Sommer, Shaqiri und Xhaka im Interview - «Es geht vergessen, was Shaq und Granit geleistet haben für dieses Land»
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Sommer, Shaqiri und Xhaka im Interview«Es geht vergessen, was Shaq und Granit geleistet haben für dieses Land»

Die EM ist für die Nati bisher eine emotionale Achterbahn. Vor dem Achtelfinal-Kracher gegen Frankreich sprechen die drei Nati-Könige Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Yann Sommer im Interview über Nebenschauplätze und wie man Frankreich anpackt.

von
Tobias Wedermann
(Bukarest)
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Die drei Captains der Schweizer Nati: Goali Yann Sommer (l.), Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri.

Die drei Captains der Schweizer Nati: Goali Yann Sommer (l.), Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri.

Toto Marti/Blick/freshfocus
Die Nebenschauplätze der bisherigen EM habe die Medien mehr beschäftigt als die Nati, sagt Granit Xhaka.

Die Nebenschauplätze der bisherigen EM habe die Medien mehr beschäftigt als die Nati, sagt Granit Xhaka.

Toto Marti/Blick/freshfocus
«Wir wollen damit keine Show abziehen», sagt Xherdan Shaqiri zu seinem Lamborghini-Auftritt beim Auftakt der EM-Vorbereitung in Bad Ragaz.

«Wir wollen damit keine Show abziehen», sagt Xherdan Shaqiri zu seinem Lamborghini-Auftritt beim Auftakt der EM-Vorbereitung in Bad Ragaz.

Toto Marti/Blick/freshfocus

Darum gehts

  • Die drei Captains der Schweizer Nationalmannschaft Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Yann Sommer sprechen über die ersten Wochen der EM.

  • Sie erzählen, wie sie die Themen Coiffeur, Tattoo-Studio, Lamborghinis oder auch Identifikation empfinden.

  • Die drei Nati-Stars sprechen ausserdem über den Frankreich-Knaller und dass sie alles geben werden für ein Weiterkommen gegen den Weltmeister.

Ihr habt turbulente EM-Wochen hinter euch. Zuerst hitzige Themen neben dem Platz, dann der Befreiungsschlag gegen die Türkei und nun der Achtelfinal gegen Frankreich. Wie seid ihr mit diesen Nebenschauplätzen umgegangen?

Xhaka: Ich glaube, die Themen haben die Medien mehr beschäftigt als uns.

Nicht nur die Medien, auch die Fans. Du sagtest nach dem Türkei-Spiel, dass man dieses Team kaputt machen will. Das ist schon ein krasser Vorwurf.

Xhaka: Ja, das ist vielleicht eine harte Wortwahl. Es war mein Gefühl, dass von aussen Leute die Mannschaft ärgern wollten, und dann habe ich meine Meinung offen kundgegeben. Ich finde aber auch, dass wir als Team diese Situation gut gemeistert haben.

Es muss einen doch auch selber ärgern, wenn solche Themen immer wieder für Unruhen sorgen und man alle zwei Jahre bei grossen Turnieren um die Akzeptanz ringen muss.

Sommer: Klar, wir hatten ein paar Geschichten in den letzten Jahren. Der Grund in diesem Jahr ist doch aber vor allem die schlechte Leistung gegen Italien. Dann wurden anschliessend Themen abseits des Platzes mit der Niederlage in Verbindung gebracht – Autos, Coiffeur, Tattoo-Studio.

Fangen wir von vorne an. Xherdan Shaqiri, du wurdest plötzlich zum Lambo-Shaq. Wie hast du diese Thematik empfunden?

Shaqiri: Diese Auto-Storys gibts seit zehn Jahren, als bereits andere Spieler mit teuren Autos kamen. Wir wollen damit keine Show abziehen. Das wird anschliessend daraus gemacht. Ich fahre mit meinem Auto zur Nationalmannschaft und vor Ort geht es für mich wirklich nur darum, Fussball zu spielen und gute Leistungen für unser Land zu zeigen und die Menschen in der Schweiz glücklich zu machen.

Sommer: Das ist und war übrigens auch nie ein Thema in der Mannschaft. Die Frage «Hey, wieso kommst du mit diesem Wagen» ist nicht relevant für dieses Team. Jeder soll in seinem Leben anstellen oder fahren, was er will und was ihm Freude bereitet. Lamborghini, Ferrari oder VW-Polo – es ist doch alles okay.

