Henrik Zetterberg: «Es geht um das Gefühl, nicht um Medaillen»
Aktualisiert

Henrik Zetterberg«Es geht um das Gefühl, nicht um Medaillen»

Er ist der wohl kompletteste Spieler, der je auf Schweizer Eis gespielt hat. Im Interview gibt NHL-Star Henrik Zetterberg (32) gegenüber 20 Minuten Online Auskunft.

von
Marcel Allemann

20 Minuten: Henrik Zetterberg, wie verbringen Sie die Weihnachtstage?

Henrik Zetterberg: Meine Frau und ich fliegen nach Hause nach Schweden. Es wird das erste Mal seit neun Jahren sein, dass wir wieder Gelegenheit haben, Weihnachten in Schweden zu verbringen und daher freuen wir uns sehr.

Für gewöhnlich spielen Sie in der NHL. Hat man als NHL-Profi im gedrängten Spielplan überhaupt Gelegenheit, Weihnachten zu feiern?

Das Programm ist jeweils schon dicht gedrängt. Wir spielen am 23. Dezember und danach bereits wieder am 26. Dezember. Aber wir Europäer haben den Vorteil, dass wir Weihnachten jeweils am 24. Dezember feiern – im Gegensatz zu den Amerikanern, welche dies traditionell erst am 25. Dezember tun. So gesehen bleibt uns Europäern nach dem Weihnachtsfest jeweils wenigstens noch ein Erholungstag.

In diesem Jahr sind Sie nun über die Festtage Zuhause in Schweden. Was gehört für Sie zu einem guten Weihnachtsfest?

Wir halten das nach schwedischer Tradition. Grundsätzlich wird den ganzen Tag gegessen (lacht). Angefangen mit einem speziellen Weihnachtsfrühstück. Später werden um 15 Uhr im Fernsehen die Weihnachtstrickfilme und Weihnachtskindershows angeschaut und danach werden die Geschenke verteilt und es wird wieder gegessen. Wir feiern zwar jeweils in Detroit ähnlich, aber wir freuen uns nun sehr, das richtige schwedische Essen, wie es nur bei uns zubereitet wird, zu geniessen.

Hört sich gut an. Was gibt es denn zum Dinner? Wie bei uns Schweizern Fondue Chinoise?

Nein. Speziell gekochter, marinierter Schinken und dazu dürfen Meatballs, Würstchen, Heringe, Kartoffeln und Salate nicht fehlen.

Und die Geschenke? Haben Sie diese rechtzeitig organisiert oder wie viele Männer erst auf den letzten Drücker eingekauft?

(lacht) Sie haben mich ertappt! Ich habe in der Tat bis zum letzten möglichen Moment gewartet und den Donnerstagnachmittag, meinem letzten freien halben Tag vor Weihnachten dazu genutzt, um Geschenke zu besorgen.

Diverse Ihrer Kollegen sind zwischen Weihnachten und Neujahr am Spengler Cup engagiert. War das keine Option für Sie?

Nein, nicht wirklich. Ich habe mich vorzeitig entschieden, dass ich Weihnachten wieder einmal Zuhause in Schweden verbringen möchte. Diese Gelegenheit bietet sich mir nicht oft und daher wollte ich sie unbedingt nutzen.

Sie sind nun seit Mitte Oktober in Zug. Auf was für eine Zeit blicken Sie zurück?

Auf eine, die mir viel Spass macht. Es ist hier natürlich anders als in der NHL, aber die Jungs sind grossartig zu mir und haben es mir einfach gemacht, ein Teil des Teams zu werden. Zug gefällt uns ausgezeichnet und ist zudem nahe bei Zürich, wo wir ebenfalls öfter mal sind. Es gibt wirklich nichts Schlechtes, das ich sagen könnte. Und natürlich hilft es auch, wenn man viele Spiele gewinnt, um sich wohl zu fühlen.

Haben Sie schon viel von der Schweiz gesehen?

Zumeist waren wir hier in der Gegend. So waren wir mal in Engelberg, ein anderes Mal aber auch in Lugano. Zudem sind wir während der Nationalmannschaftspause nach Rom geflogen. Es ist hier fantastisch, alles ist so nah, es sind im Gegensatz zu Amerika keine Distanzen. Fast ganz Europa ist von hier aus mit einem zweistündigen Flug erreichbar und das schätzen wir sehr.

Sind bereits neue Freundschaften entstanden?

