsapplikationen beim Erledigen von Konzentrationsarbeiten vorübergehend auf lautlos gestellt werden dürfen. Auch Fragen der Datensicherheit müssen besprochen werden. Die FHNW-Arbeitsexperten raten Führungskräften zu einem Vertrauensvorschuss: «Machen Sie sich und Ihren Mitarbeitenden deutlich, dass es jetzt nicht um Perfektion geht – sondern darum, das Nötige zu tun mit den Ressourcen, die eben da sind.»

#WIRSINDZUKUNFT

Die nationale Aktion #WIRSINDZUKUNFT wird von namhaften Unternehmen und EnergieSchweiz unterstützt. Sie soll die Schweizer Bevölkerung dazu anregen, den Alltag energieeffizienter zu gestalten und sich aktiv mit den Themen Energie sowie Klimaschutz auseinanderzusetzen. Als Medienpartner begleitet 20 Minuten #WIRSINDZUKUNFT mit Hintergrundberichten, Reportagen und Quiz.

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