Es wäre ja auch langweilig, wenn alle mit dem VW kommen würden wie Yann Sommer.

Xhaka: Shaq und ich sehen halt nicht so gut aus wie Yann und kriegen deshalb keinen Werbedeal (lacht).

«Ja, es war ein Fehler.»

Granit Xhaka über den Tattoo-Studio-Besuch und die Fotos ohne Maske.
Toto Marti/Blick/freshfocus

Granit Xhaka, du bist dann anschliessend zum Tätowierer gegangen in den beiden freien Tagen vor der Abreise nach Baku. Auch das hat Wellen geschlagen.

Xhaka: Ich bin kürzlich zum zweiten Mal Vater geworden. Ich hatte den Namen meiner ersten Tochter Ayana schon auf den Arm tätowiert und es war in diesem Moment wichtig für mich, dies für meine zweite Tochter Laneya vor so einem grossen Turnier auch noch zu machen.

Es gab Fotos ohne Maske. Schon eher unglücklich mitten in der EM-Vorbereitung, nicht?

Xhaka: Wir haben die Schutzmassnahmen stets eingehalten, die Maske haben wir für ein Foto kurz abgezogen. Aber ja, es war ein Fehler. Und wir haben das intern geklärt.

Und dann kam nach dem 1:1 gegen Wales noch die Coiffeur-Story.

Shaqiri: Das Wichtigste ist , dass die Covid-Massnahmen zu jedem Zeitpunkt befolgt wurden. Der Coiffeur hatte einen negativen PCR-Test und trug immer eine Maske.

Xhaka: Die halbe Mannschaft hat sich die Haare schneiden lassen. Rückblickend lösten eher die gefärbten Haare die Reaktionen aus.

Könnt ihr verstehen, dass es einige Schweizer Fans gibt, die Schwierigkeiten haben, sich damit zu identifizieren? Die gehen auch nicht vor einem wichtigen Arbeitstermin ins Tattoo-Studio oder die Haare färben und zeigen das noch auf Social Media.

Xhaka: Es gibt halt Spieler, die machen das und zeigen es der Öffentlichkeit nicht, und es gibt Spieler, die machen es transparent.

Sommer: Wenn wir beim Thema Identifikation sind, muss man doch auch etwas mal ganz klar sehen: Granit hat 97 Länderspiele für die Schweiz, Shaq hat 94. Zusammen noch 37 Tore. In solchen Diskussionen geht ab und zu vergessen, was diese beiden schon geleistet haben für unser Land. Beide gehen in Richtung Rekord-Nationalspieler!

«Alex Frei wird rasiert.»

Granit Xhaka auf die Frage, ob Frei als Rekordtorschütze abgelöst wird.

Auch Rekordtorschütze? Aktuell führt Alex Frei diese Liste mit 42 an. Xherdan, du hast 25.

Shaqiri: Hat er nicht auch viele Penaltys geschossen? Das habe ich nicht.

Xhaka: Klar, Alex Frei wird rasiert. Und am besten werden wir beide Rekord-Nationalspieler.

Habt ihr das Gefühl, dass die Medien eine rassistische Motivation haben, wie aktuell ein Vorwurf im Raum steht, weil sowohl Shaqiri wie auch Xhaka oft in den Schlagzeilen stehen?

Shaqiri: Nein, ich hatte in der Schweiz nie etwas mit Rassismus zu tun. Klar, gibt es immer Personen, die einen mögen und solche, die einen nicht mögen. Über Identifikation müssen wir aber definitiv nicht diskutieren, wenn man unsere Anzahl Länderspiele anschaut. Wir haben immer alles gegeben im Schweizer Trikot, mit Stolz und Leidenschaft für unser Land gespielt und wir werden das auch künftig immer tun.

Und das erwarten die Schweizer Fans auch am Montag im Achtelfinal gegen Frankreich.

Sommer: Ich freue mich sehr – ein absolutes Highlight. Wir spielen gegen eine Mannschaft, die Weltmeister ist und unglaublich viele Topstars im Team hat. Und trotzdem gehen wir mit dem Ziel ins Spiel, dass wir eine Runde weiterkommen.