Ja natürlich, ich habe zuvor ja nur Damien Brunner gekannt. Natürlich war mir Linus Omark als Schwede ein Begriff, aber wir haben nie zusammen gespielt. Deshalb war es schon mal schön, hier einen Landsmann anzutreffen. Aber auch all die anderen Jungs hier sind einfach grossartig zu mir. Und wenn ich eines Tages in die NHL zurückkehre, dann werde ich den Kontakt nach Zug behalten und aus der Ferne mit dem EVZ mitfiebern.

Im NHL-Lockout zeichnet sich weiterhin keine Lösung ab. Befassen Sie sich bereits mit dem Gedanken, die gesamte Saison in der Schweiz zu verbringen?

Ach wissen Sie, nach einer gewissen Zeit hört man damit auf, ständig daran zu denken. Schon zu oft habe ich geglaubt, dass es vielleicht in ein bis zwei Wochen losgeht, wenn jeweils positive Zeichen zu vernehmen waren, doch dann war plötzlich wieder alles anders. Natürlich bin ich über Konferenztelefonate stets auf dem Laufenden, was in Nordamerika geht, aber ich möchte mich darauf konzentrieren, meinen Fokus hier zu behalten. Es ist klar, früher oder später werde ich weggehen und wieder in der NHL spielen. Aber solange das nicht der Fall ist, möchte ich einfach meine Zeit hier geniessen.

Sie sind einer der wenigen Spieler im sogenannten «Triple-Klub», der den Stanley-Cup, Olympia und die WM gewonnen hat. Wie reizvoll wäre es für Sie, Schweizer Meister zu werden? Kann das für einen so erfolgreichen Eishockeyspieler überhaupt eine Herausforderung sein?

Auf jeden Fall, denn für mich als professioneller Eishockeyspieler geht es darum, so oft wie möglich zu gewinnen. Dabei ist mir nicht primär wichtig, so viele Medaillen und Pokale wie möglich zu hamstern, sondern es geht um das prickelnde Gefühl, zusammen mit den Teamkollegen etwas Einzigartiges zu erreichen, die absolute Spitze zu erklimmen. Von diesem Gefühl kann ich nie genug kriegen.

Verschiedene NHL-Spieler wie etwa Couture oder Pacioretty sind bereits wieder abgereist. Andere wie Spezza denken zumindest daran. War das für Sie nie eine Option?

Nein war es nicht, aber man kann meine Situation auch nicht mit der ihrigen vergleichen. Die nordamerikanischen Spieler aus der NHL sind hier weit weg von ihrer Familie und ihren Freunden, bei mir ist es lediglich ein zweistündiger Flug. Ich kann sie problemlos, so wie jetzt an Weihnachten, besuchen oder sie können ohne grossen Aufwand auch hier nach Zug kommen. Ich kann mir schon vorstellen, dass es für Nordamerikaner hier nicht ganz so einfach ist und sie die ihnen wichtigen Menschen vermissen.

Sie spielen nun seit zwei Monaten neben der Schweizer NHL-Hoffnung Damien Brunner, der wie Sie seit dieser Saison bei Detroit unter Vertrag steht. Trauen Sie ihm den NHL-Durchbruch zu?

Damien ist ein fantastischer Spieler und das wissen sie in Detroit auch, deshalb haben sie in ihn investiert. Er ist jedoch kein Spieler für die dritte oder vierte Linie, er muss in der ersten oder zweiten Linie und im Powerplay eingesetzt werden. Ob er diese Möglichkeit auf Anhieb bekommt, darüber bin ich mir nicht so sicher. Früher oder später wird er jedoch seine Chance erhalten und diese auch packen. Davon bin ich überzeugt. Und dann wird man Damien für sehr lange nicht mehr auf Schweizer Eis sehen.

Was verbindet Sie eigentlich mit Brunner? Sie verstanden sich bereits im Camp in Detroit prächtig.

Er war damals neu bei uns und auf sich allein gestellt. Da habe ich mich ihm ein wenig angenommen, so wie sich andere Spieler auch mir angenommen haben, als ich neu in Detroit war und mir alles fremd war. Zudem versprüht Damien so viel Energie – das tut einem älteren Spieler wie mir gut (lacht).

Sie kennen mittlerweile nicht nur Ihre Mitspieler, sondern wohl auch einige Gegenspieler in der NLA. Gibt es da einen, gegen den es besonders eklig ist zu spielen?