Wie gewinnt man gegen diese Topstars? Die Schweizer Nationalmannschaft spielt gerne offensiven Fussball. Müsst ihr euer Spiel am Montag anpassen?

Xhaka: Wir sind keine Mannschaft, die 90 Minuten nur verteidigen will oder wird. Das wäre die falsche Lösung. Wir wollen Fussball spielen und nicht nur lange Bälle schlagen.

Shaqiri: Wir müssen alle defensiv viel mehr arbeiten am Montag als in den normalen Spielen. Das ist völlig klar und das wissen wir auch. Zudem müssen wir die Chancen, die sich uns bieten werden, kaltblütig nutzen.

Der ehemalige französische Nationalspieler Willy Sagnol sagt, die Schweiz sei ein unterklassiges Team.

Shaqiri: Das ist für uns eine Chance.

Sommer: Ja, das ist doch gut für uns. Wir müssen auf uns schauen und unsere Werte auf den Platz bringen wie gegen die Türkei – Solidarität, Mut, Kommunikation und eine gute Körpersprache und dann werden wir sehen.

Mbappé, Griezmann und Benzema. Wie haltet ihr diese Superstar-Stürmer von eurem Tor fern, Yann Sommer?

Sommer: Sie haben in der Offensive sehr viel Tempo und sind im Umschaltspiel unglaublich stark. Wir müssen kompakt stehen und im Ballbesitz sehr konzentriert sein. Im Zentrum dürfen wir uns keine einfachen Ballverluste erlauben.

In diesem Zentrum steht Paul Pogba. Der grosse Regisseur im französischen Mittelfeld. Zudem N’Golo Kanté, vermutlich aktuell einer der besten Sechser der Welt. Da kommt etwas auf dich zu, Granit Xhaka.

Xhaka: Pogba kann ein Spiel alleine entscheiden. N’Golo Kanté hat offenbar acht Lungen, ist eine riesige Laufmaschine, gewinnt viele wichtige Zweikämpfe. Verstecken müssen wir uns dennoch nicht gegen diese beiden.

Ist Frankreich für euch der Favorit auf den EM-Titel?

Sommer: Es gibt viele Mannschaften an der Euro, die spannend sind. Da gehört Frankreich sicher dazu. Holland gehört für mich ebenfalls zu diesen Teams, wie auch die Schweiz.

«Ich werfe Dzemaili den Pfostenschuss gegen Argentinien jedes Mal vor, wenn ich ihn sehe.»

Xherdan Shaqiri über den Achtelfinal an der WM 2014.
Toto Marti/Blick/freshfocus

Ihr seht die Schweiz als Mitfavorit für den Gewinn der Europameisterschaft?

Shaqiri: Soweit würde ich nicht gehen. Aber Portugal ist 2016 Europameister geworden als Dritter in der Gruppe, oder? In einem Turnier ist vieles möglich. In solchen K.o.-Spielen muss jeder über seine Grenzen gehen. Und bisschen Glück braucht es letztlich auch. Und um Frankreich zu besiegen, brauchen wir den perfekten Tag und sie nicht.

Also ein Spiel wie im Achtelfinal gegen Argentinien 2014 aber mit Happy End statt Pfostenschuss in der Nachspielzeit?

Shaqiri: Exakt. Ich werfe Blerim Dzemaili den Pfostenschuss jedes Mal vor, wenn ich ihn sehe. Jedes Mal! (lacht)

Schauen wir noch ein bisschen in die Zukunft. Granit Xhaka, wie gefällt es dir in Rom?

Xhaka: Eine sehr schöne Stadt.

Klappt es mit dem Transfer zur AS Roma?

Xhaka: Arsenal weiss, was ich will. Schauen wir mal.

Und bei dir, Xherdan Shaqiri? Du hast bei Liverpool nur noch ein Jahr Vertrag.

Shaqiri: Was nach der EM passiert, werden wir sehen. Ich werde mit meinen Beratern und Liverpool zusammensitzen und eine Lösung finden. Aktuell dreht sich in meinem Leben alles nur um dieses Achtelfinal am Montag. Ich will unbedingt ins Viertelfinal mit der Schweizer Nationalmannschaft.

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