(Überlegt lange) Nein, also bis jetzt waren alle anständig mit mir. (überlegt nochmals). Vielleicht liegt es daran, dass sie viel Respekt vor meinen beiden Flügelstürmern Brunner und Omark haben (lacht).

Sehr gewundert sollen Sie sich aber haben, als Sie das erste Mal mit Zug auswärts gegen Ambri spielten. Erzählen Sie mal.

Ich muss dazu sagen, dass mich meine Teamkollegen mich sehr intensiv vorgewarnt haben, dass ich nun etwas sehen würde, was ich zuvor noch nie gesehen hätte. Aber ich habe es letztendlich sehr genossen bei dieser speziellen Atmosphäre und vor diesen fantastischen Fans zu spielen. Aber es ist in Ambri schon sehr speziell, von der Seite zieht es rein und bei unserem letzten Spiel war es dann wirklich unglaublich kalt. So gesehen habe ich in diesem Jahr meine Winter Classic (NHL-Spiel auf offenem Eisfeld, die Red.) gehabt, obwohl diese wegen dem Lockout verschoben wurde.

Sie gelten als perfekter Stürmer mit allen Anlagen. Was braucht es, um so zu werden?

Ich sehe mich selbst keineswegs als perfekt. Aber es ist zweifellos so, dass mir sowohl das defensive wie auch das offensive Spiel, der gesamte Mix, behagen. Ich wurde in Schweden entsprechend ausgebildet. Und es ist doch so: Als Eishockeyspieler will man so viel wie möglich spielen und je besser man beide Spielarten beherrscht, desto mehr Eiszeit bekommt man. Dann wird man eingesetzt, egal ob es nun darum geht, einen Vorsprung zu verteidigen oder unbedingt ein Tor zu schiessen.

Sie und Ihre als Model tätige Frau Emma gelten als Glamourpaar, ein wenig als die Beckhams Schwedens...

...oh, jetzt bekomme ich Probleme innerhalb der Mannschaft. Denn einige Teamkollegen in Zug haben mich mit diesen Worten zum Spass ein wenig aufgezogen und ich habe ihnen dann gesagt, dass das nicht wahr sei. Wenn mir jetzt schon die Schweizer Medien solche Fragen stellen, dann bekommen meine Teamkollegen neue Munition (lacht). Aber nein, ganz ehrlich – die Beckhams Schwedens sind wir wirklich nicht.

Aber Sie sind als Paar auf alle Fälle sehr berühmt in Schweden. Wie lebt es sich damit?

Dass wir beide schon zuvor den Umgang mit den Medien gewohnt waren, hat sicher vieles erleichtert. Sicher müssen wir aber ein wenig aufpassen, was wir in der Öffentlichkeit tun und was wir sagen. Aber letztendlich sind wir zwei ganz gewöhnliche Menschen und leben auch wie normale Menschen.

Aber werden Sie in Schweden ständig erkannt?

In unseren Heimatstädten erkennt man uns schon, ja. Aber es gibt in Schweden viele wesentlich berühmtere Menschen als uns.

Im Gegensatz zu vielen Berufskollegen sind Sie bei Social Medias wie Twitter und Facebook nicht aktiv. Weshalb?

Ich halte nicht viel davon. Vor allem nicht von Facebook. Ich habe mal den Spruch gehört «face your problems, dont facebook them» (sehe deinen Problemen ins Gesicht und stell diese nicht auf Facebook) und finde diesen sehr treffend. Facebook ist zwar durchaus gut, um mit Freunden, die man nicht oft sieht, Kontakt zu halten. Aber letztendlich finde ich, dass Facebook mehr Probleme schafft, als dass es etwas bringt. Die Minuspunkte überwiegen für mich.

Und Twitter?

Twitter finde ich etwas besser und ich muss sagen, dass ich gewisse Twitter-Einträge von Kollegen witzig und kreativ finde. Trotzdem wird man mich nie twittern oder facebooken sehen, obwohl es Konten von mir gibt, die aber nicht von mir sind. Wenn ich etwas mitzuteilen habe, dann kann ich dies nach jedem Training oder Spiel den Journalisten sagen, die sind ja ohnehin stets vor Ort. Sonst aber bevorzuge ich eine andere Art der Kommunikation als Twitter oder Facebook. Mein Handy, mit dem ich telefonieren und SMS schreiben kann, was für mich der direktere Weg ist, reicht mir voll und ganz aus.

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